diesen Montag kommt mein Montagspost mal aus Wien. (Also das stimmt jetzt nicht, aber ich habs da geschrieben)
Samstag war ich bei einem Theaterstück, oder so ähnlich. Unter der Regie von Riminiprotokoll haben 6 dolmetschende Journalisten oder auch journalistische Dolmetscher die Nachrichten präsentiert, kommentiert und in ihrer Belanglosigkeit zum Gespött gemacht. Aus Latenamerike, Island, dem mittleren Osten, aus Indien und aus Russland übersetzten sie simultan was so über die Mattscheibe flimmerte.
Nach kurzer Einführung wurden Punkt acht Uhr die Nachrichten gestartet, zum Teil live, zum Teil aufgezeichnet. Im Wechsel übersetzten das Team die Geburtstagsfeiern von Ernesto Che, die Konsequenzen zum abgelehnten EU Vertrag ,den aktuellen Staatsbesuch von Medwedew und weitere Nichtigkeit. Unterbrochen wurden die ruschenden Meldungen immer wieder von der stoisch vorgetragenen Erzählung über Xerxes und die Perser. Koordineirt wurden die Dolmetscher von einem Journalisten der Berliner AFP, er entschied welche Meldung von Fernseher über Dolmetscher ins Publikum durfte.
Der Bilder- und Belanglosigkeitsrausch der weltweiten Fernsehsender wurde den ganzen Abend stilisiert und eindrucksvoll wurde gezeigt, wie unbedeutend die Inhalte des alltäglichen Abendritual sind oder scheinen.
Ich sehe das Hauptproblem nicht in der Flut der Belanglosigkeit, sondern in der fehlenden Fähigkeit die Unterschiede zum Wesentlich darzustellen und zu erkennen. Sowohl die Medien als auch ihre Konsumenten werden um diese Aufgabe nicht herum kommen.
Zurück zum Abend: der bestand aus wenig Theater und die wenigen Elemente des Spielens wirkten gezwungen. Ungeübte Darsteller haben eben kaum Möglichkeiten, mehr, als das „Tatsächliche“ darzustellen. Angefangen bei einer fast schon unverständlich gemurmeten Rolle des Journalisten.
Der virtuose Umgang mit den ständig wechselnden Bildern war aber eine gelungener Appell an die Konzentration und das Bewusstsein von Publikum und TV-Produzenten.
Einmal in Wien, bin ich gleich geblieben. Bis heute, zu diesem nervig hochstilisierten Tag des was weiß ich. Es soll gefälligst der gewinnen der mehr Tore schießt und am liebsten wäre mir ein Sieg, der die ganzen anstrengenden TitelseitenSchlagzeilenSondersendungenLaberBLABLABLAMedeienscheiße beendet.
Und wenn dafür Polen weiter kommen muss, dann meinetwegen-
Jetzt in der Sonne fläzen, fern jeder universitären Verpflichtungen und leckeren Currychumus auf Olivenbrot essen. Und je länger ich esse umso mehr glänzt das Öl auf dem billigen Käse So wie eben Wien etwas billig versucht zu Glänzen, mit seinen hellen Prunkbauten, und den bunten Farben der Fußballflaggen, die überall in dieser Stadt hängen und fast die Sicht auf die melodischen urbanen Highligts verhängen.
Den Augarten, das Museumsquartier, die alten spießigen Caffeehäuser und der Zweig, den ich mir mitgenommen hab, und zu dem ich jetzt auch zurück kehre, denn lesend ist dieses Wien für mich am schönsten und einfachsten zu ertragen.
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