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Feb
09

marktwirtschaft 2 – Warum der Staat die Banken rettet – in plain deutsch

Teil 2. meiner Prüfungsvorbereitung und Antwortrunde

Frage Nr. 2b

Warum wird zurzeit so viel Geld in die Wirtschaft hineingesteckt , und nicht in den Sozialstaat? Warum erhöht man nicht das Arbeitslosengeld, wo bleibt das Grundeinkommen? Warum nimmt man sich jetzt nicht die Zeit und das (im Überschuss verbutterte) Geld um den Sozialstaat (in Österreich) von Grund auf zu erneuern und zu verbessern?

Etwas abgewandelt geht es darum, nach welchen Modellen der Staat in den einfachen Wirtschaftskreislauf eingreift. Warum? Mit welchen Zielen? Und warum es keine Antwort auf die Frage gibt, ob das nun gut oder schlecht ist. Die Unterschwellige Forderung von Dominik, Investitionen in den Sozialstaat zu tätigen, kann ich unterstützen.

Man möge sich nur vorstellen, wieviel klüger Manager gehandelt hätten, die eine besser Ausbildung genossen hätten. Oder eine Bankenaufsicht, die außer dem Umgang mit Zahlen noch etwas anderes gelernt hätten. Sie verstehen schon, was ich meine…

Der einfache Wirtschaftskreislauf im simplen Idealmodell:

  • Haushalte bieten Unternehmen ihre Arbeitskraft an und werden dafür bezahlt.
  • Die Unternehmen produzieren mit Hilfe der Arbeitskraft Güter.
  • Diese Güter werden von den Haushalten mit Hilfe des empfangenen Lohnes gekauft.

Weil jeder „homo oeconomicus“ ein Interesse/Bedürfnis an Gütern hat, ist er auch daran interessiert zu arbeiten, um Geld zu bekommen, mit dem er sich diese Güter kaufen kann.

Weil Unternehmer ein Interesse daran haben ihre Güter zu verkaufen, werden sie etwas produzieren, wonach ein Bedürfnis besteht.

Alles ziemlich simpel, entspricht aber in etwa der wirtschaftlichen Realität eines Kaufmannladens.

Denn:

Das System ist dynamisch:

Das heist die Nachfrage ändert sich in Abhänigkeit vom Einkommen der Konsumenten, dem Preis und der „Intensität des Bedürfnis“ (Also: „Wie wichtig ist mir dieses Gut?“)

bild: velo steve

Und das System ist größer:

Zum Erweiterten Wirtschaftskreislauf gehören noch:

1. Der Staat

Durch Steuern reduziert er die Kaufkraft der Konsumenten. Gleichzeitig erfüllt er Bedürfnisse, die nicht, kaum oder nur schlecht von Unternehmern erfüllt werden. (Infrastuktur, Bildung, Kultur, Verteidigung…) Der Staat stellt diese öffentlichen Güter zur Verfügung. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass niemand von deren Nutzen ausgeschlossen werden kann und grundsätzlich kein Mangel an ihnen herrscht.

2. Banken

Durch die Möglichkeit des Sparens reduzieren sie die Kaufkraft der Haushalte, durch Kredite ermöglichen sie den Unternehmen aber Investitionen, Entwicklung, Neugründung etc. Sie stellen den Unternehmen also das Gut des „Vorschusses“ besser noch die Ware „Geld“, zur Verfügung und werden mit Zinsen bezahlt.

(Gleichzeitig beschäftigen sie Konsumenten.)

3. Ausland

Aus dem Ausland können Güter importiert und gekauft werden, bei deren Produktion aber kein späterer Konsument etwas verdient hat. Der Konsument zahlt zwar von seinem „hier“ erwirtschafteten Geld, aber er nutzt damit das Angebot im Ausland. Im eigenen Land „riskiert“ der Konsument damit eventuell ein Überangebot.

Gleichzeitig können Güter natürlich exportiert werden. Dann fließt zwar Kapital auf den lokalen Markt, dafür mangelt es dann wieder an dem exportierten Gut. Schon nach diesen simplen Feststellungen ist klar, welch enorme Dynamik in der Globalisierung steckt.

bild: asecondhandconjecture

Soviel also zur nötigen Vorbetrachtung das Marktes. Sehr simpel, ich weiß, aber vielleicht hilft es. Wer auf Märchen steht, kann sich das ganze auch anders erklären lassen. Wirklich großartig diese Geschichte, wenn auch etwas mikroökonomischer. Der Wirtschaftskreislauf hinter den sieben Bergen. (pdf)

Warum finanziert nun der Staat  die Banken,  anstatt seinen eigenen „Aufgaben“ nachzukommen. Also dem Ausbau des Sozialstaates, Bildungs- und Infrastrukturinvestitionen…?

