Archiv der Kategorie 'akademische Leichen'

09
Nov
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23.Februar 2009 – 9.November 2009 #FH-Insider

„Was wollen sie hier eigentlich“

Man mag den Fachhochschulen vorwerfen, dass sie in der #unibrennt-Debatte mit fataler Ignoranz glänzen, aber vielleicht brennen FHs einfach anders.

Natürlich haben wir als Studenten keine Mitsprache bei der Auswahl der Professoren, aber wir haben die Power diese Entscheidungen zu beeinflussen. Stellt euch vor, es ist Vorlesung und keiner geht hin. Wir reden einfach – mit oder ohne das Recht dazu.

Wir haben uns verändert. Wir haben ein bißchen FH verändert. Wir haben ohne Mitspracherecht einfach mitgesprochen. Es könnte immer so einfach sein.

Und wenn da wieder einmal jemand ist, der sagt: „Das geht nicht“, dann ist es Zeit es zu probieren.

„Empörung ist eine Tugend und Reichtum Geschmacksache“

23
Okt
09

Gedanken zur Party #unibrennt Wien

Wien ist weit weg, aber Dank Twitter, Livestream und Luca hab ich doch einiges von der Besetzung der Wiener Hauptuniversität mitbekommen.

Meine Solidarität reicht nur leider nicht soweit, dass ich mich kurzfristig auf 12h Zugfahrt begebe und so wird mein Beitrag lediglich ein theoretischer sein.

Bis jetzt scheint es, wie Luca bemerkt, an Realismus und Deutlichkeit der Forderungen zu fehlen. Aber Protest hat ja auch nicht die Aufgabe, fertige Lösungen zu präsentieren, sondern Diskussionen anzuregen. Das dieser Protest in Form einer großen Party stadtfindet, halte auch ich für einen nicht gerechtfertigten Kritikpunkt. Die Party ist die Proteskultur unserer Generation (1, 2) sie ist das Mittel zur Mobilisierung.

Im Audimax Wien wurden gestern also folgende Forderungen „beschlossen“.

Ausgegangen sind sie von der Universität der Bildenden Künste, die wohl den fundiertesten Anstoß für die Proteste gegeben hat, erweitert wurden die Kurzforderungen wie schon erwähnt von Luca (Zitate folgend kursiv), ich werde sie hier weiter diskutieren und hoffe, dass sich weitere Studenten und Professoren finden, die sich daran beteiligen.

Demokratisierung der Universitäten
Studenten sind der Souverän der Universität. Sie müssen in allen wesentlichen Fragen (Curriculum, Personal) mit- entscheidungsberechtigt sein. Zudem gibt es aber ein übergeordnetes Interesse, Vergleichbarkeit bei Bildungsabschlüssen zu erzielen. (Gibt es das? Ist diese durch den Bologna-Prozess gegeben?)

Ein Studienabschluss, der vom Staat vergeben wird soll nicht beliebig sein. Der Staat als Finanzier des Bildungssystems hat also auch ein Recht über die Bedingungen zu entscheiden, unter denen jemand am System teilhaben darf und unter welchen er es mit einem Abschluss wieder verlässt.

Dabei ist der Staat seiner Verfassung verpflichtet, die Gleichheit fordert, bejaht und fördern muss. Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren widersprechen diesem Ansatz, sind aber bisher das einzige Mittel die große Zahl der Studierenden zu bewältigen. Warum aber, werden Vorlesungen nicht längst elektronisch gehalten, via Youtube ausgestrahlt (so wie es das MIT z.Bsp. macht). Warum wird die Kapazität des Bildungssystems an der Größe der Hörsäale fixiert?

Wenn wir aufhören Studenten für einen optiomalen Arbeitskräftemarkt auszubilden, dann werden Studenten ihr Studium abschließen, die dabei Freude hatten und den Arbeitsmarkt selbst gestalten, weil sie eben nicht nur eine Stelle ausfüllen. Professoren und Unis sind nicht die Dienstleister des Arbeitsmarktes, sondern der Studenten. Ihre Anforderungen und Bedürfnisse sollen die Lehre bestimmen, nicht der Arbeistmarkt.

