Archiv für April 2009

21
Apr
09

EIN ♥ FÜR BLOGS

Darauf hab ich gewartet. Endlich eine passende Gelegenheit mich bei zahlreichen Bloggern dafür zu bedanken, dass sie meinen Feedreader und meinen Kopf füllen. Ich werde nicht alle hier vorstellen können, aber diejenigen bei denen es sich auch immer wieder lohnt den Feedreader zu verlassen und sich Zeit zu nehmen. Für kluge Gedanken und spannende Persönlichkeiten:

VIP’S

EnlargeYourPen

Frequenz, Länge und Inhalt sind immer wieder überraschend. Bei einer Textzeile schreibt christian zwei Zeilen zwischen eben diesen. Und die lohnt es zu lesen.

intasiti

Markus bloggt dezent, ebenso angenehm dezent ist seine Ironie.

Luca

ist ein Sonderfall. Nach meinem Befürchtungen auf einen lebensfernen Nerd zu treffen hab ich auf dem Klagenfurter Barcamp einen gescheiten Denker getroffen. Über Technik bloggt er kaum noch, dafür umso besser hier. Insbesondere der Revolutions-Text, dessen Antwort von mir noch zwischen Tastatur und Monitor schlummert.

Wissen belastet.

Max hat die Politik und ihren Umgang mit dem Internet gut im Blick und im Gegensatz zu einigen anderen „Politbloggern“ spart er sich plakative Polemik.

Stellar

Ist merkwürdig. Ich weiß nicht warum.

Was mit Medien

Und alles was dazu gehört. Zwei sympatische Stimmen mit jeder Menge Ahnung von der deutschen Medienlandschaft. (Podcast)

Lost and Found

tiefgedacht

(Lese ich noch nicht lange.) Mathe, München und Physik. Dinge die ich nicht vergessen will.

Die ganzen Politkinfowerchfeeds erspare ich Ihnen hier. Das hat eh weniger mit Herz, als mit Hirn zu tun. Auch hab ich jetzt nur das eine, das liebgewonnenste Prozent aufgelistet. Weitere Empfehlungen gibt es immer wieder hier.

Traurig könnte ich werden, wenn ich die Blogs zähle, die im letzten halben Jahr nahezu gestorben sind. Vielleicht hat es was mit dem parallelen Twitterhype zu tun. Ich weiß es nicht, freue mich aber, dass es immer noch so hervorragende Blogs gibt. Keep on blogging…

15
Apr
09

Spaß, wir machen das doch nicht zum Spaß

Es lässt sich nicht vermeiden.

Wenn es überall crasht und krieselt, dann drängen sich Gedanken über die Zusammenhänge von schlechtem Bildungssystem, Wirtschaftskrise, kränkelndem Gesundheitssystem und global-politischer Unsicherheit nahezu auf.

Was bedingt was?

Ist die schlecht Ausbildung der Grund für durchschnittlich sinkendes Niveau in den Medien? Ist das der Grund für Entpolitisierung? Folgt daraus ein nahezu unkritische Verschiebung der weltpolitischen und wirtschaftlichen Machtzentren? Or the other way round?

Warum hält jeder Obama für einen Retter, nur weil er, was nicht schwer war, besser und sympathischer ist als sein Vorgänger?

Oder ist er gar der Grund, warum die Umfragen für die EU-Wahl so düster sind? Obama wirds schon richten. (Zum Glück macht sich wenigstens eine kleine Twitter-Community darüber lustig. Stichwort: Obamoida)

Ich hab ja nichts gegen Erlösung. Ich sehe sie nur nirgendwo. Statt dessen sehe ich überall Ablenkung. Die Krise muss Spaß machen. Oder Langweilen.

Neil Postman hätte seine Freude. So, wie die Aufgabe des Fernsehen inzwischen ohne jeden Fernseher funktioniert. Überall Krise, aber solange alles noch mit einem „Wirtschaftskrisenwitz“ zu retten ist…

Ein bißchen Obama hier, ein bißchen Aufbruch da und dann schnell wieder an die Hausaufgaben und den Wochenendeinkauf.