Nun, die Banken sind Pleite, bzw. so undurchsichtig und riskant verschuldet, dass sie keine Möglichkeit (oder Willen?) mehr haben. Geld zu verleihen.

Das sorgt bei den Banken selbst für eine „niedrige Produktion“ (denn normalerweiße besteht ja ihr Geschäft im Verleihen von Geld), gleichzeitig aber, fehlt den Unternehmen eine „Rohstoffquelle“. Nämlich die, für den Rohstoff „Geld“.

Wenn eine Firma ein Haus bauen will, dann bekommt sie den Lohn dafür normalerweiße erst, wenn das Haus fertig ist. Aber woher soll sie das Geld haben, um das Haus zu bauen? Dafür gibt es im Normalfall Banken. Die stellen Geld zur Verfügung (bis das Haus fertig ist) und bekommen es dann inkl. Zinsen wieder. Macht das Haus ein wenig teurer, aber es steht.

Fällt jetzt die Bank weg, gibts kein Häuschen. Damit gibt es aber auch niemanden, der damit Geld verdient, dass er das Häuschen baut. Das Unternehmen hat also keinen Auftrag und der Bauarbeiter bekommt kein Geld, weil es keine Arbeit gibt.

Ein Haushalt ohne Arbeit, also ohne Geld, kann sich aber bald garnichts mehr leisten.

Der Wirtschaftskreislauf steht still. Und zwar vollständig.

Das vollzieht sich langsam, momentan sind wir anscheinend in der Phase, wo keine Autos mehr gekauft werden. Damit verdienen aber die Autobauer nichts mehr und hören dann vielleicht auf Süßigkeiten zu essen. Dann bricht die ganze Süßigkeitenindustrie zusammen. Dieses DominoDay-Schreckensszenario ist also relatiev einfach begründet.

Die Banken spielen für den Unternehmer im Wirtschaftskreislauf in etwa die Rolle, wie die Nahrungsmittelproduktion für die Haushalte. Fällt die  Nahrung (Geld) aus, hat der Haushalt, also der Mensch (das Unternehmen), keine Kraft mehr zu arbeiten (zu produzieren). Wenn aber niemand mehr Kraft hat zu produzieren, wer sorgt dann für neue Nahrung?

Deshalb also der Staat.

Deshalb werden die Banken jetzt als erste gerettet.

Sogenannte Konjunkturpakete, die öffentliche Aufträge mit den „normalen“ Aufgaben des Sozialstaates verbinden, sind demnach wahrscheinlich die sinnvollste Maßnahme. Der Ausbau von Schulen und Autobahnen ist recht einfach  nachzuvollziehen.

Eine Erhöhung der sozialstaatlichen Ausgaben (Arbeitslosengeld, Konsumgutscheine…) würde zwar direkt zum allseits geliebten Bürger und ‘Wähler wandern, aber ob es von dort in die Unternehmen, ins Ausland oder ins heimische Sparschwein wandert, ist nicht vorhersehbar.

Dave Barry beschreibt in einem sehr witzigen Artikel den Unsinn von Konjunkturprogrammen. . Zumindest für Konsumgutscheine, MwSt.-Senkungen… gilt sein Spaß. Das daraus aber relativ schnell ein Protektionismus (der Versuch Import zu verhindern) werden kann, zeigen sowohl Barak Obamas erste Gedanken, als auch Blogeinträge wie diese:

We need to keep that money here in America. You can keep the money in America by spending it at yard sales, going to a baseball game, or spend it on prostitutes, beer (domestic only), or tattoos, since those are the only businesses still in the US.

Wir danken dem Humor für seine Erträglichkeit.

Ich hoffe, dass die Zusammenhänge des Marktgeschehens so stimmen und verständlich sind.

Fragen, Fehler, Kritik, alles bitte sofort, noch hab ich Zeit bis zur Prüfung.

Vielleicht mag auch einer der sich zahlreich vorbereitenden Kollegen/innen erklären:

Warum ist es wirtschaftspolitisch sinnvoll, dass ein Staat Schulden macht?

Bitte um Antwort, könnte ja auch eine Prüfungsfrage werden. und ich habe es bis jetzt noch nicht durchschaut.

P.S. Ob Politiker Misiks Buch gelesen haben weiß ich nicht. Bezweifle aber, dass es helfen wird. Seine „Verbesserungsvorschläge“ sind 1. langfristig, und 2. kurz gehalten.

