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Nach einem halben Jahr aktiven und passiven Blogosphärendaseins ein paar Gedanken - ein langer Monolog der um Wirkung, Aufmerksamkeit und einiges mehr bettelt:

Besonders spannend finde ich Blogs wie

politically incorrect,Medien Backspin,Freunde der offenen Gesellschaft,oder die Achse des Guten

Dort wird mit Kontinuität eine Meinung publiziert, authentisch und gegen allen Widerspruch verteidigt.
Anfangs war ich davon begeistert, demokratischer Meinungsaustausch zu politischen Themen.
Aus der Summe aller Beiträge könnte jeder Leser ein Weltbildbekommen was einen Großteil der geäußerten Meinungen berücksichtigt.

Inzwischen hat sich diese idealistische Betrachtungsweise etwas geändert (und sie wird es wieder tun)

Ich glaube, dass der Großteil der Leser, und erst recht der Blogger, nicht auf der Suche nach einer Auseinandersetzung um der Wahrheit/Objektität         Willen ist, sondern vielmehr darum bemüht,  einmal geäußerte Standpunkt zu verteidigen.

Die Anonymität des Internets verleitet in meinen Augen weniger zur inhaltlichen Auseinandersetzung, sondern vielmehr zur dialektischen Probebühne für die Auseinandersetzung selbst.
Der Blogger vertritt seine Meinung und verteidigt sie gegenüber eventuellen “Angriffen”, dabei muss er jedoch nie in eine TATSÄCHLICHE Auseinandersetzung,
die Auseinandersetzung besteht nur um ihrer Selbst Willen und hat also keine Konsequenz auf die eigene Weltanschauung. Denn im Gegensatz zur dirketen Auseinandersetzung im persönlichen Kontakt hat man jederzeit die Möglichkeit des konsequenzlosen Rückzuges.

Der Blogger hat zudem die häufige Möglichkeit, sich auf Leute zu beziehen die der gleichen Meinung sind wie er; er findet also Bestätigung.
Noch mehr Bestätigung als durch formulierte Zustimmung scheint er allerdings durch die Zahl der Seitenaufrufe zu bekommen. Besonders PI äußert sich immer stolz zu ihrer Leserfrequenz, die sicher deutlich über dem gesamten Bekanntenkreis aller Pi-Schreiber. (Und auch ich kann nicht beschtreiten das ich bei einer geringeren Anzahl von Seitenaufrufen und Kommentaren mit dem gleichen Enthusiasmus am Werk wäre)

Wenn man also von mehr Leuten wahrgenommen wird, führt das sicherlich zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls (Siehe paris hilton), aber kann man aufgrund Gestiegenen Interesses an der eigenen Meinung auf die Richtigkeit dieser Meinung schließen? Ich hasse rhetorische Fragen…

Das ist leider nicht nur ein Broblem der Plogger (Scherz am Rande), sondern durch die zunehmende Prägung meiner Generation auf den Computer scheint sich das Sozialverhalten im allgemeinen anzupassen.
Wie komm ich nun wieder darauf.

Auf meiner Hochschule werden halbjährlich wunderbare Evaluierungen durchgeführt. Das sind onlinebassierte, anonyme Umfragen in denen Studierende ihren ganzen Frust in die Tasten des Computers drücken und der entsprechende Proff bekommt dann ein “Best of”.
Das ist im Prinzip nett, aber prinzipell…

Einige Proffs haben sich nun mit den Ergebnissen auseinandergesetzt und dazu Stellung genommen. Einer hat sogar eine Diskussion angestrebt, in der die Inhalte der Evaluierungen und des Unterrichts diskutiert wurden.
Ich war begeistert,                   bis zu dem Punkt, als er fragte, wer sich in den Vorlesungen unwohl fühle und sich kein einziger gerührt hat.
Als er sich daraufhin umgedreht hat und darum gebeten hat, die Abstimmung hinter seinem Rücken erneut durchzuführen, haben sich dann 5 Leute gemeldet.
5 Kollegen, die alle ein kommunikatives Fach studieren, und irgendwann einmal als 4. Gewalt im Staate arbeiten wollen. 5 Leute deren Aufgabe es  sein wird, gesellschafliche Diskussionen zu führen, und als öffentliches Kontrollorgan zu funktionieren. Dazu gehört in meinen Augen auch, Missstände offen anzusprechen und sie nicht unter dem Deckmantel der Anonymität in die Welt zu setzten.

Gern würde ich dem Computer die Schuld geben, der uns lehrt alles in ihn hinein zu werfen, in der Hoffnug, es kommt an der richtigen Stelle wieder hinaus.

Aber die Wirklichkeit, die Lebenswirklichkeit des Einzelnen, beruht auf Kommunikation und darauf, das die eigene Lebenswirklichkeit mit der Lebenswirklichkeit der Umgebung abgeglichen wird.
Wenn ich meine Wirklichkeit also nur in diese Geräte kommuniziere und nicht mehr an diejenigen, denen die Intention gilt, bleibt die Auseinandersetzung auf der Strecke. Im besten Fall bekomme ich und mein Gegenüber die Formulierung der jeweils anderen Meinung und können uns mit dieser auseinandersetzten.
Aber es beliben starre Systeme und die Dynamik, die Energie einer tatsächlichen, physischen Auseinandersetzung fehlt weiterhin.

Nach einem halben Jahr des Bloggens und Lernens über Bloggen halte ich dieses Instrument nicht geeignet für die Auseinandersetzung, es erfüllt eher einen Zweck der Zeitung, den der Herstellung von Zeitgenossenschaft. Wir haben ein Wissen über die Meinung des anderen. Aber meine Mutter sagte schon immer :
Wissen allein reicht nicht.

Ich hoffe also auf Widerspruch
Auf diesen blog, das Leben im Allgemeinen
auf alles
alles und jeden
auf Widerspruch um der Wahrheit Willen
Wahheit die es nie geben wird
wider wahrheit wissen

Ich hoffe auf wider spruch
nicht um des sprechens willen
wider willen sprechen
will sprechen
will ist der imperativ von willen
will sprechen
wider und wieder
auch du dani
auch du johanna
auch du

sprich wider

nur du, Geliebte - widersprich mir nicht