Selbstverwaltung der Universitäten
Universitäten dürfen nicht von der Politik der aktuell regierenden Parteien abhängig sein. Es muss dafür gesorgt werden, dass sie das nötige Geld und Macht bekommen über sich selbst zu bestimmen.

Die Autonomie der Universitäten muss zusätzlich eigene Konzepte der Ausbildung ermöglichen. Fachhochschulen und Universitäten sollten nicht die einzigen Modelle sein, die in Europa Platz haben.

Kontrolliert und Evaluiert werden diese Systeme durch den Souverän, die Studenten.

Transparente Finanzierung der Universitäten
Wohin fließt wie viel Geld und warum. Wer ist an der Entscheidung daran beteiligt? Warum muss Bildungspolitik beim Haushalt mit anderen Bereichen konkurrieren. Bildung muss Bedarfsdeckend und nicht Mindestfinanziert werden.

Freie Masterzugänge

Wenn wir Autonomie und Selbstverwaltung fordern, muss gewährleistet sein, dass Teilnehmer an Masterstudiengängen dazu befähigt sind und die nötigen Vorkenntnisse haben. Das kann durch einen Aufnahmetest geschehen, der sich am Wissen und nicht an der Zahl der möglichen Sitze bemisst. Das kann dadurch geschehen, dass die Abschlüsse des ersten akademischen Bildunsweges nicht von den Universitäten vergeben werden (die immer daran interessiert sind, wenig Durchfaller zu haben) sonder durch eine unabhängige (staatliche?) Prüfungsagentur. Ergebnis wäre evtl. ein ähnliches Model wie das Zentralabitur.

Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren
Studiengebühren schließen Menschen vom Zugang zu Bildung aus und Reglungen wie dass man in der Mindeststudiendauer keine bezahlen muss, sorgen lediglich dafür, dass einfache Lehrveranstaltungen bevorzugt werden und die Leute durch das Studium hasten, anstatt sich Wissen anzueignen.

Denkbar sind evtl. Absolventenbeiträge, die nach erfolgreichem Start ins Berufsleben gezahlt werden. Ob direkt an die Universitäten oder über eine Bildungssteuer ist zu überdenken. Der Kerngedanke für seine Ausbildung einen finanziellen Beitrag zu leisten, ist nicht verkehrt, sondern er muss nur so konstruiert werden, dass er keine Zugangsbeschränkung darstellt. Wennwir Bildung weiter als Staatsaufgabe verstehen, müssen wir bereit sein Modelle zu akzeptieren, die den gestiegenen finanziellen Bedürfnissen Rechnung tragen.

Keine Aufnahmeprüfungen
Aufnahmeprüfungen schließen ebenfalls Menschen von Bildung aus. Sie nehmen den Leistungsstand von wenigen Stunden und bestimmen damit das gesamte Leben.

Um diese Forderung durchzusetzen müssen zwei Vorraussetzungen erfüllt sein.

1. Vorbildung

Die schulische Vorbildung muss gut genug sein, um zum Studium zu befähigen. Das Zentralabitur ist auf diesem Weg ein sinnvoller Schritt. Förderkurse oder die existierenden Vorkurse ebenfalls

2. Infrastruktur

Freier Zugang heisst tendenziel mehr Studenten. Dabei hat keiner Interesse an volleren Hörsäalen. Hier gilt es noch einmal über die Digitalisierung der Dozenten nachzudenken. Hören in Abwesenheit. Die technische Infrastruktur dafür ist längst da, die Aufmerksamkeit und die Konzentration dürfte außerhalb der überfüllten Hörsäale wohl auch besser sein.

Bessere Dienstverhältnisse für Lehrende
Eine Universität hat wenig Anreiz, wenn den Lehrenden immer mehr Hürden in den Weg gelegt werden, während die Privatwirtschaft mit Geldbündeln winkt. Ich spreche nicht davon, dass man sie mit Geld überhäufen soll, sondern sie dabei unterstützen muss, wenn sie ihrer Überzeugung, Wissen zu teilen, nachkommen.

