Archiv der Kategorie 'Internet'

02
Mai
09

Politiker auf YouTube – System und Vorschläge

Nachdem ich mich in einem Referat vergangene Woche mal wieder mit dem aktuellen Stand der politischen YouTube-Kommunikation befasst habe, will ich die vorgestellten Ansätze hier fest halten und auf die offen gebliebenen Fragen eingehen. (Völlig zurecht wurde mir nämlich vorgeworfen, dass ich keinen Vorschlag gemacht habe, wie so ein YouTube-Video denn aussehen solle.)

Ganz einfach, weil ich keine Ahnung habe.


Ernst von Glasersfeld hat das Bild des Blinden im Wald entworfen:
Wir kennen den Weg nicht, sondern merken nur durch Fehler (=Gegen den Baum laufen) welcher Weg nicht funktioniert. Irgendwann werden wir eine Idee haben, wie wir durch den Wald kommen, ohne je eine Ahnung zu haben, ob das der beste Weg ist. Dieses Trial-and-Error-Prinzip ist auch bei den Parteien auf YouTube festzustellen. Um die Systematisierung hier bersichtlich zu machen, ein paar Kriterien:

Konzeption: Spontanität vs. Drehbuch
Von den anscheinend spontanen Filmen der Grünen bis zu den durchgestylten Formaten von CDUTV lässt sich auf unterschiedlich viel Mühe und Bedeutungszuschreibung seitens der Parteiverantwortlichen schließen. Offensichtlich ist, dass der Grad der Konzeption keinen Zusammenhang mit der (subjektiven) Qualität hat. Sowohl die Spontanität als auch der Ablauf nach Drehplan sind weder garant für Erfolg, noch dafür, dass es total schief geht.

Inhalt: Der politische Paradigmenstreit der Politik setzt sich in der Visualisierung fort.

Grundlage für diese Unterscheidung war die Arbeit von Dr. Wilhelm Hofmann zu visueller Politik.

Auf der einen Seite gibt es den Versuch politische Themen zu diskutieren (mit sich selbst oder durch Zuschauerfragen) und auf der anderen Seite die konfrontative Auseinandersetzung mit dem Gegner. Hofmann führt die Begriffe von „Diskussionsgemeinschaft“ und den „Kampfbegriff“ an.

Zwischen diesen beiden Extrempolen liegen viele Schattierungen, so manche Diffamierung des politischen Gegners wird da gekonnt mit ein paar Sachbezügen garniert. Das lässt sich dann kaum noch von aufrichtigen Versuch der Sachdiskussion unterscheiden, in der das Konzept des politischen Gegners widerlegt wird.

Für das Format der YouTube-Videos halte ich diese subtile Mischung aus politischen Kampf und ideologischem Diskurs für Unsinn. Soll es zum Image und zur Identität der Partei gehören, dass sie andere Parteien direkt kritisiert, dann sollte das auch im flüchtigsten aller Medien nicht durch übertriebene Differenziertheit verdeckt werden.

Form: Von der Pressemitteilung zum Parteifernsehen
Meine „Klassifizierung“ setzt bei der klassischen Pressemitteilung an und sieht zahlreiche Videos als reine „visuelle Pressemitteilung“.

Was auch immer man sagen will, knallen die Parteien nicht mehr NUR in Pressemitteilung auf die Schreibtische der  Journalisten, sondern sie erliegen dem Glauben, dass sich jemand unbezahlt und in seiner Freizeit damit befassen will. Die Klickzahlen zeigen, dass dem nicht so ist.
Die „visuelle Pressemitteilung“ wird besser, wenn sie mit einer politischen Aktion oder einem Event zusammenfällt. Dazu zähle ich neben den Übertragungen politischer Aktionen durch Bsp. Die GRÜNE, auch die Aufforderung zum Dialog. Diese Form des „virtuellen Parteistandes“ transportiert die klassische Basis-Parteiarbeit (Stichwort: Kinderschminken) so gut es geht in Netzt. Meist geht es nicht.

Einen relativ großen Unterschied gibt es zum „Partei-TV“. Hier werden extra für YouTube Formate entwickelt und umgesetzt. Das machen vor allem CDU und FDP. Im Gegensatz zur „visuellen Pressemitteilung“ steht aber hier nicht der reine Transport der Botschaft im Vordergrund, sondern die damit verbundene Unterhaltung: Parteipolitisches Infotainment.
Dafür gilt dann meist das gleiche, wie für das journalistische Infotainment. Die Botschaft zählt meist weniger als die Unterhaltung.

