18
Aug
08

Montag

Ich sollte noch etwas bloggen. Ein klein wenig zumindest. Erst recht nachdem ich am Freitag das große Glück hatte, der Produktion des News-Navigator beizuwohnen.

Es ist so ein direktes Nachrichtenformat, aber was soll ich groß schrieben, außer wie wunderbar „einfach“ es ist, damit zu produzieren.

Ein Greenscreen, ein Schnittprogramm, KnowHow und zwei ambitionierte Journalisten. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Tausend Dank an dieser Stelle noch einmal an Isabella und Christian. It was a privilege.

Das sollte aber nicht davon ablenken, dass aus dem digital divide zwischen Onlinern und Offlinern eine ganz andere Kluft wird/werden kann.

Im Focus Jahr-BUCH 2008 schreibt Wolfgang J. Koschnick sehr treffend wie das WEB 2.0 genutzt wird:“…die einen tun das, um ihr Wissen zu verbreitern und zu vertiefen, um ihre Geschäfte abzuwickeln, ihre Kommunikation effizienterzu gestalten. Und die anderen tun das, um sich mit Pornos und blöden Blogs, in Chatooms und Flirtlines zu Tode zu amüsieren. [...]die einen wachsen daran, die anderen versinken im Sumpf.“ (Koschnick ist 66 Jahre alt)

Tja, das zu ertragen ist wohl das Leid derer, die sich liberal schimpfen.

Aber warum wird dann in Schulen (den un-liberalsten Orten die ich kenne) immer noch gelehrt, wie man seinen Namen tanzt (damit ihn die Freundin am anderen Ende der Webcam auch versteht), und wann wird endlich angefangen einen sinnvollen Umgang mit dem Internet zu lehren?

Haben Schulen etwa Angst, dass ihre Schüler online mehr lernen als im Frontalunterricht, oder wissen sie es nicht besser?

Ich hoffe, die Aufgabe der Lehrer wird sich bald verändern, Pädagogen wollten sie zwar oft sein, aber doch meist vergebens. (Wissens-)Lehrende waren zumindest einige von Ihnen. Ihr Unterricht lässt sich vielleicht mit einem guten Blog vergleichen. Jede Stunde spannend erzählte Neuigkeiten zum lernen und dann gab es diese ganz seltenen „Charakterlehrer“.

Die haben viel weniger Wissen vermittelt, als sogenannte „soft skills“:

den Mut zur Meinung und zum Fehler;

die Würde, die eigene Unwissenheit zu ertragen und zu erkennen und daraus den Ehrgeiz nach mehr Wissen zu entwicken;

den Witz in der Diskussion und den ehrlichen Respekt vor der anderen Meinung(der geht mir heut noch manchmal ab – i know) ,

das dialektische Denken und auch

die Macht einer PERSÖNLICHEN Überzeugung gegenüber gelesenem Wissen.

Das sind Dinge die uns kein Internet lehren kann, vielleicht ein paar Helden der Literatur, aber vor allem Menschen. Vielleicht sollte es die Aufgabe von Lehrern sein; Wissen werden sie uns kaum noch vermitteln können.

Ich erkenne das spät, und ich war oft kein „einfacher Schüler“.  Eben weil ich das erst jetzt verstehe.

Aber ich bin, auch das spät, denjenigen dankbar, die mich trotzdem mehr gelehrt haben, als der Lehrplan verlangte.

Matthias Kreck via

einfach wunderbar


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