Dabei gilt es ein Maß von autonomer Lehre und studentischer Kontrolle zu finden. Das Elend, dass ein schlechter Dozent erzeugt, ist zumindest kurzfristig größer als jenes, einer Studiengebühr. Hier gilt es schon in der Phase der Anstellung Studentische Mitwirkung zuzulassen. Nach meiner Beobachtung ist die Einstellung von Dozenten, die gleichzeitig in der Wirtschaft tätig sind, am erfolgreichsten. Sie sind nicht geprägt von akademischen Mühlen, besitzen Praxiserfahrung und sind finanziell nicht primär von ihrer Stelle als Dozent abhängig. Unabhängigkeit, ermöglich auch in diesem Falle die Freiheit „gut“ zu sein.

Flexible und selbstbestimmte Studienpläne
Jeder Student sollte selbst darüber entscheiden können, was für ihn sinnvoll ist und nicht in einen vorgefertigten Pfad gestopft werden, der jegliche Kreativität tötet und lediglich auf schnelles durchwinken ausgelegt ist.

Sind schlussendlich Teil einer unabhängigen Universität. Auch hier muss es aber möglich sein, dass Universitäten (unter Studentischer Mitbestimmung) selbst darüber entscheiden, ob sie flexible oder fixierte Studenpläne verwenden wollen. Beide System haben Vorteile, beide NAchteile, beide werden von verschiedenen Studenten bevorzugt.

Hier zeigt sich die Stärke der Unabhängigkeit. Sie ermöglicht, und das ist im Sinne aller, Wahlfreiheit.

Zum Schluss bleibt zu hoffen, dass die Party morgen nicht schon vorbei ist. Bleibt zu hoffen, dass auch die Gegenbewegung „Wir wollen doch nur unseren Abschluss“ versteht, dass auch sie in diesem offenen System Platz haben. Bleibt zu hoffen, dass alles besser wird.

Es ist mehr als nötig.

Demokratisierung der Universitäten
Jeder Student hat ein Recht darauf mitzubestimmen, wie seine Ausbildung aussieht. Es handelt sich um Menschen, die Verantwortung über ihr Leben übernehmen können und somit auch über die Art und Weise wie sie sich Wissen aneignen. Ich spreche nicht davon, dass es keine Prüfungen mehr geben soll und man ohne Anstrengung irgendwelche Titel bekommt. Darum geht es nicht. Das Studium soll sinnvoll sein und man soll es nicht wegen dem Abschluss machen, sondern weil es spannend ist, weil man lernen will.

Selbstverwaltung der Universitäten
Universitäten dürfen nicht von der Politik der aktuell regierenden Parteien abhängig sein. Es muss dafür gesorgt werden, dass sie das nötige Geld und Macht bekommen über sich selbst zu bestimmen.

Transparente Finanzierung der Universitäten
Wohin fließt wie viel Geld und warum.

Freie Masterzugänge

Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren
Studiengebühren schließen Menschen vom Zugang zu Bildung aus und Reglungen wie dass man in der Mindeststudiendauer keine bezahlen muss, sorgen lediglich dafür, dass einfache Lehrveranstaltungen bevorzugt werden und die Leute durch das Studium hasten, anstatt sich Wissen anzueignen.

Keine Aufnahmeprüfungen
Aufnahmeprüfungen schließen ebenfalls Menschen von Bildung aus. Sie nehmen den Leistungsstand von wenigen Stunden und bestimmen damit das gesamte Leben. Stattdessen müssen die Studenten im Vorfeld darüber aufgeklärt werden, was das Studium bedeutet, was sie machen müssen und welche Alternativen es gibt. Weiters kann man das System grundsätzlich überdenken, in welche Weise Förderkurse Sinn machen, wenn Studenten ein gewisses Vorwissen nicht mitbringen.

Bessere Dienstverhältnisse für Lehrende
Eine Universität hat wenig Anreiz, wenn den Lehrenden immer mehr Hürden in den Weg gelegt werden, während die Privatwirtschaft mit Geldbündeln winkt. Ich spreche nicht davon, dass man sie mit Geld überhäufen soll, sondern sie dabei unterstützen muss, wenn sie ihrer Überzeugung, Wissen zu teilen, nachkommen.

