Archiv der Kategorie 'mediale Leichen'

29
Nov
09

Die Grenze der Toleranz

Und die Voraussetzungen der Kritik

Nachdem die multiphobe Plattform kreuz.net eine CC-Photo von mir in einem der üblich homophoben Artikel verwendet hat, musst ich mich ein wenig damit befassen, wie ich es finde, dass mein Name direkt unter einem unsachlichen und unsäglichen Artikel steht, mit dem ich nichts am Hut habe und haben will. Nur habe ich das Photo auf Flickr (grundsätzlich und CC-Lizenz) zur Verfügung gestellt.

Handelt es sich hier schon um Dekontextualisierung? Wird das neutrale Photo unredlich in einen negtiven Zusammenhang gesetzt? Ja, das wird es. Noch dazu wird den Regeln der CreativeCommons nicht entsprochen, denn das Bild hat eine Lizenz, die eine „Weitergabe unter gleichen Lizenzbedingungen“ verlangt, was kreuz.net mit seinem Copyright aber nicht tut.

Uns interessiert nur der Außenminister

Aber ist es der Grundgedanke der CreativeCommons wert, solchen Einzelfällen geopfert zu werden? Wohl nicht. Stefan hat schon recht, wenn er meint: „CreativeCommons sagen nichts über den Kontext der Verwendung aus“. Aber was ist, wenn Interviewausschnitte dann aus dem Kontext gerissen werden? Wo bleibt der zugesicherte Schutz des Interviewpartners vor Dekontextualisierung? Müssen die „Urheber“ dieses Problem mit Hoffnung auf die Mündigkeit der Leser aushalten?

Nun geht es aber nicht nur um die Frage der CC, sondern für einen Journalisten gerade auch um die Verwendung seiner Arbeit. Ist journalistische Kritik an einem Außenminister noch möglich, wenn diese sofort als Kritik an seiner Homosexualität diskreditiert wird? Sollte sie nicht, sowohl von Kritikern als auch von Gleichstellungskämpfern, als das Unwichtigste an Amt und Person behandelt werden?

Kritiker haben ein Recht darauf den Außenminister jenseits seiner sexuellen Ausrichtung zu kritisieren und seine Befürworter müssen ein Interesse daran haben, dass er nicht von dem Hintergrund seiner Sexualität beurteilt wird. Erst das bedeutet ja die von Ihnen angestrebte Gleichstellung.

Die Kritik am Außenminister darf nich als Schwulenfeindlichkeit ausgelegt werden, weil sie damit erstens unmöglich gemacht wird und zweitens, die Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen und deren angeblicher Bevorzugung an Berechtigung gewinnt.

Beides kann nicht im Interesse einer kritischen und toleranten Gesellschaft sein. Der Glaube an eben diese mag leiden, aber er bleibt.

21
Nov
09

Überall Leichen

Es war ein bißchen zu viel der morbiden Themen in den letzten Tagen. Der wöchentliche Kaffeesatz zwang mich gleich doppelt über das Sterben nachzudenken, die ZEIT von letzter Woche hält mir fünfzig vorbildhafte Tote entgegen, der Kollege Klepej übertreibt seine Aufgeregheit mal wieder und erklärt die Europäische Union für gescheitert (=Tod) und im gerade gelesenen Kapitel von Vilém Flusser hieß es:

Die Bilder werden dann immer das gleiche zeigen und die Menschen immer das gleiche gezeigt bekommen wollen. Der Mantel der ewigen und unendlichen Langeweile wird sich über die Gesellschaft breiten. Sie wird in Entropie verfallen, und diesen heranrückenden Verfall können wir bereits konstatieren. Er äußerst sich in der Selbstlüsternheit der Empfänger: Es müssen immer neue Bilder her, weil alle Bilder längst dazu neigen, langweilig zu werden. Der Verkehr zwischen Bild und Mensch weist der Entropie zu, dem Tod entgegen.

Und das schlimmste: Ich kann noch nicht einmal voller Überzeugung dagegen schimpfen, dass es angeblich überall nur noch schlimmer wird und wir (bzw. Die ZEIT)  unsere Vorbilder nur noch unter den Verstorbenen finden. Ist das die Herbstdepression? Lichtmangel führt ja zu vermehrten Melatoninausstoß und zu weniger Serotonin.

Saisonale Morbidität.