Also was nun? Wie macht man es „richtig“?
Damit ich in dem begonnenen Bild von Glasersfelds Blindem im Wald bleibe, versuche ich gar nicht erst den Weg zum „richtigen Video“ zu beschreiben, der sich aber sicherlich irgendwo zwischen der genauen Justierung der angeführten Kriterien findet. Statt dessen ein paar Formate, die zeigen wie unterschiedliche (subjektiv) gute Videos aussehen können:

Arvid Bell:


Das hat nichts mit einem Webvideo zu tun. Die Grünen haben diese Rede vom Parteitag einfach mitgefilmt und online gestellt (um sie zwischendurch wiederholt zu löschen und damit auch viele positive Kommentare).  Die Tonprobleme bestehen weiterhin. Da ändert sich halt mal mitten im Video die Bitrate des Tons. Unfassbar.

Aber was deutlich wird: Wenn der Inhalt einen bestimmten Drive und eine gute Botschaft hat, ist die Form völlig egal. Das es sich bei Arvid Bell um ein Talent handelt, dass sich kaum Gedanken über die Form machen muss, sieht man in einer weiteren Rede, die genau so grausig gefilmt und genau so toll ist.

Hans-Peter-Haustein


Ein guter Versuch unverkrampft und mit einem Schmunzeln die große Politik zu erklären. Ein schmaler Grad zwischen politischer Botschaft und Unterhaltung, der bei jeder Übertreibung Gefahr läuft, lächerlich zu werden.

CDU TV

ein (suggerierter?) Mehrwert für den Zuschauer, verpackt in einem Format, das zumindest nicht vor Langeweile gähnt. Vielleicht nicht ein Format für die breite Masse, aber ein nettes Angebot an die Stammwählerschaft.

Cem Özdemir: Ein Versuch


Hier bin ich auf die nächste Folge gespannt. Ganz ohne jeden Inhalt wird sich ein solches Format wohl nicht durchsetzen. Die hemdsärmliche und unaufdringliche Art wirkt aber so lässig wie Obamas aufgekrempelte Hemdsärmel. Das ist gut, aber ob es wirklich gut ist, wird sich zeigen wenn Cem Özdemir länger im Bild ist. Das er nach 60sek. weder langweilig noch nervig ist, darf man erwarten. Das schaffen nur Claudia Roth und Roland Pofalla (jmd. vergessen?)

Ob diese Auswahl jetzt zu euphorischer Freude über die hohe Qualität der politischen YouTube-Videos führt, oder ob Sie sich fragen, wo jetzt die wirklich tollen Videos sind, dass liegt wieter bei Ihnen. Sollte ich überragendes oder unterirdisches versäumt haben, nur her damit.
Zu Guter Letzt:
„2009 ist das Jahr der Werbevideos“ Das kann ich Ihnen nicht vorenthalten. Hab es eh schon getwittert. Das ist einfach nur fantastisch.

21
Apr
09

EIN ♥ FÜR BLOGS

Darauf hab ich gewartet. Endlich eine passende Gelegenheit mich bei zahlreichen Bloggern dafür zu bedanken, dass sie meinen Feedreader und meinen Kopf füllen. Ich werde nicht alle hier vorstellen können, aber diejenigen bei denen es sich auch immer wieder lohnt den Feedreader zu verlassen und sich Zeit zu nehmen. Für kluge Gedanken und spannende Persönlichkeiten:

VIP’S

EnlargeYourPen

Frequenz, Länge und Inhalt sind immer wieder überraschend. Bei einer Textzeile schreibt christian zwei Zeilen zwischen eben diesen. Und die lohnt es zu lesen.

intasiti

Markus bloggt dezent, ebenso angenehm dezent ist seine Ironie.

Luca

ist ein Sonderfall. Nach meinem Befürchtungen auf einen lebensfernen Nerd zu treffen hab ich auf dem Klagenfurter Barcamp einen gescheiten Denker getroffen. Über Technik bloggt er kaum noch, dafür umso besser hier. Insbesondere der Revolutions-Text, dessen Antwort von mir noch zwischen Tastatur und Monitor schlummert.

Wissen belastet.

Max hat die Politik und ihren Umgang mit dem Internet gut im Blick und im Gegensatz zu einigen anderen „Politbloggern“ spart er sich plakative Polemik.