Flexible und selbstbestimmte Studienpläne
Jeder Student sollte selbst darüber entscheiden können, was für ihn sinnvoll ist und nicht in einen vorgefertigten Pfad gestopft werden, der jegliche Kreativität tötet und lediglich auf schnelles durchwinken ausgelegt ist.

08
Okt
09

Prüfungen abschaffen

Keine Illusionen. Ich erwarte schon nicht mehr, dass ich etwas ändert. Dafür kann ich nur umso freier herumdenken und eine Vorstellung von Universität entwickeln, die sich an keiner Realität wird messen müssen. (Außer an meiner)

Ein Wunsch kann nicht widerlegt werden. Erst recht nicht von den Vertretern des Status Quo. Denen, die gerade wieder fleißig Prüfungsbögen austeilen um die „Qualität der Ausbildung“ zu sichern. Lernerfolge messen. Mit solch höheren Zielen kann ich Ihnen leider nicht dienen. Ich studiere wahrscheinlich in den Augen einiger Kollegen auch nur noch, weil die Qualitätssicherung nicht mit der nötigen Härte praktiziert wird.

Zum Glück gibt es die anderen: Eine reizende Dozentin meinte heute:

„Ich bin nicht hier, um euch auf die Prüfung vorzubereiten“.

Und erntete dafür VON DEN Studenten eine erstaunliche Portion „Ja, aber…“.

Die Prüfung und die gute Note als wichtigstes Grundbedürfnis neben Nahrung, Schlaf und warmer Kleidung? Zahlen zwischen 1 und 6 als Maßstab der eigenen Leistung, vielleicht sogar als Anspruch? Wenn sich Studenten schon wünschen, dass ihre geistigen Freiheiten dadurch eingeschränkt werden, dass sich alles nur noch um den alles entscheidenden Fragebogen dreht, ist alles zu spät. (Glauben Sie nicht, wir können unsere Bestätigung und Kritik auf anderem Wege erlangen? Reden wäre da eine Variante. Lob, Kritik, Auseinandersetzung, Rechtfertigung. Vorstellbar?)

Wenn sich Studenten Beispiele und Vorgaben wünschen, statt ihre Gedanken auf möglichst großem Feld auszuspielen, ist alles zu spät. (Glaube sie nicht, dass auf einem weißen Blatt besser geschrieben werden kann als auf einem Formular? Und wer braucht überhaupt Blätter?)Die Welt

Wir sind so geprägt von falschen Anreizsystemen, kruden Orientierungen. Unsere determinierten Köpfe produzieren nur noch Mittelmäßigkeit. Ausfüllwissen. Zu viele von uns verordnen sich selbst Grenzen, weil wir seit unserer Grundschulzeit an diese Muster gewöhnt wurden, sie adaptiert haben und inzwischen kaum mehr ohne sie zurechtkommen.

Nicht aus Blödheit, sondern aus Hörigkeit. Hörigkeit gegenüber einem Apparat, der sich dazu legitimiert sieht Berufszugänge zu kontrollieren und Menschen von 1-6 zu kategorisieren. Ein Apparat, der sich dann erfolgreich nennt, wenn es viele „geschafft“ haben. Ein irres Spiel, in dem ein Apparat Regeln aufstellt, deren Befolgen er dann als Auszeichnung für die Existenz seiner Regeln versteht. (Den Satz ruhig zweimal lesen, hab ihn auch doppelt geschrieben.) Ein irres Spiel, in dem ein Apparat Regeln aufstellt, deren Befolgen er dann als Auszeichnung für die Existenz seiner Regeln versteht.

Zensuren spielen keine Rolle mehr. Außer für den Apparat. Außer für jene, die sie eine Rolle spielen lassen.

Wir kommen ohne sie zurecht. Wir, die Welt voll von klugen Leuten.

Stellen sie sich vor, Schulen und Universitäten ohne Noten. Plötzlich wäre wirklich jeder gezwungen klug zu sein.