Das wäre noch zu ertragen, dann könnten wir einfach bis zum Frühling die Musik lauter drehen. Aber was wenn das alles nichts mit der Jahreszeit zu tun hat? Nehmen die Menschen deshalb so viele Drogen?

Ich wüsste wirklich gern einen fundierten Ausweg, aber Ernsthaftigkeit ist kein guter Ratgeber. Und Henry Miller auch nur Verdrängung. Bleibt, doch nur auf die von der ZEIT vorgeschlagenen „Vorbilder“ zu hören: Rosa Luxemburg:

Mensch sein ist vor allem die Hauptsache. Und das heißt: fest und klar und heiter sein, ja, heiter trotz alledem und alledem, denn das Heulen ist das Geschäft der Schwäche. Mensch sien heißt, sein ganzes Leben auf des Schicksals großer Waage freudig hinzuwerfen, wenn’s sein muß, sich zugleich aber an jedem hellen Tag und jeder schönen Wolke zu freuen …

Schade nur, das diese Heiterkeit laut Alice Bota „tief aus einer zerissenen, verletzten Seele“ kam. Dass bringt also auch nicht weiter.Und deshalb lieber warten ohne zu erwarten. Erwartungen sind potentielle Enttäuschungen. Warten ist die Bereitschaft zum Glück. Ja, etwas das sein kann:

Eine bessere Welt, von der wir nicht wissen wie sie aussieht, aber für die wir alles tun. Vorbild sein, auch wenn niemand da ist, der sich eines an uns nimmt. Die Bilder ignorieren und verschwinden lassen – die Augen schließen um wieder sehen zu lernen. Über das Leben nachdenken, und nicht über den Tod.

Ein Illussion die uns fürs erste glücklicher macht, als alles was uns erwartet. Es bleibt ohne Zutun einfach alles liegen. Eine Enttäuschung, die nicht unsere ist, bleibt zurück. Und wir transportieren uns ohne Verlust, ohne zu wissen wo wir wie ankommen.

07
Okt
09

Wir lernen Lügen

Die vierte Woche an der ZHAW hat begonnen und, nun ja, das gleiche System macht überall die gleichen Fehler. Egal. Worum es eigentlich gehen soll ist der Deutschunterricht.

So etwas schnödes auf einem akademischen Institut, aber sehr gut gemacht. Abschnitt 1: Lügen und Wirklichkeitskonstruktion. Wir hatten die putzige Aufgabe einen manipulativen Text zu schreiben, der ein Anliegen der Food-Industry positiv darstellt. Natürlich so, dass es nicht jeder merkt.

Erschreckend wie leicht das ist. Glauben sie also niemand ein Wort, wenn sie ihm vorher nicht den Hals umgedreht haben. Ich erzähl ihnen jetzt auch das Blaue vom Himmel. Und danach, wie leicht das ist.

Brauchen wir Genfood?

Das Bewusstsein über gesunde Ernährung ist längst da. Vitamine, Ballaststoffe und Spurenelemente – jeder Grundschüler lernt inzwischen, was für seinen Körper wichtig ist und ihn gesund hält. Groß sind die Wissenslücken hingegen, wenn es darum geht, wo die Lebensmittel herkommen und produziert werden, die unser Wohl garantieren sollen. Nicht umsonst wurde der Film des Österreichers Erwin Wagenhofer „We feed the World“ zu einem Erfolg bei einer großen Gruppe ernährungsbewusster Konsumenten. Industrieller Fischfang und die Ausbeutung von afrikanischen Bauern will niemand als Grundlage seines Abendessens wissen.

Doch auch der ambitionierte Film von Wagenhofer zeigt keine Wege, wie sich die Frage der globalen Ernährung beantworten lässt. Das exponentielle Bevölkerungswachstum auf über 6 Milliarden Menschen ist ebenso wenig zu leugnen wie die Risiken, die gentechnisch veränderte Lebensmittel mit sich bringen.

Ein Blick in die Praxis:

Zahlreiche Lebensmittel werden inzwischen aus genetisch modifiziertem Saatgut gewonnen, wie zum Beispiel durch die Firma Syngenta, die damit in ganz Europa erfolgreich ist. Dabei sind genetische Modifikationen nicht mit unkontrollierten Genveränderungen zu vergleichen. Verbraucherschützer wie Greenpeace deuten an, dass die Auswirkungen genetischer Veränderungen nicht vorhersehbar sind und ungeplante Folgen für die Umwelt haben könnten. Um genau diesen Sorgen zu begegnen, wird Biotechnologie intensiv geprüft und kontrolliert. Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung bestätigt, dass aufwändige Zulassungsverfahren für hohe Sicherheit sorgen und es aus wissenschaftlicher Sicht keine Hinweise auf Risiken gibt.