Stellar

Ist merkwürdig. Ich weiß nicht warum.

Was mit Medien

Und alles was dazu gehört. Zwei sympatische Stimmen mit jeder Menge Ahnung von der deutschen Medienlandschaft. (Podcast)

Lost and Found

tiefgedacht

(Lese ich noch nicht lange.) Mathe, München und Physik. Dinge die ich nicht vergessen will.

Die ganzen Politkinfowerchfeeds erspare ich Ihnen hier. Das hat eh weniger mit Herz, als mit Hirn zu tun. Auch hab ich jetzt nur das eine, das liebgewonnenste Prozent aufgelistet. Weitere Empfehlungen gibt es immer wieder hier.

Traurig könnte ich werden, wenn ich die Blogs zähle, die im letzten halben Jahr nahezu gestorben sind. Vielleicht hat es was mit dem parallelen Twitterhype zu tun. Ich weiß es nicht, freue mich aber, dass es immer noch so hervorragende Blogs gibt. Keep on blogging…

14
Apr
09

Die Zerteilung des Selbst in verschiedenen Welten

Auf Wunsch einer lieben Freundin will ich hier einmal mehr (selbst-)reflektierend auf die mögliche Veränderung der eigenen Persönlichkeit durch „SocialWeb“ eingehen.

Ihre Vorstellung: Durch Blogs, SocialNetworks (SN) geht die Persönlichkeit verloren und es kommt zu einer „Zerteilung des Selbst in verschiedenen Welten“. Das eine andere gute Freundin gerade all ihre SN-Profile gelöscht hat, zeigt, dass wir von der suggerierten Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Web 2.0 noch weit entfernt sind.

Hinter dieser Vorstellung steht das Bild der „Webidentität“ und die Frage, wie sehr sich diese mit der eigenen und nicht-virtuellen Persönlichkeit deckt oder decken soll.

Wer ist also Michael Thurm und wer ist michaelthurm? Ich werd es nicht verraten, aber ein paar grundsätzliche Gedanken über Gefahren und Vorteile dieser „Zerteilung“ schreiben.

You are your Content

Während wir im realen Leben eine Vielzahl komplexer Interessen haben und damit schwierig zu verstehen sind, lässt sich das „Online-Ich“ auf das Wesentliche reduzieren. Durch den Filter des Internet kann also jeder das Bild, das sich andere von Ihm machen sollen, schärfen und auf das Wesentliche konzentrieren.

Konkret ist es für niemanden interessant, warum ich bin wie ich bin. Hier im Blog kann ich aber auswählen, was von mir für andere (hoffentlich) interessant ist. So entsteht sicherlich ein „zerteiltes“ und unvollständiges „Online-Ich“.

Das ermöglich aber einen thematischen Austausch und vor allem Bekanntschaft mit „Online-Anderen“. (Photographen, Politischen Menschen, Phlegmatikern…)

Ein gemeinsames Thema findet sich nämlich viel eher also eine Konkruenz zweier komplexer Persönlichkeiten. Die Einfachheit im Internet erleichtert den späteren Kontakt.

Es geht nicht darum, dass die Persönlichkeit völlig verschwindet. Das halte ich für unmöglich und auch nicht ertrebenswert. Dimido begründet hier recht knapp und einfach warum. Aber die Reduktion der Persönlichkeit auf das Mitteilenswerte halte ich schon für eine (nicht nur online) wünschenswerte Einstellung.

Das hat auch eine

Wirtschaftliche Bedeutung

Klaus Eck beschreibt hier eine Art  „Human-Credit“, der zu Kontaktanfragen und/oder Aufträgen führen kann. Diese wären ohne ein (gute) Identität im Netz nicht möglich.

Den Schwerpunkt des Artikels legt Klaus Eck aber auf 6 Punkte eben diese Online-Identität zu erreichen und auch wenn ich darin mit Ihm nicht einer Meinung bin, so bleibt doch die Notwendigkeit einer bewusst gestalteten Online-Identität ein von uns beiden vertretenes „Ziel“.

You are transparent

Die oberen Abschnitt sind für mich ein wenig Ziel und Selbstanleitung.

Darüber hinaus besteht natürlich, vor allem in klassischen SocialNetworks die Gefahr, dass das „Online-Ich“ nicht gestaltet wird, sondern unüberlegt und ohne jede Reflektion entsteht. Das kann zu einer ungewollten Verzerrung der Fremdwahrnehmung kommen, denn wenn keine klare Reduktion der Persönlichkeit wahrnehmbar ist, kann der Eindruck entstehen, das „Online-Ich“ SEI das „Ich“. (Psychologen uns Soziologen mögen beurteilen ob das wiederum dazu führt, dass sich das „Ich“ dem „Online-Ich“ anpasst. Ich befürchte es.)