Klug zu werden. Zumindest im Ziel sind wir uns ja hoffentlich einig.

05
Mai
09

Notwendiges Wissen vs. Bloggenswertes Wissen

Zwei flüchtige Bitten wurden mir gestern auf dem Gang der FH zugetragen. Heinz meinte, wir Studenten sollten doch mehr über die Inhalte der Lehre bloggen und Julian bat mich, endlich die produzierten Videos online zu stellen. Beides also heute:

Die Frage, ob es sich über die Inhalte des Unterrichts zu bloggend lohnt, scheint sich nicht nur bei unserem Jahrgang, sondern, so weit ich sehe, österreichweit mit NEIN beantwortet zu haben. Was wäre das für eine Welt: Die akedemische Diskussion wird aus den geistreichen Vorträgen, rauß aus den Hörsäalen in das intellektuelle Netz des WorldWideWeb getragen, um dort in noch geistreicheren Diskussion den Gipfel der Weisheit zu erklimmen.

Der geübte Leser hört schon eine gewisse Ironie und zumindest drei Gründe widersprechen dieser Idee.

  1. Studenten Menschen sind faul. Ohne Zwang passiert gar nichts. Wo kein Abgabetermin, da keine Arbeit. (Ich weiß, es gibt Ausnahmen)

  2. Blogs sind mMn für unfertiges und diskussionswürdiges. Für Dinge, die sich wandeln und morgen schon ganz anders sein können. Die Inhalte des Unterrichts sind zum Großteil dogmatisch (im Sinne von unveränderlich). Die große Syntagmatik des Christian Metz in einem Blog zu diskutieren mag interesannt sein; mehr als der Nachweiß ihrer Richtigkeit/Falschheit/Notwendigkeit oder Überflüssigkeiut wird aber nie gelingen. Metzt wird sie nicht mehr ändern. Sein Syntagmatik ist auch nicht dazu gedacht sich zu ändern, sondern um auswendig gelernt, wiedergegeben und eventuell angewendet zu werden. Meinen Film hab ich by the way ohne die geringst Rücksicht auf den Herrn Metz gemacht, obwohl ich prüfungsbedingt seine syntagmatische Liste auswendig kann.

    Das Medium >Blog< widerspricht also den Inhalten, die im Medium >Vorlesung< vermittelt werden. (Ich weiß, es gibt Ausnahmen). Dabei gilt es wohl eher die Inhalte der Vorlesung diskusionswürdig zu machen, als Blogs zu Vorlesungsskripten zu degradieren

  3. Würden Studenten tatsächlich über die inhalte des Unterichtes bloggen, wäre ein großer Teil des Unterrichtes überflüssig. Nämlich der Teil, der sich Jahr für Jahr wiederholt, weil sich nicht verändert. Der „Aufstieg und Fall der Parteipresse im 20. Jrh.“ wird sich nicht mehr grundlegend neu erklären lassen. Sind aber diese unveränderbaren (weil „historischen“) Inhalte des Unterrichts online abrufbar, wird derjenige überflüssig, dessen Aufgabe es ist, dieses Wissen eigentlich zu vermitteln. Das deswegen der Inhalt (also manchmal die Geschichte?) verändert wird, fordert hoffentlich niemand. (Ich weiß, es gibt Ausnahmen)

Bild: jonathanb1989

Bild: jonathanb1989

Damit stellt sich die grundsätzliche Frage, ob nur noch Wissen vermittelt werden soll, das online (noch) nicht abrufbar ist, oder ober wir darauf vertrauen, dass die persönliche Wissensvermittlung durch einen Lehrer/Prof auch dem antiquiertesten Lehrstoff noch mehr Spirit einhauchen kann, als jeder Wikipediaartikel.

Ich tendiere stark zum zweiten, weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir mehr von anderen Menschen lernen, als aus Lexika. Und zwar nicht nur die höheren Werte, sondern auch Wissen.

Die Krux besteht darin, dass die Inhalte teilweiße so brutal antiquiert sind, das auch mit der größten Liebe kein „Geist“ mehr zu erkennen ist.