So lässt sich noch nicht einmal feststellen, ob etwas schief läuft. Ist das ein jungjournalistisch-fatalistischer Blick? Oder stimmt irgendetwas nicht? Sollte es nicht meine Aufgabe sein, Antworten zu finden?

Das klingt vielleicht alles ziemlich verwirrt, kann auch alles seine Ursache darin haben, soviele „Banalitäten“ erledigen zu MÜSSEN (Der Zwang ist das Schlimmst und gleichzeitig die beste Ausrede).

Aber das dumpfe Gefühl wegen all dieser Banalitäten den Sinn zu verpassen ist unangenehm.

Auch soll dieses Unwohlsein durch diesen Blog nicht verschwinden. Das wäre fatal, aber eine Memoriam wider die Banalitäten, ein Erinnerung ans Ungehorsam; das darf in diesem Blog schon drin sein. Ebenso wie tolle Musik. Ein wunderschöner Versuch das „Ganze“ zu erklären. Nur leider nicht mit dem gewünschten Erfolg. (Außerdem MEIN Beitrag zu den irreführenden Nebensächlichkeiten.) Es ist alles ganz schrecklich.


14
Apr
09

Die Zerteilung des Selbst in verschiedenen Welten

Auf Wunsch einer lieben Freundin will ich hier einmal mehr (selbst-)reflektierend auf die mögliche Veränderung der eigenen Persönlichkeit durch „SocialWeb“ eingehen.

Ihre Vorstellung: Durch Blogs, SocialNetworks (SN) geht die Persönlichkeit verloren und es kommt zu einer „Zerteilung des Selbst in verschiedenen Welten“. Das eine andere gute Freundin gerade all ihre SN-Profile gelöscht hat, zeigt, dass wir von der suggerierten Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Web 2.0 noch weit entfernt sind.

Hinter dieser Vorstellung steht das Bild der „Webidentität“ und die Frage, wie sehr sich diese mit der eigenen und nicht-virtuellen Persönlichkeit deckt oder decken soll.

Wer ist also Michael Thurm und wer ist michaelthurm? Ich werd es nicht verraten, aber ein paar grundsätzliche Gedanken über Gefahren und Vorteile dieser „Zerteilung“ schreiben.

You are your Content

Während wir im realen Leben eine Vielzahl komplexer Interessen haben und damit schwierig zu verstehen sind, lässt sich das „Online-Ich“ auf das Wesentliche reduzieren. Durch den Filter des Internet kann also jeder das Bild, das sich andere von Ihm machen sollen, schärfen und auf das Wesentliche konzentrieren.

Konkret ist es für niemanden interessant, warum ich bin wie ich bin. Hier im Blog kann ich aber auswählen, was von mir für andere (hoffentlich) interessant ist. So entsteht sicherlich ein „zerteiltes“ und unvollständiges „Online-Ich“.

Das ermöglich aber einen thematischen Austausch und vor allem Bekanntschaft mit „Online-Anderen“. (Photographen, Politischen Menschen, Phlegmatikern…)

Ein gemeinsames Thema findet sich nämlich viel eher also eine Konkruenz zweier komplexer Persönlichkeiten. Die Einfachheit im Internet erleichtert den späteren Kontakt.

Es geht nicht darum, dass die Persönlichkeit völlig verschwindet. Das halte ich für unmöglich und auch nicht ertrebenswert. Dimido begründet hier recht knapp und einfach warum. Aber die Reduktion der Persönlichkeit auf das Mitteilenswerte halte ich schon für eine (nicht nur online) wünschenswerte Einstellung.

Das hat auch eine

Wirtschaftliche Bedeutung

Klaus Eck beschreibt hier eine Art  „Human-Credit“, der zu Kontaktanfragen und/oder Aufträgen führen kann. Diese wären ohne ein (gute) Identität im Netz nicht möglich.