Die „Zerteilung“ ist also keine Gefahr, sondern bis zu einem bestimmten Punkt erstrebenswert.

Urs Gasser sieht allerdings im Interview mit der SZ die Gefahr einer „klebrigen Identität“. Damit ist in erster Linie wohl gemeint, das uns ein einmal erzeugtes „Online-Ich“ länger anhängt, als uns vielleicht lieb ist.

Müssen wir also von der ersten Minute jede Online-Aktivität planen? Kleben die Bilder des ersten Alkoholrausches bis zur Rente an den Klowänden des Internets?

Wahrscheinlich nicht, aber niemand kann es ausschließen. Deshalb bieten sich einige grundsätzliche Strategien an:

Save Your Data

Behalte den Überblick und die Hoheit über deine Daten. Stelle sicher, dass du alles Ändern und Löschen kannst, was du willst. Stell sicher, das niemand anderer deine Online-Identität verändern kann.

Save Your Domain

Verhinder, dass jemand anderer deine Identität überdeckt. Sichere deine Usernamen, Domainnamen und stelle Trittbrettfahrer so früh wie möglich als solche dar.

Save your IQ

Stichwort: Selbstreflektion. Nur wer anderen zuhört, wird in der Lage sein, das eigene Handeln zu reflektieren. Webkonsum und Produktion sollten in einem Verhältnis stehen. Wenn du nciht mehr weißt WAS und vor allem WARUM du es tust, wird es nicht gut.

Save Your Identity

Stichwort: Brand. Mach klar wofür du stehts. Schärfe deine Authentizität. Nicht, indem du alles offenbarst, sondern indem du deine Profession zum öffentlichsten Teil deiner Online-Identität machst.

Das eine zu aktive und vor allem unreflektierte Nutzung zur gänzlichen Ablehnung von SocialNetworks führt, ist für mich logisch. (Siehe Einleitung)  Dank Rupprecht kann ich dazu noch auf einen sehr aktuellen Artikel des Schweizer Fernsehens hinweisen.

Das nötige Gebet, von der Technik, die nichts dafür kann, wie sie benutzt wird, ist alt und überflüssig.  If you not how to use it’s benefit, it will be your profit.

Und sonst gilt: Sei kein Schaf. Wenn doch, dann ein solches.

24
Mär
09

FH-Lehre mit Wetpaint #Uni 2.0

Endlich komme ich dazu wenigstens kurz das Social-Media-Tool vorzustellen, mit dem an unserer FH die PR-Vorlesungen im 4. Semester unterstützt werden.

Wetpaint ist ein kostenloses Online-Wiki-System, dass sich über Google-Ads zu finanzieren scheint. Für ein pädagogisches Projekt wie das unsere wurde die Werbung aber schon abgeschaltet.

Jetzt steht uns eine Webseite zur Verfügung, die öffentlich und leicht zu bedienen ist. Die Funktionalität ist nach den ersten Eindrücken recht gut. Bis jetzt konnte ich ohne Anleitung und sehr intuitiv (wenn auch inhaltlich zurückhaltend) arbeiten. Mitarbeiter von außen lässt das System prinzipiell zu, für unseren speziellen Fall müssen diese aber eingeladen werden. (Ist sicher sinnvoll, schade nur, dass sich die Kommentarfunktion nicht generell freischalten lässt)

Funktionen:

Wir nutzen die Seite im Moment für zwei Dinge und ich kann noch nicht sagen, wofür die Seite besser oder schlechter geeignet ist.

Zum einen werden die Referate, die jeder Student halten muss dokumentiert, kritisiert und je nach belieben auch online vorbereitet. Zum anderen läuft ein Teil der Organisation für die geplante PR-Konferenz PRleben auf der Plattform.

Hier bin ich vor allem gespannt, ob die Plattform hilft, Termin einfacher zu koordinieren und Aufgaben ohne lästige Meetings zu vergeben etc.

Die Plattform wetpaint bietet also ein paar mehr Funktionen als ein klassisches Wiki, Lobenswert die integrierte Möglichkeit Threads/Artikel bei Facebook zu integrieren oder bei delicious zu taggen.