Lange Listen und Tabellen voll willkürlicher Begriffe um etwas zu systematisieren, was in seiner Dynamik und Veränderlichkeit meist gar nicht systematisiert werden will.

Als ob wir einen Film besser verstehen, wenn wir gebannten Blickes vor der Leinwand sitzen und sagen: „Oh, das Syntagma der zusammenfassenden Klammerung nach Metz“. Als ob wir bei der Planung eines Filmes sitzen und uns überlegen, welche Syntagmen wir jetzt mal in welcher Reihenfolge aneinandersetzen.

Heinz von Foerster (den ich, wie Heinz wahrscheinlich völlig zu Recht meint, „etwas falsch verstanden haben könnte“ bringt diesesn Unsinn der Etikettierung besser auf den Punkt, als jeder Student es könnte. H.v.Foerster ist Jahrgang 1911 und schafft es meist ohne aufgepustetes Vokabular mehr zu vermitteln, als viele andere mit ihrer Unmenge an Fachtermini:

„Mich stört das gesamte Vokabular. Wenn jemand von Konstruktivisten und Realisten, Objektivisten, Subjektivisten und Postmodernisten spricht und diese ganze Terminologie ins Spiel bringt, würde ich am liebsten sagen: „Vielen Dank, mir reicht’s ich gehe ins Kino. Das ist interessanter.“

(1. So viel Kino kann sich kein Student leisten. 2. Auch das Kino kann nicht so viel gute Filme bieten, wie da nötig wären. 3. Jetzt kommt der entscheidende Teil:)

„Wollen wir doch, wenn wir miteinander sprechen und uns über Themen unterhalten, die Etiketten weglassen. Warum sollen wir auf die Esel springen, die hier durch die Manege öffentlicher Debatten und Auseinandersetzungengetrieben werden? [...] die einen rufen Muh, die anderen Mäh. Und dann rennen die diversen Esel gegeneinander – und das Ergebnis ist, daß niemand mehr zuhört.“ H.v. Foerster und B. Pörksen: „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“

Darf ich jetzt zynisch fragen, ob H.v. Foerster wegen solcher Passagen bis jetzt noch nicht im Unterricht aufgetaucht ist? ;)

Abschließend noch einmal der Versuch etwas eindeutig zu sein:

Ich habe ja nichts dagegen, die Bücher und Gedanken kluger Leute zu verfolgen, ich sehe auch die Notwendigkeit ein, bestimmte Gedanken nachzuvollziehen, die sich andere Menschen gemacht haben. (Das ist berhaupt eine der größten Notwendigkeiten). Aber ich sehe nicht ein, eine willkürliche Sprache zu lernen, die nur dazu dient, die Gedanken mit Wichtigkeit aufzupusten, ihnen eine „Aura“ zu verleihen, die sie dann mit ebensolchen Begriffen wieder zerstören (Benjamin). Eine Sprache, die von Inhalt und Gedanken völlig ablenkt, weil man sich bei jedem Gedanken damit befassen muss, ob man den verwendeten Begriff auch ja richtig verstanden hat, oder ob er in eben diesem Kontex nicht vielleicht doch etwas anders konotieren könnte (Eco).

18
Aug
08

Montag

Ich sollte noch etwas bloggen. Ein klein wenig zumindest. Erst recht nachdem ich am Freitag das große Glück hatte, der Produktion des News-Navigator beizuwohnen.

Es ist so ein direktes Nachrichtenformat, aber was soll ich groß schrieben, außer wie wunderbar „einfach“ es ist, damit zu produzieren.

Ein Greenscreen, ein Schnittprogramm, KnowHow und zwei ambitionierte Journalisten. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Tausend Dank an dieser Stelle noch einmal an Isabella und Christian. It was a privilege.

Das sollte aber nicht davon ablenken, dass aus dem digital divide zwischen Onlinern und Offlinern eine ganz andere Kluft wird/werden kann.