Den Schwerpunkt des Artikels legt Klaus Eck aber auf 6 Punkte eben diese Online-Identität zu erreichen und auch wenn ich darin mit Ihm nicht einer Meinung bin, so bleibt doch die Notwendigkeit einer bewusst gestalteten Online-Identität ein von uns beiden vertretenes „Ziel“.

You are transparent

Die oberen Abschnitt sind für mich ein wenig Ziel und Selbstanleitung.

Darüber hinaus besteht natürlich, vor allem in klassischen SocialNetworks die Gefahr, dass das „Online-Ich“ nicht gestaltet wird, sondern unüberlegt und ohne jede Reflektion entsteht. Das kann zu einer ungewollten Verzerrung der Fremdwahrnehmung kommen, denn wenn keine klare Reduktion der Persönlichkeit wahrnehmbar ist, kann der Eindruck entstehen, das „Online-Ich“ SEI das „Ich“. (Psychologen uns Soziologen mögen beurteilen ob das wiederum dazu führt, dass sich das „Ich“ dem „Online-Ich“ anpasst. Ich befürchte es.)

Die „Zerteilung“ ist also keine Gefahr, sondern bis zu einem bestimmten Punkt erstrebenswert.

Urs Gasser sieht allerdings im Interview mit der SZ die Gefahr einer „klebrigen Identität“. Damit ist in erster Linie wohl gemeint, das uns ein einmal erzeugtes „Online-Ich“ länger anhängt, als uns vielleicht lieb ist.

Müssen wir also von der ersten Minute jede Online-Aktivität planen? Kleben die Bilder des ersten Alkoholrausches bis zur Rente an den Klowänden des Internets?

Wahrscheinlich nicht, aber niemand kann es ausschließen. Deshalb bieten sich einige grundsätzliche Strategien an:

Save Your Data

Behalte den Überblick und die Hoheit über deine Daten. Stelle sicher, dass du alles Ändern und Löschen kannst, was du willst. Stell sicher, das niemand anderer deine Online-Identität verändern kann.

Save Your Domain

Verhinder, dass jemand anderer deine Identität überdeckt. Sichere deine Usernamen, Domainnamen und stelle Trittbrettfahrer so früh wie möglich als solche dar.

Save your IQ

Stichwort: Selbstreflektion. Nur wer anderen zuhört, wird in der Lage sein, das eigene Handeln zu reflektieren. Webkonsum und Produktion sollten in einem Verhältnis stehen. Wenn du nciht mehr weißt WAS und vor allem WARUM du es tust, wird es nicht gut.

Save Your Identity

Stichwort: Brand. Mach klar wofür du stehts. Schärfe deine Authentizität. Nicht, indem du alles offenbarst, sondern indem du deine Profession zum öffentlichsten Teil deiner Online-Identität machst.

Das eine zu aktive und vor allem unreflektierte Nutzung zur gänzlichen Ablehnung von SocialNetworks führt, ist für mich logisch. (Siehe Einleitung)  Dank Rupprecht kann ich dazu noch auf einen sehr aktuellen Artikel des Schweizer Fernsehens hinweisen.

Das nötige Gebet, von der Technik, die nichts dafür kann, wie sie benutzt wird, ist alt und überflüssig.  If you not how to use it’s benefit, it will be your profit.

Und sonst gilt: Sei kein Schaf. Wenn doch, dann ein solches.

01
Apr
09

Lesen und Schreiben

Es ist mal wieder so weit: Zeit für egoistische Selbstreflektion.