Eindruck

Nach den ersten zwei (drei?) Einheiten mit der Plattform bin ich recht zuversichtlich. Ich hab den Eindruck, dass alle „Bedürfnisse“ die wir an eine solche Plattform haben, erfüllt sind. Optimierungspotential (Design, Kalenderimport/Export, Multifeed, etc.) gibt es natürlich immer, aber ich bin gespannt wie ich etwa im Juni über die Plattform denke. Dann ist das Semester vorbei und es lässt sich sicher mehr über Stärken und Schwächen des „Programms“ sagen. Oder über die von uns Studenten. (Mir fehlt zum Beispiel im Moment die PRistische Muse um mich mehr auf de Plattform zu bewegen..)

Andere:

Die Kollegen aus dem „jüngeren Jahrgang“ nutzen den SocialMediaClassroom. Bis jetzt hat nur Heinz darüber geschrieben, ich bin gespannt wie das Feedback der Kollegen aussieht. Die Forderung nach einer Präsentation wurde ja auch schon bei den Kommentatoren von Heinz laut…

26
Feb
09

CDU mit neuen Formaten

CDU TV wagt es. Während die anderen Parteien im Superwahljahr noch hinter der Deckung stehen, hat die CDU drei neue Videoformate veröffentlich. (Fast hätte ich ja eines übersehen, bei so viel Innovation)

Praktisch zeitgleich hab ich auch die Freigabe vom verantwortlichen Redakteur bekommen, sodass meine Präsentation wieder ein Stück aktueller ist. Aktueller auch der Kanal der CDU, inzwischen sind dort nämlich Kommentare zulässig. (Das lässt sich aber ebensowenig wie das verbesserte Tagging der FDP auf meine Kritik zurückführen ;)

Die drei neuen „Formate“ passen gut ins bisherige Konzept.

Das Versprechen nach Exklusivität und dem „Blick hinter die Kulissen“ wirk aber manchmal schon zu plakativ. Die Aufmachung ist besser geworden, der neue Trailer ist zwar immer noch sehr aggressiv, aber wenn es um die einfache Vermittlung einer „Massage“ (Nur wir sind gut) geht, großes Kino.

teAM Deutschland – das ist wirklich heavy. Aber was soll ich schimpfen „Weil mitmachen besser als meckern is“

„Wir sind CDU TV“ aus Leipzig.  Sehr solide, darin sehe ich mehr Zukunft und Potential als in dem oberen „Movie“

Nahaufnahme – wie gesagt: hinter die Kulissen der Kulissen. Aber ein katastropher Wischeffekt zwischen den Statements. Sowas kann man einfach nicht machen . Geht einfach nicht.

14
Feb
09

Die OpenSource Vorlesung: Licht am Ende des Uni 1.0 Tunnels.

Über einen Umweg bin ich auf ein, wie ich meine fortschritliches, Projekt der Uni Wien gestoßen.

Während die Publizisten, wie wir gelesen haben, noch nicht einmal wissen was ein Podcast ist, sind die PHILOSOPHEN der Uni Wien schon voll dabei ihre Lehrveranstaltung mit den Tools des Web 2.0 zu begleiten; und mehr noch:

Ihre Vorlesung spielt sich, wie Ao. Univ.-Prof. Dr. Herbert Hrachovec in seiner letzten Vorlseung sagt, nicht nur im „Cyberspace“ ab.

“ die Ausschließlichkeiten, nämlich in dem Sinn traditionelle Lehre gegen telematisch vermittelte Lehre im Cyberspace, in der Virtualität ohne Körper und so, dass diese Dualität der Wirklichkeit nicht entspricht, [...] ist, wenn man so will “The best of both Worlds“.

Was machen die Wiener: sie haben ein Wiki angelegt (das bis jetzt nur partiell gefüllt ist), sie stellen die Vorlesungen per Audiodatei und Transkript zur Verfügung, haben eine Sammlung von Videos und fassen ihre Unterrichtsgegenstände zusammen. Zum Beispiel das Demokratiedilemma. Ein Grund für die Studenten, nicht mehr in die Vorlesungen zu kommen, nein:

„Es gibt eine Kommunikation, Reaktionen im Sinne der traditionellen Vorlesungsszenarios und es gibt die Möglichkeit, reinzunehmen, reinzubinden. Studierende, die aus Termingründen, aus Berufsgründen oder so hier nicht sein können zu diesem speziellen Zeitpunkt und trotzdem partizipieren können. Das eine verdrängt das andere nicht, sondern ergänzt sich eher. Das scheint mir eine sehr positive Entwicklung zu sein, in die die Technik uns gewisse Hilfestellungen gibt. „.

