Teil 2. meiner Prüfungsvorbereitung und Antwortrunde
Frage Nr. 2b
Warum wird zurzeit so viel Geld in die Wirtschaft hineingesteckt , und nicht in den Sozialstaat? Warum erhöht man nicht das Arbeitslosengeld, wo bleibt das Grundeinkommen? Warum nimmt man sich jetzt nicht die Zeit und das (im Überschuss verbutterte) Geld um den Sozialstaat (in Österreich) von Grund auf zu erneuern und zu verbessern?
Etwas abgewandelt geht es darum, nach welchen Modellen der Staat in den einfachen Wirtschaftskreislauf eingreift. Warum? Mit welchen Zielen? Und warum es keine Antwort auf die Frage gibt, ob das nun gut oder schlecht ist. Die Unterschwellige Forderung von Dominik, Investitionen in den Sozialstaat zu tätigen, kann ich unterstützen.
Man möge sich nur vorstellen, wieviel klüger Manager gehandelt hätten, die eine besser Ausbildung genossen hätten. Oder eine Bankenaufsicht, die außer dem Umgang mit Zahlen noch etwas anderes gelernt hätten. Sie verstehen schon, was ich meine…
Der einfache Wirtschaftskreislauf im simplen Idealmodell:
- Haushalte bieten Unternehmen ihre Arbeitskraft an und werden dafür bezahlt.
- Die Unternehmen produzieren mit Hilfe der Arbeitskraft Güter.
- Diese Güter werden von den Haushalten mit Hilfe des empfangenen Lohnes gekauft.
Weil jeder „homo oeconomicus“ ein Interesse/Bedürfnis an Gütern hat, ist er auch daran interessiert zu arbeiten, um Geld zu bekommen, mit dem er sich diese Güter kaufen kann.
Weil Unternehmer ein Interesse daran haben ihre Güter zu verkaufen, werden sie etwas produzieren, wonach ein Bedürfnis besteht.
Alles ziemlich simpel, entspricht aber in etwa der wirtschaftlichen Realität eines Kaufmannladens.
Denn:
Das System ist dynamisch:
Das heist die Nachfrage ändert sich in Abhänigkeit vom Einkommen der Konsumenten, dem Preis und der „Intensität des Bedürfnis“ (Also: „Wie wichtig ist mir dieses Gut?“)
bild: velo steve
Und das System ist größer:
Zum Erweiterten Wirtschaftskreislauf gehören noch:
1. Der Staat
Durch Steuern reduziert er die Kaufkraft der Konsumenten. Gleichzeitig erfüllt er Bedürfnisse, die nicht, kaum oder nur schlecht von Unternehmern erfüllt werden. (Infrastuktur, Bildung, Kultur, Verteidigung…) Der Staat stellt diese öffentlichen Güter zur Verfügung. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass niemand von deren Nutzen ausgeschlossen werden kann und grundsätzlich kein Mangel an ihnen herrscht.
2. Banken
Durch die Möglichkeit des Sparens reduzieren sie die Kaufkraft der Haushalte, durch Kredite ermöglichen sie den Unternehmen aber Investitionen, Entwicklung, Neugründung etc. Sie stellen den Unternehmen also das Gut des „Vorschusses“ besser noch die Ware „Geld“, zur Verfügung und werden mit Zinsen bezahlt.
(Gleichzeitig beschäftigen sie Konsumenten.)
3. Ausland

Aus dem Ausland können Güter importiert und gekauft werden, bei deren Produktion aber kein späterer Konsument etwas verdient hat. Der Konsument zahlt zwar von seinem „hier“ erwirtschafteten Geld, aber er nutzt damit das Angebot im Ausland. Im eigenen Land „riskiert“ der Konsument damit eventuell ein Überangebot.
Gleichzeitig können Güter natürlich exportiert werden. Dann fließt zwar Kapital auf den lokalen Markt, dafür mangelt es dann wieder an dem exportierten Gut. Schon nach diesen simplen Feststellungen ist klar, welch enorme Dynamik in der Globalisierung steckt.
bild: asecondhandconjecture
Soviel also zur nötigen Vorbetrachtung das Marktes. Sehr simpel, ich weiß, aber vielleicht hilft es. Wer auf Märchen steht, kann sich das ganze auch anders erklären lassen. Wirklich großartig diese Geschichte, wenn auch etwas mikroökonomischer. Der Wirtschaftskreislauf hinter den sieben Bergen. (pdf)
Warum finanziert nun der Staat die Banken, anstatt seinen eigenen „Aufgaben“ nachzukommen. Also dem Ausbau des Sozialstaates, Bildungs- und Infrastrukturinvestitionen…?
Nun, die Banken sind Pleite, bzw. so undurchsichtig und riskant verschuldet, dass sie keine Möglichkeit (oder Willen?) mehr haben. Geld zu verleihen.
