Archiv der Kategorie 'Journalismus'

07
Okt
09

Wir lernen Lügen

Die vierte Woche an der ZHAW hat begonnen und, nun ja, das gleiche System macht überall die gleichen Fehler. Egal. Worum es eigentlich gehen soll ist der Deutschunterricht.

So etwas schnödes auf einem akademischen Institut, aber sehr gut gemacht. Abschnitt 1: Lügen und Wirklichkeitskonstruktion. Wir hatten die putzige Aufgabe einen manipulativen Text zu schreiben, der ein Anliegen der Food-Industry positiv darstellt. Natürlich so, dass es nicht jeder merkt.

Erschreckend wie leicht das ist. Glauben sie also niemand ein Wort, wenn sie ihm vorher nicht den Hals umgedreht haben. Ich erzähl ihnen jetzt auch das Blaue vom Himmel. Und danach, wie leicht das ist.

Brauchen wir Genfood?

Das Bewusstsein über gesunde Ernährung ist längst da. Vitamine, Ballaststoffe und Spurenelemente – jeder Grundschüler lernt inzwischen, was für seinen Körper wichtig ist und ihn gesund hält. Groß sind die Wissenslücken hingegen, wenn es darum geht, wo die Lebensmittel herkommen und produziert werden, die unser Wohl garantieren sollen. Nicht umsonst wurde der Film des Österreichers Erwin Wagenhofer „We feed the World“ zu einem Erfolg bei einer großen Gruppe ernährungsbewusster Konsumenten. Industrieller Fischfang und die Ausbeutung von afrikanischen Bauern will niemand als Grundlage seines Abendessens wissen.

Doch auch der ambitionierte Film von Wagenhofer zeigt keine Wege, wie sich die Frage der globalen Ernährung beantworten lässt. Das exponentielle Bevölkerungswachstum auf über 6 Milliarden Menschen ist ebenso wenig zu leugnen wie die Risiken, die gentechnisch veränderte Lebensmittel mit sich bringen.

Ein Blick in die Praxis:

Zahlreiche Lebensmittel werden inzwischen aus genetisch modifiziertem Saatgut gewonnen, wie zum Beispiel durch die Firma Syngenta, die damit in ganz Europa erfolgreich ist. Dabei sind genetische Modifikationen nicht mit unkontrollierten Genveränderungen zu vergleichen. Verbraucherschützer wie Greenpeace deuten an, dass die Auswirkungen genetischer Veränderungen nicht vorhersehbar sind und ungeplante Folgen für die Umwelt haben könnten. Um genau diesen Sorgen zu begegnen, wird Biotechnologie intensiv geprüft und kontrolliert. Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung bestätigt, dass aufwändige Zulassungsverfahren für hohe Sicherheit sorgen und es aus wissenschaftlicher Sicht keine Hinweise auf Risiken gibt.

Dass sich über die Lebenszyklen von Pflanzen auch deren Geschmack verändern könnte, ist ein ebenfalls häufiger Vorwurf der Genfood-Gegner. Darauf bleibt dann nur noch jenes geflügelte Wort, das schon zu Zeiten galt, wo tatsächlich noch Esel und Bäuerin über das Feld zogen, und das da heißt: „Über Geschmack lässt sich streiten“.

Kommentar:

Die Aufgabe einen Artikel über GMO, Genfood, bzw. Biotechnologie zu schreiben, ist in Anbetracht des zahlreich publizierten Materials grundsätzlich einfach. Auch ist es wesentlich einfacher, einen Artikel mit vorgegebener Meinung zu schreiben, als sich selbst eine zu bilden, denn es ist klar, welchen Argumenten mehr Gewicht verliehen werden muss. Die Schwierigkeit bestand darin, ein ausreichendes Maß an „Kontra-Fakten“ einzubringen, um die nötige Glaubwürdigkeit herzustellen. Dabei war es schwierig abzuschätzen, ab welchem Grad ein Leser misstrauisch wird und die Intention des Textes ablehnt. Wenn er also erkennt, dass ich ihm eine Wirklichkeit vorspiele, die mit seiner nicht übereinstimmt, ist der Text gescheitert.

Absatz 1 Einstieg:

Ich beginne mit neutralen Argumenten, die möglichst der Wirklichkeit des Lesers entsprechen. (Keine Extreme, gesunde Ernährung als Grundbedürfnis, Ablehnung von Kinderarbeit und industriellem Fischfang). Mit Erwin Wagenhofer wird ein erster Genfood-Gegner angeführt, was den Eindruck erweckt, dass in diesem Text auf die Argumente beider Seiten eingegangen wird.