Wieviel mehr hinter dieser Idee steckt, wird klar wenn man Dr. Hrachovecs Vorlesungen folgt. Die „Gelehrten“ lassen es zu, das „Unwissende“ in ihrem Fachgebiet trotzdem das Recht haben, an ihrem Wissen teilzuhaben.  Sie lassen es zu, das sie selbst mit all ihrem Wissen und ihren Fehlern öffentlich sind.Großartig.

(Allerdings wird beim Abspielen der Audiodatei schon klar, dass die Philosophen recht wenig Ahnung von Mediaproduktion haben ;) Verstanden, was man mit der Technik machen kann, haben sie aber vor uns. (Es ist ja nicht so, dass das MIT nicht schon länger ein gutes Beispiel wäre).

Warum wäre das kein erster Schritt?

Vorlesungen werden mitgeschnitten, gleichzeitig lernen wir dabei den Umgang mit Mikro, Audioschnitt und all den Audioproduktionsabläufe, die ja eh Thema des ERSTEN Semesters sind.

Diese Files stellen wir als Podcast (also via RSS) zur Verfügung und legen ein Portal/Wiki an, in dem Diskussionen über die Lehrinhalte, Prüfungsvorbereitung (wahrscheinlich für die meisten das Wichtigste), weiterführende Literatur usw. angelgt werden. Das ist sowohl im Interesse derer, die sich nur mit dem Bestehen von Prüfungen befassen wollen, außerdem im Interesse derer, die darüber hinaus denken. Lediglich die Professoren dürften ein wenig ängstlich sein. Aber wer wöllte von Ihnen schon gegen Platon argumentieren?

Man könnte Ihnen auf die Finger schauen. Gibt es da was zu verbergen? Wir wollen es nicht hoffen. Jeder Lehrende also, der davon überzeugt ist, das sein Unterricht von guter Qualität ist, muss doch ein größtses Interesse daran haben, ihn in der Form aufzubereiten, wie es die Wiener Philosophen vor machen.

Für besser Klangqualität kann ich dabei garantieren.

11
Feb
09

was müssen wir eigentlich wissen?

Auf den Artikel von Nico Alm will ich noch hinweisen. Er schimpfte schon Ende Jänner völlig zurecht über fehlendes  Verständnis für das Internet an der  Publizistik Wien.

Dass ich in meinem letzten Beitrag davon schon wieder abgewichen bin, mag daran liegen das wir auf der FH (Journalismus…) zumindest einen größeren Anteil webaffiner Studenten haben, die wissen worum es sich bei Blogs, Twitter und delicious handelt .  Schöne wäre es, wenn das Ganze selbstverständlich wird. Aber mit einem Blick nach Wien schient das noch weit entfernt.

Ich könnte jetzt noch Seitenlang schimpfen, dass Storys, wie die des erfundenen Vornamens, weder für einen besseren Journalismus sorgen, noch für eine gesundes Verhältnis zum Internet. Hat aber Thomas Knüwer schon. Und auch, dass dieses Thema vielleicht ein wenig belanglos ist; (immer diese Aufregung) auch das hat Armin Wolf schon angedeutet.

Ich kann mich also wieder nur mal selbst drauf einschwören, später alles anders zu machen. Und hoffe, dass sich die Erkenntnis der FH-Studenten, dass dieses Internet ja doch „irgendwie wichtig“ und nicht „so ganz schlecht“ ist, auch an den Unis rumspricht…

10
Feb
09

UNI 2.0 – über Perspektiven On- und Offline

Auf dem Kalgenfurter Barcamp haben Luca Hammer und ich über die Online-Entwicklungen an der Uni Wien (Publizistik) und der FH JOANNEUM (Journalismus und PR). Ausgangspunkt war die ähnliche Motivation zu diesen Artikeln. (meine beiden)

Diesmal haben wir uns aber recht schnell von der Frage verabschiedet, welche technischen Kenntnisse vorausgesetzt werden können, um Studenten ein Plattform zum vernetzen Lernen zu bieten. Diesmal haben wir, auch dank den weit über die Session hinausgehenden Anregungen der anderen Barcamper, über ein wohl entscheidenderes Problem gesprochen.