Dass sich über die Lebenszyklen von Pflanzen auch deren Geschmack verändern könnte, ist ein ebenfalls häufiger Vorwurf der Genfood-Gegner. Darauf bleibt dann nur noch jenes geflügelte Wort, das schon zu Zeiten galt, wo tatsächlich noch Esel und Bäuerin über das Feld zogen, und das da heißt: „Über Geschmack lässt sich streiten“.

Kommentar:

Die Aufgabe einen Artikel über GMO, Genfood, bzw. Biotechnologie zu schreiben, ist in Anbetracht des zahlreich publizierten Materials grundsätzlich einfach. Auch ist es wesentlich einfacher, einen Artikel mit vorgegebener Meinung zu schreiben, als sich selbst eine zu bilden, denn es ist klar, welchen Argumenten mehr Gewicht verliehen werden muss. Die Schwierigkeit bestand darin, ein ausreichendes Maß an „Kontra-Fakten“ einzubringen, um die nötige Glaubwürdigkeit herzustellen. Dabei war es schwierig abzuschätzen, ab welchem Grad ein Leser misstrauisch wird und die Intention des Textes ablehnt. Wenn er also erkennt, dass ich ihm eine Wirklichkeit vorspiele, die mit seiner nicht übereinstimmt, ist der Text gescheitert.

Absatz 1 Einstieg:

Ich beginne mit neutralen Argumenten, die möglichst der Wirklichkeit des Lesers entsprechen. (Keine Extreme, gesunde Ernährung als Grundbedürfnis, Ablehnung von Kinderarbeit und industriellem Fischfang). Mit Erwin Wagenhofer wird ein erster Genfood-Gegner angeführt, was den Eindruck erweckt, dass in diesem Text auf die Argumente beider Seiten eingegangen wird.

Sprachlich stimmt der Text darauf ein, dass Nahrungsmittel „garantiert“ gesund sind.

Absatz 2 Problematik

Hier wird ein Problem formuliert, das mit der Position des Gegners nicht mehr gelöst werden kann. Dabei funktioniert Wagenhofer als Pars pro Toto implizit für alle Gegner, auch wenn deren Positionen im Text nicht erwähnt sind. Es „ist ebenso wenig zu leugnen“ (Passivkonstruktion). Trotzdem wird hier immer noch das Gegnerargument (gefährliches Genfood) beibehalten, wenn auch abgeschwächt durch die Beistellung eines „Argumentes“ für Genfood (über 6 Mrd. Menschen). Dabei werden zwei Wirklichkeiten gegeneinander gestellt (als würde sich Bevölkerungswachstum und genfreies Essen ausschließen) – eine muss also anschließend verworfen, bzw. um-interpretiert werden. An dieser Stelle wird aber nicht geleugnet, dass Genfood problematisch ist, sondern es wird dem Argument ein gewisses Gewicht zugestanden.

Absatz 3 Die Überzeugung

Ein „Blick in die Praxis“ wirkt oft überzeugend, vor allem wenn er „erfolgreich“ ist. In diesem Abschnitt wird jetzt das Informationsdilemma des Lesers genutzt. Konnte er in den ersten beiden Abschnitten noch Allgemeinsätze lesen und diesen zustimmen, muss er jetzt darauf vertrauen, dass die folgenden Informationen ebenso der Wirklichkeit entsprechen wie zum Beispiel die Bevölkerungsgröße.

