Auf Wunsch einer lieben Freundin will ich hier einmal mehr (selbst-)reflektierend auf die mögliche Veränderung der eigenen Persönlichkeit durch „SocialWeb“ eingehen.
Ihre Vorstellung: Durch Blogs, SocialNetworks (SN) geht die Persönlichkeit verloren und es kommt zu einer „Zerteilung des Selbst in verschiedenen Welten“. Das eine andere gute Freundin gerade all ihre SN-Profile gelöscht hat, zeigt, dass wir von der suggerierten Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Web 2.0 noch weit entfernt sind.
Hinter dieser Vorstellung steht das Bild der „Webidentität“ und die Frage, wie sehr sich diese mit der eigenen und nicht-virtuellen Persönlichkeit deckt oder decken soll.
Wer ist also Michael Thurm und wer ist michaelthurm? Ich werd es nicht verraten, aber ein paar grundsätzliche Gedanken über Gefahren und Vorteile dieser „Zerteilung“ schreiben.
You are your Content
Während wir im realen Leben eine Vielzahl komplexer Interessen haben und damit schwierig zu verstehen sind, lässt sich das „Online-Ich“ auf das Wesentliche reduzieren. Durch den Filter des Internet kann also jeder das Bild, das sich andere von Ihm machen sollen, schärfen und auf das Wesentliche konzentrieren.
Konkret ist es für niemanden interessant, warum ich bin wie ich bin. Hier im Blog kann ich aber auswählen, was von mir für andere (hoffentlich) interessant ist. So entsteht sicherlich ein „zerteiltes“ und unvollständiges „Online-Ich“.
Das ermöglich aber einen thematischen Austausch und vor allem Bekanntschaft mit „Online-Anderen“. (Photographen, Politischen Menschen, Phlegmatikern…)
Ein gemeinsames Thema findet sich nämlich viel eher also eine Konkruenz zweier komplexer Persönlichkeiten. Die Einfachheit im Internet erleichtert den späteren Kontakt.
Es geht nicht darum, dass die Persönlichkeit völlig verschwindet. Das halte ich für unmöglich und auch nicht ertrebenswert. Dimido begründet hier recht knapp und einfach warum. Aber die Reduktion der Persönlichkeit auf das Mitteilenswerte halte ich schon für eine (nicht nur online) wünschenswerte Einstellung.
Das hat auch eine
Wirtschaftliche Bedeutung
Klaus Eck beschreibt hier eine Art „Human-Credit“, der zu Kontaktanfragen und/oder Aufträgen führen kann. Diese wären ohne ein (gute) Identität im Netz nicht möglich.
Den Schwerpunkt des Artikels legt Klaus Eck aber auf 6 Punkte eben diese Online-Identität zu erreichen und auch wenn ich darin mit Ihm nicht einer Meinung bin, so bleibt doch die Notwendigkeit einer bewusst gestalteten Online-Identität ein von uns beiden vertretenes „Ziel“.
You are transparent
Die oberen Abschnitt sind für mich ein wenig Ziel und Selbstanleitung.
Darüber hinaus besteht natürlich, vor allem in klassischen SocialNetworks die Gefahr, dass das „Online-Ich“ nicht gestaltet wird, sondern unüberlegt und ohne jede Reflektion entsteht. Das kann zu einer ungewollten Verzerrung der Fremdwahrnehmung kommen, denn wenn keine klare Reduktion der Persönlichkeit wahrnehmbar ist, kann der Eindruck entstehen, das „Online-Ich“ SEI das „Ich“. (Psychologen uns Soziologen mögen beurteilen ob das wiederum dazu führt, dass sich das „Ich“ dem „Online-Ich“ anpasst. Ich befürchte es.)
Die „Zerteilung“ ist also keine Gefahr, sondern bis zu einem bestimmten Punkt erstrebenswert.
Urs Gasser sieht allerdings im Interview mit der SZ die Gefahr einer „klebrigen Identität“. Damit ist in erster Linie wohl gemeint, das uns ein einmal erzeugtes „Online-Ich“ länger anhängt, als uns vielleicht lieb ist.
Müssen wir also von der ersten Minute jede Online-Aktivität planen? Kleben die Bilder des ersten Alkoholrausches bis zur Rente an den Klowänden des Internets?
Wahrscheinlich nicht, aber niemand kann es ausschließen. Deshalb bieten sich einige grundsätzliche Strategien an:
Save Your Data
Behalte den Überblick und die Hoheit über deine Daten. Stelle sicher, dass du alles Ändern und Löschen kannst, was du willst. Stell sicher, das niemand anderer deine Online-Identität verändern kann.
Save Your Domain
Verhinder, dass jemand anderer deine Identität überdeckt. Sichere deine Usernamen, Domainnamen und stelle Trittbrettfahrer so früh wie möglich als solche dar.
Save your IQ
Stichwort: Selbstreflektion. Nur wer anderen zuhört, wird in der Lage sein, das eigene Handeln zu reflektieren. Webkonsum und Produktion sollten in einem Verhältnis stehen. Wenn du nciht mehr weißt WAS und vor allem WARUM du es tust, wird es nicht gut.
Save Your Identity
Stichwort: Brand. Mach klar wofür du stehts. Schärfe deine Authentizität. Nicht, indem du alles offenbarst, sondern indem du deine Profession zum öffentlichsten Teil deiner Online-Identität machst.
Das eine zu aktive und vor allem unreflektierte Nutzung zur gänzlichen Ablehnung von SocialNetworks führt, ist für mich logisch. (Siehe Einleitung) Dank Rupprecht kann ich dazu noch auf einen sehr aktuellen Artikel des Schweizer Fernsehens hinweisen.
Das nötige Gebet, von der Technik, die nichts dafür kann, wie sie benutzt wird, ist alt und überflüssig. If you not how to use it’s benefit, it will be your profit.
Und sonst gilt: Sei kein Schaf. Wenn doch, dann ein solches.
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