Sprachlich stimmt der Text darauf ein, dass Nahrungsmittel „garantiert“ gesund sind.

Absatz 2 Problematik

Hier wird ein Problem formuliert, das mit der Position des Gegners nicht mehr gelöst werden kann. Dabei funktioniert Wagenhofer als Pars pro Toto implizit für alle Gegner, auch wenn deren Positionen im Text nicht erwähnt sind. Es „ist ebenso wenig zu leugnen“ (Passivkonstruktion). Trotzdem wird hier immer noch das Gegnerargument (gefährliches Genfood) beibehalten, wenn auch abgeschwächt durch die Beistellung eines „Argumentes“ für Genfood (über 6 Mrd. Menschen). Dabei werden zwei Wirklichkeiten gegeneinander gestellt (als würde sich Bevölkerungswachstum und genfreies Essen ausschließen) – eine muss also anschließend verworfen, bzw. um-interpretiert werden. An dieser Stelle wird aber nicht geleugnet, dass Genfood problematisch ist, sondern es wird dem Argument ein gewisses Gewicht zugestanden.

Absatz 3 Die Überzeugung

Ein „Blick in die Praxis“ wirkt oft überzeugend, vor allem wenn er „erfolgreich“ ist. In diesem Abschnitt wird jetzt das Informationsdilemma des Lesers genutzt. Konnte er in den ersten beiden Abschnitten noch Allgemeinsätze lesen und diesen zustimmen, muss er jetzt darauf vertrauen, dass die folgenden Informationen ebenso der Wirklichkeit entsprechen wie zum Beispiel die Bevölkerungsgröße.

Konstruierte Wirklichkeiten:

  1. Syngenta als erfolgreiches Unternehmen: Syngenta ist eine reine Genfoodfabrik, die regelmäßig ihre CI verändert, um ein besseres Image zu bekommen. Syngenta setzt neben genetisch veränderten Lebensmitteln auch hochtoxische Pestizide ein. (Atrazin, das in den USA verboten werden soll und Paraquat, das vom EUGH zuletzt nicht zugelassen wurde)

  2. Unterscheidung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln und Modifikation. Diese Unterscheidung ist rein sprachlich und wir hier explizit gemacht, um beim Leser den Eindruck zu erwecken sehr genau zu unterscheiden – schlussendlich soll er aber die Formulierungen von Unternehmen wie Syngenta („modifiziert, Biotechnologie…“) übernehmen und akzeptieren. Die Ablehnung von Genfood kann aufrecht bleiben, solange er die lediglich sprachlich davon unterschiedenen „modifizierten Lebensmittel akzeptiert“

  3. Gentechnik ist sicher. Mit Referenz auf das BMBF wird die wissenschaftliche Sicherheit von Genfood sugeriert. Das es vor allem staatliche Wissenschaftler sind, die von einer Gentechnik-bejahenden Regierung bezahlt werden, wird ebenso verschwiegen, wie die Tatsache, dass es zahlreiche davon abweichende Expertenmeinungen gibt. Zum Beispiel bei Greenpeace. Deren Argument wird aber nur unpräzise angeführt, um es als Überleitung zu dem „besseren“ Argument zu nutzen. Die Unterstellung des Gegners wird oberflächlich aufgegriffen, um ihn grundsätzlich zu widerlegen.

Abschnitt 4 Versöhnliches Ende und Verführung

Der Abschnitt startet mit einem Gegenargument, dass wieder deutlich ins Schema des Common Sense und in die Wirklichkeit des Lesers passt. Es wird dezent abgeschwächt, ohne es zu entkräften, weil es eher dazu dient, die vorher angebrachten „Hard Facts“ glaubwürdig zu machen.

Einen Ausweg aus der Diktion des Textes bildet der letzte Satz. Eine abgedroschene Phrase als Ausweg für Autor und Leser, die sich auf zwei keineswegs wertneutrale Weisen deuten lässt:

Erste Ebene: Das Gerede vom besseren Geschmack unbehandelter Lebensmittel ist reines Imagegerede von Biobauern und Besserverdienern.

Oder auf einer zweiten Ebene: Nur schlechter Geschmack ist streitbar. Guter Geschmack ist eine Frage von Lebensstil, Einstellung und Bewusstsein. Und letzteres lässt sich auch sprachlich nicht überlisten. Den „Über Geschmack lässt sich streiten“ ist schlicht falsch, die Redewendung heißt „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“. Das gilt nach sprachlicher Herkunft: „De gustibus non est disputandum“ und auch die Wissenschaft meint, dass der Geschmack eine Frage der, man staune, Gene ist.


