Wien ist weit weg, aber Dank Twitter, Livestream und Luca hab ich doch einiges von der Besetzung der Wiener Hauptuniversität mitbekommen.
Meine Solidarität reicht nur leider nicht soweit, dass ich mich kurzfristig auf 12h Zugfahrt begebe und so wird mein Beitrag lediglich ein theoretischer sein.
Bis jetzt scheint es, wie Luca bemerkt, an Realismus und Deutlichkeit der Forderungen zu fehlen. Aber Protest hat ja auch nicht die Aufgabe, fertige Lösungen zu präsentieren, sondern Diskussionen anzuregen. Das dieser Protest in Form einer großen Party stadtfindet, halte auch ich für einen nicht gerechtfertigten Kritikpunkt. Die Party ist die Proteskultur unserer Generation (1, 2) sie ist das Mittel zur Mobilisierung.

Im Audimax Wien wurden gestern also folgende Forderungen „beschlossen“.
Ausgegangen sind sie von der Universität der Bildenden Künste, die wohl den fundiertesten Anstoß für die Proteste gegeben hat, erweitert wurden die Kurzforderungen wie schon erwähnt von Luca (Zitate folgend kursiv), ich werde sie hier weiter diskutieren und hoffe, dass sich weitere Studenten und Professoren finden, die sich daran beteiligen.
Demokratisierung der Universitäten
Studenten sind der Souverän der Universität. Sie müssen in allen wesentlichen Fragen (Curriculum, Personal) mit- entscheidungsberechtigt sein. Zudem gibt es aber ein übergeordnetes Interesse, Vergleichbarkeit bei Bildungsabschlüssen zu erzielen. (Gibt es das? Ist diese durch den Bologna-Prozess gegeben?)
Ein Studienabschluss, der vom Staat vergeben wird soll nicht beliebig sein. Der Staat als Finanzier des Bildungssystems hat also auch ein Recht über die Bedingungen zu entscheiden, unter denen jemand am System teilhaben darf und unter welchen er es mit einem Abschluss wieder verlässt.
Dabei ist der Staat seiner Verfassung verpflichtet, die Gleichheit fordert, bejaht und fördern muss. Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren widersprechen diesem Ansatz, sind aber bisher das einzige Mittel die große Zahl der Studierenden zu bewältigen. Warum aber, werden Vorlesungen nicht längst elektronisch gehalten, via Youtube ausgestrahlt (so wie es das MIT z.Bsp. macht). Warum wird die Kapazität des Bildungssystems an der Größe der Hörsäale fixiert?
Wenn wir aufhören Studenten für einen optiomalen Arbeitskräftemarkt auszubilden, dann werden Studenten ihr Studium abschließen, die dabei Freude hatten und den Arbeitsmarkt selbst gestalten, weil sie eben nicht nur eine Stelle ausfüllen. Professoren und Unis sind nicht die Dienstleister des Arbeitsmarktes, sondern der Studenten. Ihre Anforderungen und Bedürfnisse sollen die Lehre bestimmen, nicht der Arbeistmarkt.
Selbstverwaltung der Universitäten
Universitäten dürfen nicht von der Politik der aktuell regierenden Parteien abhängig sein. Es muss dafür gesorgt werden, dass sie das nötige Geld und Macht bekommen über sich selbst zu bestimmen.
Die Autonomie der Universitäten muss zusätzlich eigene Konzepte der Ausbildung ermöglichen. Fachhochschulen und Universitäten sollten nicht die einzigen Modelle sein, die in Europa Platz haben.
Kontrolliert und Evaluiert werden diese Systeme durch den Souverän, die Studenten.
Transparente Finanzierung der Universitäten
Wohin fließt wie viel Geld und warum. Wer ist an der Entscheidung daran beteiligt? Warum muss Bildungspolitik beim Haushalt mit anderen Bereichen konkurrieren. Bildung muss Bedarfsdeckend und nicht Mindestfinanziert werden.