Im Focus Jahr-BUCH 2008 schreibt Wolfgang J. Koschnick sehr treffend wie das WEB 2.0 genutzt wird:“…die einen tun das, um ihr Wissen zu verbreitern und zu vertiefen, um ihre Geschäfte abzuwickeln, ihre Kommunikation effizienterzu gestalten. Und die anderen tun das, um sich mit Pornos und blöden Blogs, in Chatooms und Flirtlines zu Tode zu amüsieren. [...]die einen wachsen daran, die anderen versinken im Sumpf.“ (Koschnick ist 66 Jahre alt)

Tja, das zu ertragen ist wohl das Leid derer, die sich liberal schimpfen.

Aber warum wird dann in Schulen (den un-liberalsten Orten die ich kenne) immer noch gelehrt, wie man seinen Namen tanzt (damit ihn die Freundin am anderen Ende der Webcam auch versteht), und wann wird endlich angefangen einen sinnvollen Umgang mit dem Internet zu lehren?

Haben Schulen etwa Angst, dass ihre Schüler online mehr lernen als im Frontalunterricht, oder wissen sie es nicht besser?

Ich hoffe, die Aufgabe der Lehrer wird sich bald verändern, Pädagogen wollten sie zwar oft sein, aber doch meist vergebens. (Wissens-)Lehrende waren zumindest einige von Ihnen. Ihr Unterricht lässt sich vielleicht mit einem guten Blog vergleichen. Jede Stunde spannend erzählte Neuigkeiten zum lernen und dann gab es diese ganz seltenen „Charakterlehrer“.

Die haben viel weniger Wissen vermittelt, als sogenannte „soft skills“:

den Mut zur Meinung und zum Fehler;

die Würde, die eigene Unwissenheit zu ertragen und zu erkennen und daraus den Ehrgeiz nach mehr Wissen zu entwicken;

den Witz in der Diskussion und den ehrlichen Respekt vor der anderen Meinung(der geht mir heut noch manchmal ab – i know) ,

das dialektische Denken und auch

die Macht einer PERSÖNLICHEN Überzeugung gegenüber gelesenem Wissen.

Das sind Dinge die uns kein Internet lehren kann, vielleicht ein paar Helden der Literatur, aber vor allem Menschen. Vielleicht sollte es die Aufgabe von Lehrern sein; Wissen werden sie uns kaum noch vermitteln können.

Ich erkenne das spät, und ich war oft kein „einfacher Schüler“.  Eben weil ich das erst jetzt verstehe.

Aber ich bin, auch das spät, denjenigen dankbar, die mich trotzdem mehr gelehrt haben, als der Lehrplan verlangte.

Matthias Kreck via

einfach wunderbar

20
Jun
08

Fresse halten lässt sich nicht mit der Schweigespirale entschuldigen

UPDATE 01.06.09

NICHTS IST BESSER GEWORDEN. IM GEGENTEIL. ALL JENEN, DIE GANZ ÜBERASCHT ÜBER DIE „ESKALATION“ SIND, SEI DIESER TEXT UND DIE FOLGENDEN KOMMENTARE VORGEHALTEN. ES WAR ABSEHBAR.

UPDATE 30.09.08

ÜBER DIESEN BEITRAG UND EINIGE KOMMENTARE GIBT ES EINE INTENSIVE DISKUSSION. ICH MÖCHTE NOCH EINMAL DARAUF HINWEISEN, DASS MIT DIESEM BEITRAG NIEMAND PERSÖNLICH BELEIDIGT ODER BLOßGESTELLT WERDEN SOLL. ICH HALTE SOWOHL INHALT UND SPRACHE DER IN KOMMENTAR 14 GEÄUßERTEN MEINUNG FÜR VERKEHRT UND HABE DARAUS DIE KONSEQUENZ GEZOGEN, KOMMENTARE NICHT MEHR AUTOMATISCH FREISCHALTEN ZU LASSEN. DA IM MOMENT DARÜBER NACHGEDACHT WIRD, OB ICH DEN BEITRAG LÖSCHEN MUSS, FÄLLT ES MIR SCHWER ES SELBST ZU TUN. AUßDERDEM IST ER INZWISCHEN ZU EINEM GUTEN BEISPIEL FÜR DIE SCHWIERIGKEITEN DER WEBKOMMUNIKATION GEWORDEN.

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