16
Jun
09

Ode an den Alten Mann – lasst ein paar am Leben

Zumindest im Allgemein muss ich bekennen, das Alte Männer gar nicht so schlimm sind, wie ich vor fünf Jahren noch gedacht habe. Im Speziellen muss ich natürlich gratulieren ;)

Aber heute hab ich die Single von den Toten Hosen in die Hände bekommen, ich dachte ja, die sind schon so richtig tot, aber schau an, nicht großartig, aber irgendwie toll.  Dass die Frau Minichmayr mit dabei ist (im übrigen die neue Buhlschaft) ist dann natürlich noch feiner.

Und auch der Herr Brandauer (Lehrer der erstgenannten), angeblich schon jenseits seiner besten Tagen, ist doch noch so viel besser als dieser moderne Theatermist (nackte Schauspieler, schreiende Schauspieler, Publikum wird angefasst, angeschrien und einbezogen und vor allem eines – gelangweilt). Dieses von mir vor vielen Jahren verfasst Vorurteil wurde bei King Lear am Grazer Schauspielhaus mal wieder bestätig. Udo Samel als Lear konnte es leider nicht retten, aber zumindest dafür Sorgen das niemand laut geschimpft hat. Aber er ist ja auch schon ein Alter.

Gute Freunde sind es inzwischen auch immer häufiger, aber wenn ich die jetzt hier mit dem Begriff „alt“ verlinke hab ich bald keine mehr.

Das die Alten dann aber immer der Meinung sind, die ÖVP zu wählen, das verstehe wer will. Dort steht ja auch ein Alter an der (EU-)Spitze, der weder Oden verdient hat, noch überhaupt Zustimmung (und eigentlich auch keine Stimmen).

Wenn Sie sich jetzt fragen, also wenn Sie sich überhaupt noch fragen, was das schon wieder für eine zusammenhangslose, egozentrische Meinungsblase ist, dann verstehen sie es solidarische Ergänzung auf die neusten Wertestudien in Deutschland und Österreich. Wenn Sie sich nichts mehr fragen, kann ja sein, das Sie zu alt sind, dann ist die Welt auch in Ordnung. Zumindest Ihre.

Wie alt ist eigentlich der Mensch der den „Sind sie ein Kriesenkind“-Test entwickelt hat? aber darüber reg ich mich dann am Donnerstag im kaffeeSATZ auf.

14
Feb
09

Die OpenSource Vorlesung: Licht am Ende des Uni 1.0 Tunnels.

Über einen Umweg bin ich auf ein, wie ich meine fortschritliches, Projekt der Uni Wien gestoßen.

Während die Publizisten, wie wir gelesen haben, noch nicht einmal wissen was ein Podcast ist, sind die PHILOSOPHEN der Uni Wien schon voll dabei ihre Lehrveranstaltung mit den Tools des Web 2.0 zu begleiten; und mehr noch:

Ihre Vorlesung spielt sich, wie Ao. Univ.-Prof. Dr. Herbert Hrachovec in seiner letzten Vorlseung sagt, nicht nur im „Cyberspace“ ab.

“ die Ausschließlichkeiten, nämlich in dem Sinn traditionelle Lehre gegen telematisch vermittelte Lehre im Cyberspace, in der Virtualität ohne Körper und so, dass diese Dualität der Wirklichkeit nicht entspricht, [...] ist, wenn man so will “The best of both Worlds“.

Was machen die Wiener: sie haben ein Wiki angelegt (das bis jetzt nur partiell gefüllt ist), sie stellen die Vorlesungen per Audiodatei und Transkript zur Verfügung, haben eine Sammlung von Videos und fassen ihre Unterrichtsgegenstände zusammen. Zum Beispiel das Demokratiedilemma. Ein Grund für die Studenten, nicht mehr in die Vorlesungen zu kommen, nein:

„Es gibt eine Kommunikation, Reaktionen im Sinne der traditionellen Vorlesungsszenarios und es gibt die Möglichkeit, reinzunehmen, reinzubinden. Studierende, die aus Termingründen, aus Berufsgründen oder so hier nicht sein können zu diesem speziellen Zeitpunkt und trotzdem partizipieren können. Das eine verdrängt das andere nicht, sondern ergänzt sich eher. Das scheint mir eine sehr positive Entwicklung zu sein, in die die Technik uns gewisse Hilfestellungen gibt. „.