Das Mindestmaß an Gleichheit was er fordert, und der fairen Individualismus und faire Konkurrenz möglich machen soll, muss wahrscheinlich wirklich dort losgehen, wo Misik es beschreibt. Im Kindergarten, in der Einstellung gegenüber Müttern und im Bildungssystem. Vorher müssen aber aus den oben beschrieben Gründen erstmal die 1.-Hilfe-Maßnahmen getätigt werden.

Anstatt dazu einen Beitrag zu leisten, hat Robert Misik doch sehr viele Seiten mit dem Bashing der sogenannten Neo-Kons gefüllt. Schade.


7 Antworten zu „marktwirtschaft 2 – Warum der Staat die Banken rettet – in plain deutsch“


  1. 23. Februar 2009 um 10:54

    Also, so wie du das dargestellt hast, passt das alles schon zusammen.
    Die Banken bilden nun einmal einen wichtigen Grundpfeiler im Wirtschaftskreislauf, da heute kaum eine Unternehmung ohne Kredit auskommt. Fallen sie weg, fallen Investitionen, Start-Ups, selbst Häuserbau einfach weg.

    Das ist schon zum Teil eine Antwort auf deine Frage, warum es sinnvoll ist, dass ein Staat Schulden macht, weil es sonst noch schlimmer kommen würde.
    Grundsätzlich ist es aber ebenfalls sinnvoll, dass er sich Geld leiht und in den Wirtschaftskreislauf einführt, weil dieser so in Abschwung- bzw. Krisenzeiten stimuliert wird.

    Aber sollte sich der Staat nicht aus solcherlei Einmischungen raushalten, sind die Kräfte des Marktes, die unsichtbare Hand nicht genug? Fragt der Neoliberalist.

    Naja wozu das geführt hat wissen wir ja nun: Londons Bankenviertel verarmt und Island steht zum Ausverkauf.

    Dass aber auch die Hardcore-Kommunisten mit Zwangsverstaatlichung und Planwirtschaft nicht den Heiligen Grahl der Wirtschaft in Händen halten, hat sogar Herr Putin unlängst zugegeben.

    Der Staat hat nun die Aufgabe den Weg der Mitte zu finden und den natürlichen Konjunkturzyklus zu stabilisieren: Indem er im Boom die Zinsen erhöht und in der Rezession senkt (siehe Keynes).
    Das Wichtigste dabei ist es für den Staat, seine Schulden in Aufschwungzeiten wieder zu senken, um nicht auf den Schulden sitzen zu bleiben. Oder im blinden Glauben den Boom unendlich verlängern zu können, die Zinsen immer weiter zu senken.

    Doch selbst wenn es sich wirtschaftspolitsch als sinnfrei erweisen sollte, Schulden aufzunehmen, es ist sozialpolitsch immer sinnvoll. Besonders in Krisenzeiten nimmt der Staat konjunkurbedingt weniger Steuern ein,muss aber mehr an Sozialleistungen zahlen, aber mehr Geld zu drucken würde nur die Inflation anheizen, bis man mit dem Geld selbst heizt.

  2. 2 ChiliParmer
    25. Februar 2009 um 11:24

    Viel Erfolg für deine Prüfung, aber zwei sehr gelungene Artikel, welche mir die Sache ein wenig deutlich macht und endlich zu verstehen zu geben warum dies so ist.

  3. 3 LD
    2. März 2009 um 12:29

    Es ist wirtschaftspolitisch überhaupt nicht sinnvoll, dass der Staat Schulden macht. Die Staatsverschuldung wird durch das System erzwungen und der Staat verschuldet sich, um den Umverteilungsdruck auf die sozial Unterprivilegierten zu mindern, und im naiven Glauben, den Crash abwenden zu können. Er kann den Crash aber lediglich hinauszögern.

    Ökonomen begehen den Fehler, beim Wirtschaftskreislauf den Geldkreislauf als Gesamtes ausser Acht zu lassen. Sie beschäftigen sich immer nur mit der Geld-Umverteilung beim Austausch von Gütern und Dienstleistungen.

    Die gesamten Hintergrundinfos findest Du unter http://www.dobszay.ch/aktuelle-themen/geldsystem-und-finanzwirtschaft/

  4. 3. März 2009 um 3:42

    na super. Vielen dank für die Antworten. Ich hab zwar jetzt mehr Ahnung, weiß aber immer noch keine „Antwort“ auf die Schuldenfrage.

