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SCHEIß INTERNET

Und wie schnell man damit recht haben kann.

Meine Kollegen diskutieren gerade auf mehreren Plattformen eine Aussage des ORF-Programmdirektors Wolfgang Lorenz:

“Es ist mir scheißegal ob sie zuschauen. Und sinngemäß: Anstatt die publizistische Macht des Fernsehn zu nutzen, verkrümmelt sich die Jugend in dieses Scheiß-Internet.”

Und in jugendlichem Gehorsam macht “die Jugend” das auch noch wirklich.

Sebastian Bauer macht den Anfang, indem er die Äußerungen von Lorenz aufgreift und diese ohne jedes Gegenargument bloggt. Das ist noch nachvollziehbar, denn Lorenz war beleidigend und dagegen darf sich jeder, jederzeit wehren. Auch in einem Blog.

Unverschämt finde ich, was Kollege Michael Neumayr daraus macht. Hält er sich im Blogeintrag noch zurück, fordert er auf Twitter schon direkt zu einer Anti-Lorenz-Kampagne auf. Mike möge mich nicht falsch verstehen. Ich meine nicht, dass die Äußerungen verschwiegen werden sollten.

Aber jemand der die Veranstaltung nicht erlebt hat, sollte nicht ohne jeden Gegenchek zu Kampagnen auffordern. Und als werdender Journalist erst recht nicht, ohne Gegenargumente zu berücksichtigen.

Für Journalisten finde ich es schon Fragwürdig, wenn sie auf der Veranstaltung nicht mal den Mund aufmachen. (@basti)

Das auch Heinz Wittenbrink kaum über die plakativen Aussagen hinaus geht, wundert mich.

Der Schneeengel bringt zumindest eine ausführlichere Darstellung.

Denn:

Nur weil jemand das Internet nicht versteht, heißt das nicht, dass er keine Ahnung von Fernsehen hat.

Lorenz meinte: der ORF macht ein Angebot – wir entscheiden ob wir es annehmen.

Das Internet ist “UNSER” Angebot an den ORF (und an alles “ALTE”).

Wir sind hier. Und wer unser Geld und unsere Aufmerksamkeit haben will, hat sich gefälligst nach uns zu richten.

Wer darauf verzichtet hat das Recht dazu. Wir können ihm, ohne jede Empörung, scheißegal sein. Denn, mal ehrlich, dem Großteil von uns, ist Wolfgang Lorenz doch auch egal.

Warum auch ich nicht über die Inhalte der Veranstaltung schreibe: Es ist nicht mehr nötig ONLINE über die Relevanz von ONLINE zu schreiben. Im Dialog mit den Alten scheint es genau so nötig, wie deren Gespräche mit uns: über Krieg, Politik und Wirtschaft. Aber Generation sind anscheinend dazu da, dass sie aneinander vorbei reden…

I don’t know. Ich will nur nicht mitmachen…


14 Antworten zu “SCHEIß INTERNET”


  1. 1 sebastianbauer
    8. November 2008 um 4:28

    da muss ich jetzt natürlich was dazu sagen.

    ich wollte mich zu wort melden, nachdem aber lorenz auf zahlreiche einwürfe aus dem publikum, unter anderem von dir und jochen, reagiert hat, indem er das wort “scheiß” einfach noch unzählige male in zusammenhang mit dem internet und den leuten, die in diesem verkehren, gebracht hat und nicht damit zu rechnen war, dass er seine meinung plötzlich ändert, hab ich mir gedacht, ich erspare ihm, mir und allen anderen anwesenden weitere dermaßen peinliche aussagen.

  2. 8. November 2008 um 7:14

    In diesem Fall ist die Nachricht wichtig, und ich wollte die zentrale Aussage von Sebastian Bauers Post bestätigen (was ich nur aus dem Gedächtnis kann). Wohl im Gegensatz zu dir halte ich es für eine Qualität, dass er sich auf ein Thema beschränkt.