Freie Masterzugänge
Wenn wir Autonomie und Selbstverwaltung fordern, muss gewährleistet sein, dass Teilnehmer an Masterstudiengängen dazu befähigt sind und die nötigen Vorkenntnisse haben. Das kann durch einen Aufnahmetest geschehen, der sich am Wissen und nicht an der Zahl der möglichen Sitze bemisst. Das kann dadurch geschehen, dass die Abschlüsse des ersten akademischen Bildunsweges nicht von den Universitäten vergeben werden (die immer daran interessiert sind, wenig Durchfaller zu haben) sonder durch eine unabhängige (staatliche?) Prüfungsagentur. Ergebnis wäre evtl. ein ähnliches Model wie das Zentralabitur.
Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren
Studiengebühren schließen Menschen vom Zugang zu Bildung aus und Reglungen wie dass man in der Mindeststudiendauer keine bezahlen muss, sorgen lediglich dafür, dass einfache Lehrveranstaltungen bevorzugt werden und die Leute durch das Studium hasten, anstatt sich Wissen anzueignen.
Denkbar sind evtl. Absolventenbeiträge, die nach erfolgreichem Start ins Berufsleben gezahlt werden. Ob direkt an die Universitäten oder über eine Bildungssteuer ist zu überdenken. Der Kerngedanke für seine Ausbildung einen finanziellen Beitrag zu leisten, ist nicht verkehrt, sondern er muss nur so konstruiert werden, dass er keine Zugangsbeschränkung darstellt. Wennwir Bildung weiter als Staatsaufgabe verstehen, müssen wir bereit sein Modelle zu akzeptieren, die den gestiegenen finanziellen Bedürfnissen Rechnung tragen.
Keine Aufnahmeprüfungen
Aufnahmeprüfungen schließen ebenfalls Menschen von Bildung aus. Sie nehmen den Leistungsstand von wenigen Stunden und bestimmen damit das gesamte Leben.
Um diese Forderung durchzusetzen müssen zwei Vorraussetzungen erfüllt sein.
1. Vorbildung
Die schulische Vorbildung muss gut genug sein, um zum Studium zu befähigen. Das Zentralabitur ist auf diesem Weg ein sinnvoller Schritt. Förderkurse oder die existierenden Vorkurse ebenfalls
2. Infrastruktur
Freier Zugang heisst tendenziel mehr Studenten. Dabei hat keiner Interesse an volleren Hörsäalen. Hier gilt es noch einmal über die Digitalisierung der Dozenten nachzudenken. Hören in Abwesenheit. Die technische Infrastruktur dafür ist längst da, die Aufmerksamkeit und die Konzentration dürfte außerhalb der überfüllten Hörsäale wohl auch besser sein.
Bessere Dienstverhältnisse für Lehrende
Eine Universität hat wenig Anreiz, wenn den Lehrenden immer mehr Hürden in den Weg gelegt werden, während die Privatwirtschaft mit Geldbündeln winkt. Ich spreche nicht davon, dass man sie mit Geld überhäufen soll, sondern sie dabei unterstützen muss, wenn sie ihrer Überzeugung, Wissen zu teilen, nachkommen.
Dabei gilt es ein Maß von autonomer Lehre und studentischer Kontrolle zu finden. Das Elend, dass ein schlechter Dozent erzeugt, ist zumindest kurzfristig größer als jenes, einer Studiengebühr. Hier gilt es schon in der Phase der Anstellung Studentische Mitwirkung zuzulassen. Nach meiner Beobachtung ist die Einstellung von Dozenten, die gleichzeitig in der Wirtschaft tätig sind, am erfolgreichsten. Sie sind nicht geprägt von akademischen Mühlen, besitzen Praxiserfahrung und sind finanziell nicht primär von ihrer Stelle als Dozent abhängig. Unabhängigkeit, ermöglich auch in diesem Falle die Freiheit „gut“ zu sein.