Wieviel mehr hinter dieser Idee steckt, wird klar wenn man Dr. Hrachovecs Vorlesungen folgt. Die „Gelehrten“ lassen es zu, das „Unwissende“ in ihrem Fachgebiet trotzdem das Recht haben, an ihrem Wissen teilzuhaben.  Sie lassen es zu, das sie selbst mit all ihrem Wissen und ihren Fehlern öffentlich sind.Großartig.

(Allerdings wird beim Abspielen der Audiodatei schon klar, dass die Philosophen recht wenig Ahnung von Mediaproduktion haben ;) Verstanden, was man mit der Technik machen kann, haben sie aber vor uns. (Es ist ja nicht so, dass das MIT nicht schon länger ein gutes Beispiel wäre).

Warum wäre das kein erster Schritt?

Vorlesungen werden mitgeschnitten, gleichzeitig lernen wir dabei den Umgang mit Mikro, Audioschnitt und all den Audioproduktionsabläufe, die ja eh Thema des ERSTEN Semesters sind.

Diese Files stellen wir als Podcast (also via RSS) zur Verfügung und legen ein Portal/Wiki an, in dem Diskussionen über die Lehrinhalte, Prüfungsvorbereitung (wahrscheinlich für die meisten das Wichtigste), weiterführende Literatur usw. angelgt werden. Das ist sowohl im Interesse derer, die sich nur mit dem Bestehen von Prüfungen befassen wollen, außerdem im Interesse derer, die darüber hinaus denken. Lediglich die Professoren dürften ein wenig ängstlich sein. Aber wer wöllte von Ihnen schon gegen Platon argumentieren?

Man könnte Ihnen auf die Finger schauen. Gibt es da was zu verbergen? Wir wollen es nicht hoffen. Jeder Lehrende also, der davon überzeugt ist, das sein Unterricht von guter Qualität ist, muss doch ein größtses Interesse daran haben, ihn in der Form aufzubereiten, wie es die Wiener Philosophen vor machen.

Für besser Klangqualität kann ich dabei garantieren.

12
Feb
09

Frost/Nixon – Kann ein Journalist davon lernen +geklaute Musik?

Das wird jetzt keine Filmkritik zu Frost/Nixon, davon gibt es genug. Aber in Anbetracht des ausstehenden Interviews mit Robert Misik komme ich um die Frage nicht herum, was aus diesem Film zum journalistischen Handwerk taugt, und in welche „dramaturgische Falle“ ich nicht treten sollte.

Zur Notitz: David Frost interviewt Richard Nixon über mehrere Tage und Stunden, zu seinem kompletten Leben, bevor er zum wohl heikelsten Thema kommt: Der Watergate-Affäre. Nachdem Nixon die am Anfang klar überlegen war gelingt es, dem etwas „dramaturgisch“ geläuterten, David Frost Nixons berühmtes Geständnis zu „entlocken“.

Von der Macht der Großaufnahme brauch ich hier auch nicht zu schreiben. Die Power die von der nächstmöglichen Nahaufnahme eines Menschen ausgeht ist unbeschreiblich und wohl eine der schärfsten waffen des Fernsehn.

Die Interview-Methode des „Auslaufens“ ist ganz wunderbar. Den Gegenüber am Anfang alles erzählen lassen was er will, seine Botschaften soll er platzieren, ihn einfach alles erzählen lassen, was ich dank guter Vorbereitung eh schon weiß.

Erst wenn ihm dort die Puste ausgeht, oder er einen eklatanten Widerspruch anführt, dann ist es Zeit nachzufragen. Die schwierigen Fragen aus Tapet zu bringen. Die Auseinandersezung beginnt, wenn man die Angst vor dem Gegenüber verloren hat.

Die Überheblichkeit, mit der Nixon Frost begegnet ist natürlich exemplarisch, genau so wie die Situation 12×2 Stunden Zeit für ein Interview zu haben. Ebenso wie die „Nacht- und Nebelrecherche“ durch die aus dem Entertainer der Journalist wird. Genau so exemplarisch natürlich die Charaktere. Aber warum nicht die Freundlichkeit und das Dauergrinsen eines David Frost aufsetzen um seinen Interviewpartner aus dem Trott der ständigen Interviews zu holen.

Denn das ist ja immer das oberste Ziel: Ein einzigartiges Interview mit jemandem, der schon hunderte solcher Interviews geführt hat. Und nicht jeder gibt soviel her wie ein Richard Nixon. Am Montag werd ich von Frost wohl nichts mehr im Kopf haben und statt des freundlichen Grinsen wieder meinen gewohnt skeptisch/zweifelnden Blick im Gesicht haben, aber manchmal bringt so ein kleiner historischer Lehrfilm doch mehr als ein ganzes Semester zu Intervietechnik. Was aber sicher nicht heist, das ich meinen Unterricht mit dem Anschauen von Filmen verbringen will.