Normalerweise macht man das zu regelmäßigen Blogjubiläen, aber die meisten von Ihnen kennen meine grundsätzliche Ablehnung von zeremoniellem Geburtstagsgehabe. (Heist nicht, dass ich keine Geschenke haben will, nur eben unterm Jahr, das erhöht auch den Überraschungseffekt)

Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um die „Regelmäßigkeit“ mit der ich hier anscheinend nicht ganz ohne Ihr Interesse schreibe. (An dieser Stelle vielen Dank für Mühe und Aufmerksamkeit an die meisten Kommentatoren)

Nur, mit der aktuellen Form der „Unregelmäßigkeit“ bin ich nicht zufrieden. Nicht, dass ich wieder zum regelmäßigen Montagspost zurückkehren will, aber ich befürchte, die fehlende Artikulations-Organisation könnte zu einem ähnlichen Ende führen, wie es zahlreiche Blogs im letzten halben Jahr erfahren haben. Meine Gast-Autorenschaft bei rigardi ist schon viel zu sehr auf dem weg dahin.

Dabei währen G20-Treffen, 60 Jahre NATO und bevorstehender EU-Wahlen natürlich Ideale Themen, um  zu schreiben.

Aber leider sind sie der Grund NICHT zu schrieben.

Je mehr Dinge es gibt, über die ich schreiben will, umso mehr will ich auch vorher lesen. Dabei wird es zunehmend schwierig, dem Lesen (nennen wir es ruhig Recherche) ein Ende zu setzen und einen, möglichst geistigen, Erguss freizulassen.

In letzter Zeit war es meist soweit, wenn ich der Lektüre überdrüssig war. Leider ein sehr zufälliger und inzwischen immer seltener Fall.

Zudem mündet der Großteil des produktiven Hirnschmalzes in „Erledigungen“ für die Uni oder aber in liebgewonnene Projekte wie JUKreiz.

Nicht, dass es schade darum wäre, im Gegenteil. Nur bieten sowohl Radiosendung als auch Podcast nur begrenzte Möglichkeiten, außerdem fördern sie kaum, was ich dringend nötig habe. Nämlich Schreibpraxis. Auch den Ansatz den Markus Zottler hier vorgestellt hat, musste ich (wie offensichtlich auch er) wieder aufgeben. Die entstandenen Vielschreibattacken waren zwar produktiv, aber voller Fehler.

Solange ich keine besser Idee habe, wer ich es wohl bis zum Sommer so versuchen:

Zwei Tage lesen, einen Tag schreiben.

Das heist nicht, dass sie jetzt aller drei Tage hier etwas lesen müssen, aber hoffentlich doch, dass etwas mehr vom „Rezeptionsschmalz“ zu „Artikulationsschmalz“ verdaut wird.

Ich bin selbst noch skeptisch, ob dieser merkwürdigen Regel, aber nachdem die Kantsche Methode:

„Die Visionen von heute sind die Ideen von morgen, und diese Ideen werden die Realität von übermorgen sein, wenn wir sie nur beharrlich verfolgen“

eher dazu führt, sich mit dem bloßen (Nach-)Denken zufrieden zu geben und auf „übermorgen“ zu warten . Aber in keinster Weise regt diese Einstellung zur Produktion an. Einen Versuch sollte die Regel also Wert sein.

__________________________

Darüber hinaus, darf ich in diesem eh schon völlig Egoistischen „Tagebucheintrag“ noch auf eine (schau an, es geht doch) Produktion hinweisen.

Bis jetzt hatte ich es leider verabsäumt, das großartige FAZIT hier zu erwähnen. Dank Chrisitian konnte ich dem geschätzten Markus Zottler ein Interview veröffentlichen.

Gedruckt. Auf echtem Papier. Zum Anfassen.

Das ist dann doch nochmal schöner, als alles was hier so in diesem Internet artikuliert wird. Trotzdem auch an dieser Stelle die Online-Version des Interviews mit der SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas:

„Das ist ein Einsparungspotential“

(Und sehen sie, diese Seite Texte habe ich an diesem ersten April nur zusammen gebracht, weil ich bis jetzt kaum gelesen habe. Die nächste ist auch schon in Arbeit, und wird sich einmal mehr mit dem Zusammenspiel von Online- und Offline-Welt befassen. Auf Wunsch einer lieben Freundin, denn „Auftragstexte“ sind eh die beste Motivation und der beste „Zwang“ zu Regelmäßigkeit)