Flexible und selbstbestimmte Studienpläne
Jeder Student sollte selbst darüber entscheiden können, was für ihn sinnvoll ist und nicht in einen vorgefertigten Pfad gestopft werden, der jegliche Kreativität tötet und lediglich auf schnelles durchwinken ausgelegt ist.
Sind schlussendlich Teil einer unabhängigen Universität. Auch hier muss es aber möglich sein, dass Universitäten (unter Studentischer Mitbestimmung) selbst darüber entscheiden, ob sie flexible oder fixierte Studenpläne verwenden wollen. Beide System haben Vorteile, beide NAchteile, beide werden von verschiedenen Studenten bevorzugt.
Hier zeigt sich die Stärke der Unabhängigkeit. Sie ermöglicht, und das ist im Sinne aller, Wahlfreiheit.
Zum Schluss bleibt zu hoffen, dass die Party morgen nicht schon vorbei ist. Bleibt zu hoffen, dass auch die Gegenbewegung „Wir wollen doch nur unseren Abschluss“ versteht, dass auch sie in diesem offenen System Platz haben. Bleibt zu hoffen, dass alles besser wird.
Es ist mehr als nötig.
Demokratisierung der Universitäten
Jeder Student hat ein Recht darauf mitzubestimmen, wie seine Ausbildung aussieht. Es handelt sich um Menschen, die Verantwortung über ihr Leben übernehmen können und somit auch über die Art und Weise wie sie sich Wissen aneignen. Ich spreche nicht davon, dass es keine Prüfungen mehr geben soll und man ohne Anstrengung irgendwelche Titel bekommt. Darum geht es nicht. Das Studium soll sinnvoll sein und man soll es nicht wegen dem Abschluss machen, sondern weil es spannend ist, weil man lernen will.
Selbstverwaltung der Universitäten
Universitäten dürfen nicht von der Politik der aktuell regierenden Parteien abhängig sein. Es muss dafür gesorgt werden, dass sie das nötige Geld und Macht bekommen über sich selbst zu bestimmen.
Transparente Finanzierung der Universitäten
Wohin fließt wie viel Geld und warum.
Freie Masterzugänge
Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren
Studiengebühren schließen Menschen vom Zugang zu Bildung aus und Reglungen wie dass man in der Mindeststudiendauer keine bezahlen muss, sorgen lediglich dafür, dass einfache Lehrveranstaltungen bevorzugt werden und die Leute durch das Studium hasten, anstatt sich Wissen anzueignen.
Keine Aufnahmeprüfungen
Aufnahmeprüfungen schließen ebenfalls Menschen von Bildung aus. Sie nehmen den Leistungsstand von wenigen Stunden und bestimmen damit das gesamte Leben. Stattdessen müssen die Studenten im Vorfeld darüber aufgeklärt werden, was das Studium bedeutet, was sie machen müssen und welche Alternativen es gibt. Weiters kann man das System grundsätzlich überdenken, in welche Weise Förderkurse Sinn machen, wenn Studenten ein gewisses Vorwissen nicht mitbringen.
Bessere Dienstverhältnisse für Lehrende
Eine Universität hat wenig Anreiz, wenn den Lehrenden immer mehr Hürden in den Weg gelegt werden, während die Privatwirtschaft mit Geldbündeln winkt. Ich spreche nicht davon, dass man sie mit Geld überhäufen soll, sondern sie dabei unterstützen muss, wenn sie ihrer Überzeugung, Wissen zu teilen, nachkommen.
Flexible und selbstbestimmte Studienpläne
Jeder Student sollte selbst darüber entscheiden können, was für ihn sinnvoll ist und nicht in einen vorgefertigten Pfad gestopft werden, der jegliche Kreativität tötet und lediglich auf schnelles durchwinken ausgelegt ist.
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