Eine Notiz für alle Freunde der Musik:

Hier der Trailer mit der Musik von Hans Zimmer – die kam mir aber beim zweiten Anschauen sehr bekannt vor

Die Melodie ab Minute 1:35 ist doch eindeutig von Clint Mansell. Hier, in diesem wohl fantastischsten Musikvideo von ihm wird das klar:

Auf offiziellen Seiten hab ich dazu nichts gefunden. Nur bei einigen Kommentatoren.

Nichts großartig Neues hat Hans Zimmer (ich hoffe doch, der Rest ist von ihm) mit seiner Filmmusik erschaffen. Absolut hörenswert ist aber aber auch diesmal.

11
Feb
09

was müssen wir eigentlich wissen?

Auf den Artikel von Nico Alm will ich noch hinweisen. Er schimpfte schon Ende Jänner völlig zurecht über fehlendes  Verständnis für das Internet an der  Publizistik Wien.

Dass ich in meinem letzten Beitrag davon schon wieder abgewichen bin, mag daran liegen das wir auf der FH (Journalismus…) zumindest einen größeren Anteil webaffiner Studenten haben, die wissen worum es sich bei Blogs, Twitter und delicious handelt .  Schöne wäre es, wenn das Ganze selbstverständlich wird. Aber mit einem Blick nach Wien schient das noch weit entfernt.

Ich könnte jetzt noch Seitenlang schimpfen, dass Storys, wie die des erfundenen Vornamens, weder für einen besseren Journalismus sorgen, noch für eine gesundes Verhältnis zum Internet. Hat aber Thomas Knüwer schon. Und auch, dass dieses Thema vielleicht ein wenig belanglos ist; (immer diese Aufregung) auch das hat Armin Wolf schon angedeutet.

Ich kann mich also wieder nur mal selbst drauf einschwören, später alles anders zu machen. Und hoffe, dass sich die Erkenntnis der FH-Studenten, dass dieses Internet ja doch „irgendwie wichtig“ und nicht „so ganz schlecht“ ist, auch an den Unis rumspricht…

17
Jan
09

R.I.P. Worte der Woche die leider nicht gesagt wurden

und die Psychologie der großen Seite

Das Zeit Magazin hat seine amüsante Rubrik „Worte der Woche, die leider nicht gesagt wurden“ ermordet. Schade drum.

Dafür gibt es jetzt, inclusive einer recht umfangreichen umbesetzung der Redaktion, „Gesellschaftskritik„. Feine Sache, aber der Einstand von Florian Illies zu Rachida Datis Weiblichkeit und deren Folgen ist etwas zu viel der Selbstbeweihräucherung. Hoffe, dass der Autor mit dieser Ausgabe sein umfangreiches Wissen unter Beweis gestellt hat ud ab der nächsten Folge etwas konzentrierter ans Thema geht. Sonst biette wieder die nicht gesagten Wörter:

„Als flamboyant lass ich mich gern bezeichnen, vielleicht hätte ich auch meine Tochter so nennen sollen?“

Rachida Dati über die neue Zeit-Gesellschaftskritik.

Themenwechsel – tabula rasa

Beim Lesen der ZEIT kam mir ein Gedanke: Die großen Seiten sind vor allem so wunderbar, weil sie den unbedingten  Eindruck erwecken, dass auf ihnen etwas steht, was  Sie und ich noch nicht wissen. Eine „Kleine Zeitung“ tut sich MIT dieser suggestiven Wirkung wahrscheinlich schwer.

Am Ende stimmt es wohl gar nicht, und wir wissen eh schon alles, aber das Lesen bringt es in eine Reihenfolge, verknüpft und ordnet es. GUT

Viel mir nur auf, heute morgen.

Bitte um Stellungname der mitlesenden Kognitionswissenschaftler…

12
Dez
08

It’s fucking short

Seit etwa drei Monaten beschäftige ich mich studienbedingt recht intensiv mit Fernsehen, TV und so. Oder eben dem, was daraus geworden ist; sagen wir „Bewegtbildproduktion“.

Nach den technischen Know-How am Anfang ging es die letzten Wochen intensiv ans Produzieren und dabei wurden zwei Dinge klar:

Es geht schnell. Und schnell vorbei.