Hier schreibe ich nun in zwei Kontexten gleichzeitig. Zum Einen will ich die Gedanken der Session bündeln, zum anderen versteht sich der Beitrag auch, als Apell an meine Kollegen.  – Von denen mich einige gerade beeindruckend davon überzeugen, das ich mit einigen Vorwürfen Unrecht habe.

Luca und ich nehmen an, dass die nötige Einstellung von Lehrenden und Studenten zum Internet ist wohl wichtiger, als das technische Verständnis.

Eine generelle Ablehnung des Internet dürfte weder bei Studierenden, noch bei Lehrenden der Fall sein. Die Älteren erkennen die Notwendigkeit und Relevanz des Mediums, die Jüngeren sind damit groß geworden.

Warum also reduziert sich der digitale Wissensaustausch, das vernetzte Organisieren auf einen verschwinden geringen Prozentsatz? Warum tauscht die große Masse nur Partybilder und Flirtbotschaften über StudiVZ?

Erklärender Vorwurf und vorwurfsvolle Erklärung.

Dem Großteil der Studenten, ich rechne mit über 75%, ist der Inhalt und Qualität ihrer Lehre, Wissensaustausch über ihre Themen, Vernetzung mit ähnlich Interessierten schlicht egal. Einen Abschluss bekommt man nicht durch intensive Selbstreflexion, Diskurs, einen weiten Horizont.

Einen Abschluss bekommt Ihr durch Anstand, Anwesenheit, Auswendiglernen und Antizipation. Ach ja, und durch richtig gesetzte Beistriche. Alles wichtige Skills für den Rest des Lebens, ohne Frage, aber für all das braucht ihr kein Internet und kein engagement. Den Abschluss gibt’s auch so, nach 4 Jahren ist es vorbei. Ein Schein auf dem steht, das ihr alles könnt, was euch nicht interessiert. Kann es das gewesen sein?

Darum haben sie selbstverständlich kein INTERESSE Webtools zu nutzen, die das möglich machen würden. Darum haben sie auch klein Interesse, gegen unfähiges Lehrpersonal aufzubegehren. Egal wie groß der Konsens darüber wäre. Aufbegehren gehört nämlich nicht zu den Skills die zum Abschluss führen. Leider. (Auch hier gilt: Ein warmer Sonnenstrahl, für diejenigen, die mich gerade eines Gegenteils belehren.)

Seit langem versuche ich, euch mit teils untergriffiger Provokation aus eurem bornierten Desinteresse zu holen. Sowohl Notwendigkeit als auch Methode überdenke ich regelmäßig. Viel lieber wäre mir ein motivierender Positivismus, deshalb ein paar erste Schritte von mir. Vielleicht auch ein paar von euch:

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich aus einem quälend beginnenden Interesse an einer „SACHE“ recht schnell ein leidenschaftliches Interesse entwickelt. Wenn ich erst einmal merke, was ich mit dem Wissen über ein Thema anfangen kann, dass mich dieses Spezialwissen auch ganzheitlich weiterbringt (weil ich nämlich ständig kritisiert werde,  debattieren und dazulernen muss), wenn das erst einmal eintritt, dann geht es von ganz allein.

Und wenn es ein Thema wie Twitter ist.Für jedes Thema gibt es andere Fans. „You will find your audience.“

Den Magister of Irgenwas bekommt heutzutage jeder. Zumindest wenn er nach den oben genannten Regeln spielt.  Zum Experten eines Themas werdet ihr nur durch Eigeninitiative. Die kann euch kein Internet bieten.

Das Internet macht es nur einfacher Informationen zu finden, sie zu organisieren, sie zu teilen, dadurch andere Interessiert zu finden. Wissen zu entwickeln. Experte zu werden, für ein Publikum, dass genau danach sucht.

Ich werde weiter Tool nutzen, die mich klüger machen, und hoffe, dass kollektives Lernen nicht einseitig bleibt. It’s so easy.

  • Ideen in Spreadsheets entwickeln. Mit denen die es wollen. OH YEAH.

  • Den universitären Tagesablauf über einen geteilten Googlekalender organisieren, der zwar nur von der Hälfte der Leser auch befüllt wird. Soll Evil-Google doch wissen wann ich im Unterricht sitze.