    Mir schwirrt noch der erste Hauptsatz der Thermodynamik durch den Kopf und danach ist es natürlich Blödsinn, dass ein Staat Schulden macht. So wie auch nach dem ersten Sichten von Dobszays Ansichten und Einsichten.

    Aber es ist schon etwas dran, dass „gute Staatsschulden“ eine Investition sind. Und wenn die Neuverschuldung niedriger ist, als Inflation und das Wachstum des BIP, müsste am Ende ja irgendwann auch wieder ein Plus im Budget stehen. Theoretisch
    Macht es aber nicht.
    Dass kann nun wieder daran liegen, das Politker lieber in Wahlperioden denken und handeln und nicht nach Wirtschaftskreisläufen. Alles sehr kompliziert, aber ich sehe, das durchaus Interesse am Thema besteht… Das werde ich nutzen.

  5. 5 ChiliParmer
    8. März 2009 um 3:57

    Man denkt in Wahlperioden, weil weitsicht bei diesem Thema ausser bei uns kleinen bürgern nicht vorgeschrieben wird. Wenn wir es nicht tun, dann wird es in die Hose gehen und wir stehen vor dem Bankrott. Aber dann gibt es ja wieder den Staat der eingreift.
    Das grosse Problem dabei ist allerdings das, die Staatsschulden wieder in neue, Wahlkampffördernde Konjungturprogramme gesteckt werden, anstatt Schulden abzubauen.

    Ich muss an den Kohlepfennig denken, ja, eine möglichkeit währe das, das Geschrei wäre gross, allerdings würde es nicht reichen. Man will dem Staat etwas gutes tun, aber vielleicht sollte man das ganze an einer anderen Wurzel packen. Ich wäre bereit etwas dazu zu geben und auch etwas dazuzu tun, damit dieSchulden und die Probleme besser werden würden. Ich wünsche mir nicht viel, aber einen gesunden Staat, genauso wie gesunde Unternehmen.

  6. 6 LD
    18. Mai 2009 um 9:48

    Staatsschulden sind Schulden, welche durch die nächsten Generationen beglichen werden müssen. Es gibt keine „guten Staatsschulden“, denn sie sind per se asozial. Um jedoch die Verschuldenslage eines Landes zu beurteilen, genügt es nicht, nur die Staatsverschuldung zu betrachten. Die Gesamtverschuldung setzt sich zusammen aus der Staatsverschuldung, der Gesamtverschuldung der Privathaushalte und Unternehmen sowie dem Aussenhandelsbilanzdefizit. Wenn diese Gesamtverschuldung das BIP übersteigt, spricht man vom Staatsbankrott.

    Obwohl nach dieser Formel bereits praktisch alle Länder pleite sind, wird diese Tatsache konsequent ignoriert, die Notenpresse angekurbelt und die Verschuldungsspirale angeheizt. Da unser Geld- und Wirtschaftssystem ein Schneeballsystem ist, können wir gar nicht anders. Der Einzelne kann sich diesem Irrsinn nicht entziehen. Wir sind alle gezwungen mitzumachen, bis das System irgendwann in sich kollabiert. Doch wenn genügend intelligente Individuen rechtzeitig den Fehler im System erkennen und sich wehren, haben wir vielleicht noch eine Chance, den uns bevorstehenden Crash zu mildern.

    „Der irre Narr sprang aus dem Fenster im 50. Stock. Als er noch am 2. Stock vorbeiflog, meinte er: Bis jetzt ging ja alles gut.“

  7. 19. Mai 2009 um 7:53

    ich steh ja voll auf neue kommentare zu alten texten. Im Ernst, das bringt einige Gedanken nochmal in Bewegung.

    Zur Schuldenfrage ist mir bis jetzt zusätzlich der Gedanke untergekommen, das ein Teil der Schulden ja bei der nächsten Generation gemacht wird. (Schatzbriefe) Das ist ja grundsätzliche eine sehr feine und solide Sache, weil die nächsten Generationen dann dopppelt profitieren. Einmal von den Zinsen und ein zweites Mal vom Ertrag der staatlichen Investition.
    Das setzt allerding vorraus das diese gut angelegt ist und nicht in marode Autowerke fließt die zu nichts außer Identitätsstiftung dienen.

    … und gegen ein kollabierendes finanzsystem hätte ich nichts. Marktbereinigung im großen Stil. Naja, warten wir mal ab.

    P.S. Der Einzelne kann sich entziehen: Keine Schulden. keine Kredite. Keine Anlagen. Investition nur in Konsumgüter.


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