Die Flüchtigkeit dieses Mediums besteht nicht nur in der Rezeption, sondern auch in der Produktion. Statt eines tiefgründigen Interviews über eine Stunde werden Statements eingeholt. 5 Minuten Interview. 15 Sekunden OT. Am längsten ist meist die Anfahrt. Ob in solchen kurzen wirklich Journalismus betrieben werden kann, nun ja.

Ich halte es mehr für eine technische Dienstleistung. Wir stellen dar und ergründen kaum noch (Inder Produktion-und nur das wird wahrgenommen). All die Informationen und Hintergründe, die wir in der Recherche, in Vor- und Nachgesprächen sammeln, kommen nie beim Zuschauer an.

Alles was wir tun können, ist Interesse für Themen wecken. In eins-dreißig pro Beitrag.  Die Auswirkungen davon hat Neil Postman (der mir gerade viel Spaß macht) beschrieben. Die Auswirkungen auf die Journalisten erlebe ich jetzt selbst. Und die sind nciht unangenehm. Ein kurzes Statement von Bürgermeister und Vize bekommt man einfach, ohne Voranmeldung, die Profis sind gebrieft in kurzen Sätzen (nicht IMMER ohne Inhalt) zu antworten. Brav

zweite Erkenntnis:

Live ist alles anders:

Wir experimentieren im Moment auch mit dem Live-Streamtool Make TV. Ich sehe in diesem Idioteneinfachen Zugang zur Fernsehproduktion eine Menge potential. Noch ist die Bildqualität wohl nicht gut genug, um die Konditionierung aufs Fernsehn zu überwinden, aber die Möglichkeit zur „Multiregie“ (Also eine Gruppe von Leuten produziert gemeinsam einen Film, live und im Web, kann solche Veranstaltungen wie Runde Tische sicher ablösen.

Diese sterbenslangweilige Sitzung wichtiger Menschen ist einfach nicht kurz genug fürs Fernsehen. Make-TV beitet aber die Möglichkeit zum Chat unter Zuschauern UND Produzenten, also einen schnellen Wechsel von Teilnahme zu Rezeptionen, von der Wahrnehmung zur Überprüfung. WEbseiten sind einen Klick entfernt und in selben Brwoser möglich. Und mit einem Klick kann jeder seine Ergebnisse, Meinungen und über eine Webcam theoretisch auch sich selbst einbringen und damit am Fernsehen teilnehmen.

Denn Fernsehen heist nicht, vor einem Fernseher zu sitzen, sondern in die Ferne zu sehen. In Zukunft heist es wohl auch, in die Ferne zu senden.

P.S.: Die nächste (Test-)Gelegenheit dazu ist schon Montag 15.12.08. Harald Fidler an der FH wird wieder gestreamt, Kinderschuhe wachsen schließlich beim laufen lernen.

P.P.S. Das wichtigste ist immer dein Team. Es muss schnell sein und gut. So wie ihr beide. ;)

08
Nov
08

SCHEIß INTERNET

Und wie schnell man damit recht haben kann.

Meine Kollegen diskutieren gerade auf mehreren Plattformen eine Aussage des ORF-Programmdirektors Wolfgang Lorenz:

„Es ist mir scheißegal ob sie zuschauen. Und sinngemäß: Anstatt die publizistische Macht des Fernsehn zu nutzen, verkrümmelt sich die Jugend in dieses Scheiß-Internet.“

Und in jugendlichem Gehorsam macht „die Jugend“ das auch noch wirklich.

Sebastian Bauer macht den Anfang, indem er die Äußerungen von Lorenz aufgreift und diese ohne jedes Gegenargument bloggt. Das ist noch nachvollziehbar, denn Lorenz war beleidigend und dagegen darf sich jeder, jederzeit wehren. Auch in einem Blog.

Unverschämt finde ich, was Kollege Michael Neumayr daraus macht. Hält er sich im Blogeintrag noch zurück, fordert er auf Twitter schon direkt zu einer Anti-Lorenz-Kampagne auf. Mike möge mich nicht falsch verstehen. Ich meine nicht, dass die Äußerungen verschwiegen werden sollten.

Aber jemand der die Veranstaltung nicht erlebt hat, sollte nicht ohne jeden Gegenchek zu Kampagnen auffordern. Und als werdender Journalist erst recht nicht, ohne Gegenargumente zu berücksichtigen.

Für Journalisten finde ich es schon Fragwürdig, wenn sie auf der Veranstaltung nicht mal den Mund aufmachen. (@basti)

Das auch Heinz Wittenbrink kaum über die plakativen Aussagen hinaus geht, wundert mich.