Konstruierte Wirklichkeiten:

  1. Syngenta als erfolgreiches Unternehmen: Syngenta ist eine reine Genfoodfabrik, die regelmäßig ihre CI verändert, um ein besseres Image zu bekommen. Syngenta setzt neben genetisch veränderten Lebensmitteln auch hochtoxische Pestizide ein. (Atrazin, das in den USA verboten werden soll und Paraquat, das vom EUGH zuletzt nicht zugelassen wurde)

  2. Unterscheidung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln und Modifikation. Diese Unterscheidung ist rein sprachlich und wir hier explizit gemacht, um beim Leser den Eindruck zu erwecken sehr genau zu unterscheiden – schlussendlich soll er aber die Formulierungen von Unternehmen wie Syngenta („modifiziert, Biotechnologie…“) übernehmen und akzeptieren. Die Ablehnung von Genfood kann aufrecht bleiben, solange er die lediglich sprachlich davon unterschiedenen „modifizierten Lebensmittel akzeptiert“

  3. Gentechnik ist sicher. Mit Referenz auf das BMBF wird die wissenschaftliche Sicherheit von Genfood sugeriert. Das es vor allem staatliche Wissenschaftler sind, die von einer Gentechnik-bejahenden Regierung bezahlt werden, wird ebenso verschwiegen, wie die Tatsache, dass es zahlreiche davon abweichende Expertenmeinungen gibt. Zum Beispiel bei Greenpeace. Deren Argument wird aber nur unpräzise angeführt, um es als Überleitung zu dem „besseren“ Argument zu nutzen. Die Unterstellung des Gegners wird oberflächlich aufgegriffen, um ihn grundsätzlich zu widerlegen.

Abschnitt 4 Versöhnliches Ende und Verführung

Der Abschnitt startet mit einem Gegenargument, dass wieder deutlich ins Schema des Common Sense und in die Wirklichkeit des Lesers passt. Es wird dezent abgeschwächt, ohne es zu entkräften, weil es eher dazu dient, die vorher angebrachten „Hard Facts“ glaubwürdig zu machen.

Einen Ausweg aus der Diktion des Textes bildet der letzte Satz. Eine abgedroschene Phrase als Ausweg für Autor und Leser, die sich auf zwei keineswegs wertneutrale Weisen deuten lässt:

Erste Ebene: Das Gerede vom besseren Geschmack unbehandelter Lebensmittel ist reines Imagegerede von Biobauern und Besserverdienern.

Oder auf einer zweiten Ebene: Nur schlechter Geschmack ist streitbar. Guter Geschmack ist eine Frage von Lebensstil, Einstellung und Bewusstsein. Und letzteres lässt sich auch sprachlich nicht überlisten. Den „Über Geschmack lässt sich streiten“ ist schlicht falsch, die Redewendung heißt „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“. Das gilt nach sprachlicher Herkunft: „De gustibus non est disputandum“ und auch die Wissenschaft meint, dass der Geschmack eine Frage der, man staune, Gene ist.


05
Mai
09

Notwendiges Wissen vs. Bloggenswertes Wissen

Zwei flüchtige Bitten wurden mir gestern auf dem Gang der FH zugetragen. Heinz meinte, wir Studenten sollten doch mehr über die Inhalte der Lehre bloggen und Julian bat mich, endlich die produzierten Videos online zu stellen. Beides also heute:

Die Frage, ob es sich über die Inhalte des Unterrichts zu bloggend lohnt, scheint sich nicht nur bei unserem Jahrgang, sondern, so weit ich sehe, österreichweit mit NEIN beantwortet zu haben. Was wäre das für eine Welt: Die akedemische Diskussion wird aus den geistreichen Vorträgen, rauß aus den Hörsäalen in das intellektuelle Netz des WorldWideWeb getragen, um dort in noch geistreicheren Diskussion den Gipfel der Weisheit zu erklimmen.

Der geübte Leser hört schon eine gewisse Ironie und zumindest drei Gründe widersprechen dieser Idee.

  1. Studenten Menschen sind faul. Ohne Zwang passiert gar nichts. Wo kein Abgabetermin, da keine Arbeit. (Ich weiß, es gibt Ausnahmen)

  2. Blogs sind mMn für unfertiges und diskussionswürdiges. Für Dinge, die sich wandeln und morgen schon ganz anders sein können. Die Inhalte des Unterrichts sind zum Großteil dogmatisch (im Sinne von unveränderlich). Die große Syntagmatik des Christian Metz in einem Blog zu diskutieren mag interesannt sein; mehr als der Nachweiß ihrer Richtigkeit/Falschheit/Notwendigkeit oder Überflüssigkeiut wird aber nie gelingen. Metzt wird sie nicht mehr ändern. Sein Syntagmatik ist auch nicht dazu gedacht sich zu ändern, sondern um auswendig gelernt, wiedergegeben und eventuell angewendet zu werden. Meinen Film hab ich by the way ohne die geringst Rücksicht auf den Herrn Metz gemacht, obwohl ich prüfungsbedingt seine syntagmatische Liste auswendig kann.