  3. 8. November 2008 um 10:44

    Auch ich darf mich verteidigen. Natürlich wollte ich nicht zu einer Kampagne aufrufen. Aber sollte es Audio- oder Video-Material sollte man es veröffentlichen. Allein schon um die massiven Vorwürfe die im Raum stehen zu untermauern. Die Anspielung auf das Privatradio war ein Seitenhieb an Lukas Bauer, der bei Soundportal als Journalist tätig ist.

    Zu der ganzen Geschichte ist dazuzusagen, dass ich immer betont habe nicht dabei gewesen zu sein. Gerade deswegen wäre eine authentische Dokumentation eben dieser Veranstaltung mit Bild und Ton angebracht. Journalistisch habe ich mir, imho nichts vorzuwerfen. Ich habe Quellen genannt, habe versucht, mit den gegebenen Mitteln die Richtigkeit zu überprüfen, darüber berichtet und meine Meinung dazu geäußert. Würden wir Journalisten nur über Dinge berichten, die wir selbst erlebt haben, die Zeitung und auch jedes andere Angebot wäre verdammt dünn.

  4. 9. November 2008 um 7:23

    @basti und @mike
    Ich kann euch das nicht abnehmen. Eure Rechtfertigung scheint mir recht billig.
    Woher soll Lorenz wissen, dass er falsch liegt, wenn es ihm keiner sagt. (Oder nur Einzelne) Und wenn du keine Lust hast, dich in dem Moment zu äußern, wenn er sich verteidigen kann, dann wäre es anständig sich auch danach nicht mehr aufzuregen. – Denn dann hat er Recht, du sparst dir die Mann gegen Mann-Auseinandersetzung und verkriechst dich ins Netz.
    Denn dort gibt es genug Leute die dich unterstützen, z. Bsp. Mike:
    Hast du beim ORF angerufen? Deine Schlusssatz ist genau so billig.
    Wenn dir jemand erzählt, er wurde gerade zu Unrecht verhaftet, wirst du hoffentlich auch zuerst die Polizei fragen: Warum? Deine Abwesenheit werfe ich dir nicht vor, nur dein weiteres Vorgehen.

  5. 10. November 2008 um 12:31

    Ich weiß nicht, warum Sebastian Bauer hier eine “Rechtfertigung” braucht. Er hat pointiert gesagt, um was es geht, und damit viele Reaktionen ausgelöst (zuletzt http://lehofer.at/blog/2008/11/orf-programmdirektor-schei-internet.html und http://derstandard.at/?url=/?id=1226250784159 ). In der Diskussion am Freitag gab es genug Statements gegen Lorenz’ Ausfälle. Sebastian vorzuwerfen, dass er sich da nicht angeschlossen hat, ist so sinnvoll wie den anderen Diskutanten vorzuwerfen, dass sie nicht eher und präziser darüber geschrieben haben. Diese Diskussion hat mit der Sache, um die es geht, nicht viel zu tun.

    Ich glaube nicht, dass es hier vor allem darum geht, Wolfgang Lorenz etwas zu erklären. Wichtiger ist es, öffentlich darüber zu sprechen, mit welcher Geisteshaltung oder, besser: Ignoranz, Teile des ORF gesteuert werden.

  6. 10. November 2008 um 10:19

    Natürlich muss man darüber sprechen wie ignorant ein öffentlich-rechtlicher ORF geführt wird, dies aber ohne einen Ansatz von Verständnis zu tun, noch dazu in einem Medium, dass der gute Herr Lorenz nicht einmal kennt, zeigt mir nur, dass die Dialogbereitschaft im Internet genau so schizophren ist wie im “Real Life”: Wir können drüber reden, aber nur wenn wir uns einig sind.

    Und Basti muss sich schon Fragen lassen, ob er die Reaktionen ausgelöst hat, oder diejenigen, die in der Diskussion überhaupt erst für diese Aussagen gesorgt haben…

  7. 10. November 2008 um 12:47

    Wolfgang Lorenz könnte uns egal sein, wenn er die Aussage als Privatperson tätigt. Aber in entscheidender Position in einem steuerfinanzierten öff. rechtlichen Sender ist das NICHT egal!


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