Der Schneeengel bringt zumindest eine ausführlichere Darstellung.

Denn:

Nur weil jemand das Internet nicht versteht, heißt das nicht, dass er keine Ahnung von Fernsehen hat.

Lorenz meinte: der ORF macht ein Angebot – wir entscheiden ob wir es annehmen.

Das Internet ist „UNSER“ Angebot an den ORF (und an alles „ALTE“).

Wir sind hier. Und wer unser Geld und unsere Aufmerksamkeit haben will, hat sich gefälligst nach uns zu richten.

Wer darauf verzichtet hat das Recht dazu. Wir können ihm, ohne jede Empörung, scheißegal sein. Denn, mal ehrlich, dem Großteil von uns, ist Wolfgang Lorenz doch auch egal.

Warum auch ich nicht über die Inhalte der Veranstaltung schreibe: Es ist nicht mehr nötig ONLINE über die Relevanz von ONLINE zu schreiben. Im Dialog mit den Alten scheint es genau so nötig, wie deren Gespräche mit uns: über Krieg, Politik und Wirtschaft. Aber Generation sind anscheinend dazu da, dass sie aneinander vorbei reden…

I don’t know. Ich will nur nicht mitmachen…

06
Nov
08

THE PILOT

(eng. =Lotse, auch. =Probesendung)

Barack Obama hat gezeigt, wie man Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Claus Kleber hat gezeigt, wie man echtes Web-TV moderiert. Bis halb 7 war ich dank der „Nacht im Netz“ nie einschlafgefährdet.

DIE NACHT IM NETZ

Parallel zum ZDF-Programm (das auch gestreamt wurde) gab es ab 1.00am eine reine Web-Sendung mit Claus Kleber und Nadine Bilke. Der Anchormann von ZDF-Heute wagte sich auf unbekanntes Terrain und hat damit gezeigt wie echtes Webfernsehn funktionieren kann. Vom „Chaos zur Kultur“ wie das ZDF meint.

Das Neue: kein smarter Anchorman, der die Welt erklärt, sondern ein „Lotse“, der sich bei seiner eigenen Orientierungssuche beobachten lässt.

Claus Kleber hat durch ein Sammelsurium an Quellen geführt. Jeder Zuschauer konnte selbst entscheiden wohin er folgt. Schon zu Beginn erklärte Kleber: „Sie können rauß und wieder rein gehen“. Für einen echten TV-Moderator undenkbar.

Und so hat es funktioniert.

Claus Kleber war bescheidener Mittelpunk der Sendung, an seiner Seite Nadine Bilke (heute.de – im Chat viel zu wenig gewürdigt), Internetscouts, Blogger, TV-Scouts und ZUSCHAUER.

Die waren aber nicht wie im Hauptprogramm an den Fernseher gebunden, sondern konnten TEILNEHMEN.

CHAT(zum nachlesen)

Über den Chat konnten Fragen gestellt werden und die wurden, ohne dabei plakativ zu sein, beantwortet und diskutiert. Problematisch war da nur die Masse und die teilweise überforderten Chatter. Erstaunlich war, das User technische Probleme der Crew lösten (Skype Anrufe abwehren).

TWITTER

tauchte ständig in der Sendung auf, ohne das die Crew selbst getwitter hätte. Aber sie haben immer wieder das Stimmungsbild übertragen – und die Möglichtkeit selbst zu twitter zu wechseln hatte ja jeder der im Netz war. Überraschend, das Kleber ohne Twitter wirklich zu kennen, sofort die Bedeutung verstanden hat. Sinngemäß meinte er, dass durch die Twittermeldungen über Unstimmigkeiten bei der Wahl mehr Transparenz geschaffen wird, als bei jedem internationalen Wahlbeobachter.

Delicious

Erst gab es über eine Firefoxapplikation (WELCHE???) die Möglichkeit, die Webseiten der Redaktion via RSS zu verfolgen. GROßARTIG. Dann war die Seite überlastet und auf Delicious wurde ein Konto eingerichtet auf dem alle Surftips der User gesammelt wurden. Selbst das taggen hat (zumindest am Anfang) gut funktioniert. Hier haben die Zuschauer aber gezeigt, dass sie doch bei bekannten Methoden wie Mail und Chat bleiben. Das Netzwerk von NIN08 beschränkt sich auf 4 (inc. mir ;)

SKYPE

Sorgte für den meisten „Spaß“. Ein Live-Interview via skype war das Ziel, wurde aber von ständigen Kontakanfragen völlig verdrängt. Ein Kameramann war so nett die Skype-ID einzublenden und sorgte damit für den Schaden. Die Idee nett, aber sowohl die Qualität der Zuschauer, als auch die der Internetverbindung und des Tons, machen es (noch) unmöglich das toll zu finden.