    Das Medium >Blog< widerspricht also den Inhalten, die im Medium >Vorlesung< vermittelt werden. (Ich weiß, es gibt Ausnahmen). Dabei gilt es wohl eher die Inhalte der Vorlesung diskusionswürdig zu machen, als Blogs zu Vorlesungsskripten zu degradieren

  3. Würden Studenten tatsächlich über die inhalte des Unterichtes bloggen, wäre ein großer Teil des Unterrichtes überflüssig. Nämlich der Teil, der sich Jahr für Jahr wiederholt, weil sich nicht verändert. Der „Aufstieg und Fall der Parteipresse im 20. Jrh.“ wird sich nicht mehr grundlegend neu erklären lassen. Sind aber diese unveränderbaren (weil „historischen“) Inhalte des Unterrichts online abrufbar, wird derjenige überflüssig, dessen Aufgabe es ist, dieses Wissen eigentlich zu vermitteln. Das deswegen der Inhalt (also manchmal die Geschichte?) verändert wird, fordert hoffentlich niemand. (Ich weiß, es gibt Ausnahmen)

Bild: jonathanb1989

Bild: jonathanb1989

Damit stellt sich die grundsätzliche Frage, ob nur noch Wissen vermittelt werden soll, das online (noch) nicht abrufbar ist, oder ober wir darauf vertrauen, dass die persönliche Wissensvermittlung durch einen Lehrer/Prof auch dem antiquiertesten Lehrstoff noch mehr Spirit einhauchen kann, als jeder Wikipediaartikel.

Ich tendiere stark zum zweiten, weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir mehr von anderen Menschen lernen, als aus Lexika. Und zwar nicht nur die höheren Werte, sondern auch Wissen.

Die Krux besteht darin, dass die Inhalte teilweiße so brutal antiquiert sind, das auch mit der größten Liebe kein „Geist“ mehr zu erkennen ist.

Lange Listen und Tabellen voll willkürlicher Begriffe um etwas zu systematisieren, was in seiner Dynamik und Veränderlichkeit meist gar nicht systematisiert werden will.

Als ob wir einen Film besser verstehen, wenn wir gebannten Blickes vor der Leinwand sitzen und sagen: „Oh, das Syntagma der zusammenfassenden Klammerung nach Metz“. Als ob wir bei der Planung eines Filmes sitzen und uns überlegen, welche Syntagmen wir jetzt mal in welcher Reihenfolge aneinandersetzen.

Heinz von Foerster (den ich, wie Heinz wahrscheinlich völlig zu Recht meint, „etwas falsch verstanden haben könnte“ bringt diesesn Unsinn der Etikettierung besser auf den Punkt, als jeder Student es könnte. H.v.Foerster ist Jahrgang 1911 und schafft es meist ohne aufgepustetes Vokabular mehr zu vermitteln, als viele andere mit ihrer Unmenge an Fachtermini:

„Mich stört das gesamte Vokabular. Wenn jemand von Konstruktivisten und Realisten, Objektivisten, Subjektivisten und Postmodernisten spricht und diese ganze Terminologie ins Spiel bringt, würde ich am liebsten sagen: „Vielen Dank, mir reicht’s ich gehe ins Kino. Das ist interessanter.“

(1. So viel Kino kann sich kein Student leisten. 2. Auch das Kino kann nicht so viel gute Filme bieten, wie da nötig wären. 3. Jetzt kommt der entscheidende Teil:)

„Wollen wir doch, wenn wir miteinander sprechen und uns über Themen unterhalten, die Etiketten weglassen. Warum sollen wir auf die Esel springen, die hier durch die Manege öffentlicher Debatten und Auseinandersetzungengetrieben werden? [...] die einen rufen Muh, die anderen Mäh. Und dann rennen die diversen Esel gegeneinander – und das Ergebnis ist, daß niemand mehr zuhört.“ H.v. Foerster und B. Pörksen: „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“

Darf ich jetzt zynisch fragen, ob H.v. Foerster wegen solcher Passagen bis jetzt noch nicht im Unterricht aufgetaucht ist? ;)

Abschließend noch einmal der Versuch etwas eindeutig zu sein:

Ich habe ja nichts dagegen, die Bücher und Gedanken kluger Leute zu verfolgen, ich sehe auch die Notwendigkeit ein, bestimmte Gedanken nachzuvollziehen, die sich andere Menschen gemacht haben. (Das ist berhaupt eine der größten Notwendigkeiten). Aber ich sehe nicht ein, eine willkürliche Sprache zu lernen, die nur dazu dient, die Gedanken mit Wichtigkeit aufzupusten, ihnen eine „Aura“ zu verleihen, die sie dann mit ebensolchen Begriffen wieder zerstören (Benjamin). Eine Sprache, die von Inhalt und Gedanken völlig ablenkt, weil man sich bei jedem Gedanken damit befassen muss, ob man den verwendeten Begriff auch ja richtig verstanden hat, oder ob er in eben diesem Kontex nicht vielleicht doch etwas anders konotieren könnte (Eco).

02
Mai
09

Politiker auf YouTube – System und Vorschläge

Nachdem ich mich in einem Referat vergangene Woche mal wieder mit dem aktuellen Stand der politischen YouTube-Kommunikation befasst habe, will ich die vorgestellten Ansätze hier fest halten und auf die offen gebliebenen Fragen eingehen. (Völlig zurecht wurde mir nämlich vorgeworfen, dass ich keinen Vorschlag gemacht habe, wie so ein YouTube-Video denn aussehen solle.)

Ganz einfach, weil ich keine Ahnung habe.


Ernst von Glasersfeld hat das Bild des Blinden im Wald entworfen:
Wir kennen den Weg nicht, sondern merken nur durch Fehler (=Gegen den Baum laufen) welcher Weg nicht funktioniert. Irgendwann werden wir eine Idee haben, wie wir durch den Wald kommen, ohne je eine Ahnung zu haben, ob das der beste Weg ist. Dieses Trial-and-Error-Prinzip ist auch bei den Parteien auf YouTube festzustellen. Um die Systematisierung hier bersichtlich zu machen, ein paar Kriterien:

Konzeption: Spontanität vs. Drehbuch
Von den anscheinend spontanen Filmen der Grünen bis zu den durchgestylten Formaten von CDUTV lässt sich auf unterschiedlich viel Mühe und Bedeutungszuschreibung seitens der Parteiverantwortlichen schließen. Offensichtlich ist, dass der Grad der Konzeption keinen Zusammenhang mit der (subjektiven) Qualität hat. Sowohl die Spontanität als auch der Ablauf nach Drehplan sind weder garant für Erfolg, noch dafür, dass es total schief geht.

Inhalt: Der politische Paradigmenstreit der Politik setzt sich in der Visualisierung fort.

Grundlage für diese Unterscheidung war die Arbeit von Dr. Wilhelm Hofmann zu visueller Politik.

Auf der einen Seite gibt es den Versuch politische Themen zu diskutieren (mit sich selbst oder durch Zuschauerfragen) und auf der anderen Seite die konfrontative Auseinandersetzung mit dem Gegner. Hofmann führt die Begriffe von „Diskussionsgemeinschaft“ und den „Kampfbegriff“ an.

Zwischen diesen beiden Extrempolen liegen viele Schattierungen, so manche Diffamierung des politischen Gegners wird da gekonnt mit ein paar Sachbezügen garniert. Das lässt sich dann kaum noch von aufrichtigen Versuch der Sachdiskussion unterscheiden, in der das Konzept des politischen Gegners widerlegt wird.

Für das Format der YouTube-Videos halte ich diese subtile Mischung aus politischen Kampf und ideologischem Diskurs für Unsinn. Soll es zum Image und zur Identität der Partei gehören, dass sie andere Parteien direkt kritisiert, dann sollte das auch im flüchtigsten aller Medien nicht durch übertriebene Differenziertheit verdeckt werden.

Form: Von der Pressemitteilung zum Parteifernsehen
Meine „Klassifizierung“ setzt bei der klassischen Pressemitteilung an und sieht zahlreiche Videos als reine „visuelle Pressemitteilung“.