Das sorgt bei den Banken selbst für eine „niedrige Produktion“ (denn normalerweiße besteht ja ihr Geschäft im Verleihen von Geld), gleichzeitig aber, fehlt den Unternehmen eine „Rohstoffquelle“. Nämlich die, für den Rohstoff „Geld“.
Wenn eine Firma ein Haus bauen will, dann bekommt sie den Lohn dafür normalerweiße erst, wenn das Haus fertig ist. Aber woher soll sie das Geld haben, um das Haus zu bauen? Dafür gibt es im Normalfall Banken. Die stellen Geld zur Verfügung (bis das Haus fertig ist) und bekommen es dann inkl. Zinsen wieder. Macht das Haus ein wenig teurer, aber es steht.
Fällt jetzt die Bank weg, gibts kein Häuschen. Damit gibt es aber auch niemanden, der damit Geld verdient, dass er das Häuschen baut. Das Unternehmen hat also keinen Auftrag und der Bauarbeiter bekommt kein Geld, weil es keine Arbeit gibt.
Ein Haushalt ohne Arbeit, also ohne Geld, kann sich aber bald garnichts mehr leisten.
Der Wirtschaftskreislauf steht still. Und zwar vollständig.
Das vollzieht sich langsam, momentan sind wir anscheinend in der Phase, wo keine Autos mehr gekauft werden. Damit verdienen aber die Autobauer nichts mehr und hören dann vielleicht auf Süßigkeiten zu essen. Dann bricht die ganze Süßigkeitenindustrie zusammen. Dieses DominoDay-Schreckensszenario ist also relatiev einfach begründet.
Die Banken spielen für den Unternehmer im Wirtschaftskreislauf in etwa die Rolle, wie die Nahrungsmittelproduktion für die Haushalte. Fällt die Nahrung (Geld) aus, hat der Haushalt, also der Mensch (das Unternehmen), keine Kraft mehr zu arbeiten (zu produzieren). Wenn aber niemand mehr Kraft hat zu produzieren, wer sorgt dann für neue Nahrung?
Deshalb also der Staat.
Deshalb werden die Banken jetzt als erste gerettet.
Sogenannte Konjunkturpakete, die öffentliche Aufträge mit den „normalen“ Aufgaben des Sozialstaates verbinden, sind demnach wahrscheinlich die sinnvollste Maßnahme. Der Ausbau von Schulen und Autobahnen ist recht einfach nachzuvollziehen.
Eine Erhöhung der sozialstaatlichen Ausgaben (Arbeitslosengeld, Konsumgutscheine…) würde zwar direkt zum allseits geliebten Bürger und ‘Wähler wandern, aber ob es von dort in die Unternehmen, ins Ausland oder ins heimische Sparschwein wandert, ist nicht vorhersehbar.
Dave Barry beschreibt in einem sehr witzigen Artikel den Unsinn von Konjunkturprogrammen. . Zumindest für Konsumgutscheine, MwSt.-Senkungen… gilt sein Spaß. Das daraus aber relativ schnell ein Protektionismus (der Versuch Import zu verhindern) werden kann, zeigen sowohl Barak Obamas erste Gedanken, als auch Blogeinträge wie diese:
We need to keep that money here in America. You can keep the money in America by spending it at yard sales, going to a baseball game, or spend it on prostitutes, beer (domestic only), or tattoos, since those are the only businesses still in the US.
Wir danken dem Humor für seine Erträglichkeit.
Ich hoffe, dass die Zusammenhänge des Marktgeschehens so stimmen und verständlich sind.
Fragen, Fehler, Kritik, alles bitte sofort, noch hab ich Zeit bis zur Prüfung.
Vielleicht mag auch einer der sich zahlreich vorbereitenden Kollegen/innen erklären:
Warum ist es wirtschaftspolitisch sinnvoll, dass ein Staat Schulden macht?
Bitte um Antwort, könnte ja auch eine Prüfungsfrage werden. und ich habe es bis jetzt noch nicht durchschaut.
P.S. Ob Politiker Misiks Buch gelesen haben weiß ich nicht. Bezweifle aber, dass es helfen wird. Seine „Verbesserungsvorschläge“ sind 1. langfristig, und 2. kurz gehalten.
Das Mindestmaß an Gleichheit was er fordert, und der fairen Individualismus und faire Konkurrenz möglich machen soll, muss wahrscheinlich wirklich dort losgehen, wo Misik es beschreibt. Im Kindergarten, in der Einstellung gegenüber Müttern und im Bildungssystem. Vorher müssen aber aus den oben beschrieben Gründen erstmal die 1.-Hilfe-Maßnahmen getätigt werden.
Anstatt dazu einen Beitrag zu leisten, hat Robert Misik doch sehr viele Seiten mit dem Bashing der sogenannten Neo-Kons gefüllt. Schade.
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