TV

Hier sehe ich die Wegweißende Bedeutung der Sendung. Die NIN hat sich NICHT auf das Web beschränkt. Es war kein Fernsehn im Web, es war „moderiertes Internet“

Kleber hat (teilweise etwas unbeholfen ;) – aber sympathisch – auf dem medialen Klavier gespielt. Von den Kommentaren in Blogs wechselte er zur klassischen Berichterstattung, Live-Schalte zum TV 8ZDF na klar), ein paar Gespräche mit Gästen in der Uni, ein Blick auf die großen Webseiten (CNN, Fox) der Amerikaner. Er selbst hat sich aus vielen Quellen informiert und hat seine Zuschauer eingeladen das gleiche zu tun und ihn auf neue Dinge hinzuweisen.

Auch wenn er zwischendurch meinte, dass er sich bei „normalen“ Sendungen nicht gern in die Karten schauen lässt; er hat genau das zugelassen, was das Internet ausmacht: Pluralität. Er hat zugelassen, dass ich nebenbei auf anderen Seiten bin, nebenbei TV schaue. Die NIN hat nicht versucht mein Interesse zu decken, sondern gezeigt wo ich es könnte. Damit war es die Einzige Webseite/TV-Kanal, der mich bis zum Schluss ohne Unterbrechung gebunden hat.

PATZER

Die meisten Chatter fanden die kleinen Fehler (Skype, „sind wir drauf?“, welche Kamera?) lustig. Mich hat der meist schreckliche Ton etwas zu sehr gestört, aber was solls. Das öffentlich-rechtliche sich einmal in die Karten schauen lassen ist großartig, macht sie sympathisch und zeigt einen erstaunlichen Vorsprung vor den Privaten.

Ein Format also, das sicher eine kleine (aber hoffentlich wachsende) Zielgruppe hat.Natürlich im WEB, im TV darfs gern weiter kluge Expertenintervies geben, es gibt auch Leute die darauf Lust haben.

Zukunft hat es auf jeden Fall – wenn die Zuschauer mitkommen.

Hier noch der Link zu leider völlig zurechtgeschnittenen Sendung. Das Live-Ereignis bleibt unvergessen. Obama und das ZDF werden zeigen was aus den geweckten erwartungen wird.

Die anderen meinen:

„lächerlich

„so sollte das im TV aussehen“

weiter Ideen für Fernsehnächte und Verbesserungsvorschläge 8gut uns ausführlicher als meine

„Bitte wieder machen“

20
Jun
08

Fresse halten lässt sich nicht mit der Schweigespirale entschuldigen

UPDATE 01.06.09

NICHTS IST BESSER GEWORDEN. IM GEGENTEIL. ALL JENEN, DIE GANZ ÜBERASCHT ÜBER DIE „ESKALATION“ SIND, SEI DIESER TEXT UND DIE FOLGENDEN KOMMENTARE VORGEHALTEN. ES WAR ABSEHBAR.

UPDATE 30.09.08

ÜBER DIESEN BEITRAG UND EINIGE KOMMENTARE GIBT ES EINE INTENSIVE DISKUSSION. ICH MÖCHTE NOCH EINMAL DARAUF HINWEISEN, DASS MIT DIESEM BEITRAG NIEMAND PERSÖNLICH BELEIDIGT ODER BLOßGESTELLT WERDEN SOLL. ICH HALTE SOWOHL INHALT UND SPRACHE DER IN KOMMENTAR 14 GEÄUßERTEN MEINUNG FÜR VERKEHRT UND HABE DARAUS DIE KONSEQUENZ GEZOGEN, KOMMENTARE NICHT MEHR AUTOMATISCH FREISCHALTEN ZU LASSEN. DA IM MOMENT DARÜBER NACHGEDACHT WIRD, OB ICH DEN BEITRAG LÖSCHEN MUSS, FÄLLT ES MIR SCHWER ES SELBST ZU TUN. AUßDERDEM IST ER INZWISCHEN ZU EINEM GUTEN BEISPIEL FÜR DIE SCHWIERIGKEITEN DER WEBKOMMUNIKATION GEWORDEN.

weiterlesen ‘Fresse halten lässt sich nicht mit der Schweigespirale entschuldigen’




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