  • Und ich werd weiter über euch schimpfen, die Ihr all das nicht wollt/könnt/macht. Ich versteh es einfach nicht. Nach den Diskussionen mit euch nur umso weniger. Im Gegenteil, meine Schlimmsten Befürchtungen werden zu selbsterfüllenden Prophezeihung. Meine Angst, das ihr kein Interesse, keine Begeiserung für IRGENDETWAS habt, bestätig Ihr mit täglichem Schweigen. Das es sonst niemand stört, auch das geschätzte Kollegium nicht, führt jetzt zur traurigen Frage, ob ich einfach 320 Jahre zu spät geboren bin. Das gabs zwar kein Internet, aber darauf hätte ich dann auch gern verzichtet…

By the way. Die schönen Menschen, die man über das Internet so kennen lernen kann, gibts wieder mal bei Flickr. Unvorstellbar, was die alles wissen.

05
Feb
09

Deutsche Parteien und ihre Youtubekanäle

Eigentlich sollte man im „Superwahljahr“ auch einen Super-Internetwahlkampf erwarten dürfen.

Bis jetzt sieht es aber eher dünn aus. Haben die Wahlergebniss der SPD in Hessen schon resignieren lassen?

Hier ein kurze Übersicht der  YouTube Kanäle deutscher Bundestgasparteien. Dazu ist einschränkend zu Bemerken, dass einige Parteien mehrere Kanäle bespielen. Berücksichtigt wurden die Reichweitenstärksten.

Die Präsentation mit abspielbaren Videos unter google

Auf dem Barcamp am WE in Klagenfurt hoffe ich in einer Session über versäumte Möglichkeiten diskutieren zu können. Die Präsentation befasst sich lediglich mit dem IST-Zustand.


Die Übersicht zu den Österreichern wird folgen. Ich bin gespannt worauf wir in einem Jahr zurück blicken können. Vielleicht sind die Pressesprecher dann auch wieder gesprächsbereiter.

Grundlegendes und weiterführendes:

FAZ über Wahlkampf im Netz

Kurzstudie von netzpolitik.org

Hessens Parteien werben via YouTube (heute-video)

ZDF-Experte Christoph Bieber über Web 2.0 Nutzung der Parteien

03
Feb
09

Die Zukunft der Online-PR ist Online

Ich hab ein wenig gebraucht, um dieses schlüssige Fazit aus der Fachtagung in Darmstadt zu ziehen.

Das mag an mir liegen, oder daran, dass die Referenten haupsächlich den aktuellen Stand der Online-PR beschrieben haben. Daraus abgeleitet trotzdem der Versuch eines Fazit, maßgeschneidert für die geschätzten Kolegen meines Studienganges:

  1. für Journalisten:

    Durch die PR droht erstmal keine Gefahr. Die klassischen Medien werden in naher Zukunft nicht durch den direkten Kontakt zwischen Konzern und Kunde ersetzt. Dafür sind weder Kunden noch Konzerne internetafin genug. Klassische Pressearbeit darf nicht vernachlässigt werden, das wiederholte Thomas Pleil mehrfach. Wir freuen uns, dass die Medien ihre Relevanz behalten. (Da gab es ja schon genug Gegenstimmen)

    Wir dürfen uns damit auch weiter auf buffetierte Pressekonferenzen, blödsinnige Pressemitteilungen und bluffende Pressesprecher freuen. Und darauf, dass wir unseren Job noch eine Weile vernünftig machen können.

  1. für PRisten

    Für euch gibt es genug Jobs. Besonders an Digital Natives scheint es zu fehlen. Am weitesten war wohl Uwe Knaus von der Daimler AG, der selbst twittert und mit dem Daimler-Blog für eines von zwei bloggenden Dax-Unternehmen verantwortlich ist. Sind also noch 28 Posten zu besetzten. Dazu der Posten des Community-Managers. Den Tweets der Darmstädter Studenten zu Folge ein neuer Traumjob, der in der professionellen Betreuung von Facebook, StudiVZ oder dem Odenwaldnetzwerk besteht. Unklar ist dabei, ob sich Konzerne am besten ein eigenes kleines Netzwerk bauen, oder die bestehenden Dickschiffe mit Gruppen, Fanpages etc. infiltrieren sollen.

Stichwort Darmstädter Studenten. Eine tolle Tagung haben Sie organisiert. Da muss PRleben.com ganz schön nachlegen. Naja, sind ja noch über drei Monate.

Zur Erinnerung an die freundlicherweiße von meiner FH finanzierte Reise, hier die vielen schönen Menschen im Campus, allen voran natürlich die Damen des Organisationsteam: (alle anderen im Flickr-Stream)