Was auch immer man sagen will, knallen die Parteien nicht mehr NUR in Pressemitteilung auf die Schreibtische der  Journalisten, sondern sie erliegen dem Glauben, dass sich jemand unbezahlt und in seiner Freizeit damit befassen will. Die Klickzahlen zeigen, dass dem nicht so ist.
Die „visuelle Pressemitteilung“ wird besser, wenn sie mit einer politischen Aktion oder einem Event zusammenfällt. Dazu zähle ich neben den Übertragungen politischer Aktionen durch Bsp. Die GRÜNE, auch die Aufforderung zum Dialog. Diese Form des „virtuellen Parteistandes“ transportiert die klassische Basis-Parteiarbeit (Stichwort: Kinderschminken) so gut es geht in Netzt. Meist geht es nicht.

Einen relativ großen Unterschied gibt es zum „Partei-TV“. Hier werden extra für YouTube Formate entwickelt und umgesetzt. Das machen vor allem CDU und FDP. Im Gegensatz zur „visuellen Pressemitteilung“ steht aber hier nicht der reine Transport der Botschaft im Vordergrund, sondern die damit verbundene Unterhaltung: Parteipolitisches Infotainment.
Dafür gilt dann meist das gleiche, wie für das journalistische Infotainment. Die Botschaft zählt meist weniger als die Unterhaltung.

Also was nun? Wie macht man es „richtig“?
Damit ich in dem begonnenen Bild von Glasersfelds Blindem im Wald bleibe, versuche ich gar nicht erst den Weg zum „richtigen Video“ zu beschreiben, der sich aber sicherlich irgendwo zwischen der genauen Justierung der angeführten Kriterien findet. Statt dessen ein paar Formate, die zeigen wie unterschiedliche (subjektiv) gute Videos aussehen können:

Arvid Bell:


Das hat nichts mit einem Webvideo zu tun. Die Grünen haben diese Rede vom Parteitag einfach mitgefilmt und online gestellt (um sie zwischendurch wiederholt zu löschen und damit auch viele positive Kommentare).  Die Tonprobleme bestehen weiterhin. Da ändert sich halt mal mitten im Video die Bitrate des Tons. Unfassbar.

Aber was deutlich wird: Wenn der Inhalt einen bestimmten Drive und eine gute Botschaft hat, ist die Form völlig egal. Das es sich bei Arvid Bell um ein Talent handelt, dass sich kaum Gedanken über die Form machen muss, sieht man in einer weiteren Rede, die genau so grausig gefilmt und genau so toll ist.

Hans-Peter-Haustein


Ein guter Versuch unverkrampft und mit einem Schmunzeln die große Politik zu erklären. Ein schmaler Grad zwischen politischer Botschaft und Unterhaltung, der bei jeder Übertreibung Gefahr läuft, lächerlich zu werden.

CDU TV

ein (suggerierter?) Mehrwert für den Zuschauer, verpackt in einem Format, das zumindest nicht vor Langeweile gähnt. Vielleicht nicht ein Format für die breite Masse, aber ein nettes Angebot an die Stammwählerschaft.

Cem Özdemir: Ein Versuch


Hier bin ich auf die nächste Folge gespannt. Ganz ohne jeden Inhalt wird sich ein solches Format wohl nicht durchsetzen. Die hemdsärmliche und unaufdringliche Art wirkt aber so lässig wie Obamas aufgekrempelte Hemdsärmel. Das ist gut, aber ob es wirklich gut ist, wird sich zeigen wenn Cem Özdemir länger im Bild ist. Das er nach 60sek. weder langweilig noch nervig ist, darf man erwarten. Das schaffen nur Claudia Roth und Roland Pofalla (jmd. vergessen?)

Ob diese Auswahl jetzt zu euphorischer Freude über die hohe Qualität der politischen YouTube-Videos führt, oder ob Sie sich fragen, wo jetzt die wirklich tollen Videos sind, dass liegt wieter bei Ihnen. Sollte ich überragendes oder unterirdisches versäumt haben, nur her damit.
Zu Guter Letzt:
„2009 ist das Jahr der Werbevideos“ Das kann ich Ihnen nicht vorenthalten. Hab es eh schon getwittert. Das ist einfach nur fantastisch.

03
Feb
09

Die Zukunft der Online-PR ist Online

Ich hab ein wenig gebraucht, um dieses schlüssige Fazit aus der Fachtagung in Darmstadt zu ziehen.

Das mag an mir liegen, oder daran, dass die Referenten haupsächlich den aktuellen Stand der Online-PR beschrieben haben. Daraus abgeleitet trotzdem der Versuch eines Fazit, maßgeschneidert für die geschätzten Kolegen meines Studienganges:

  1. für Journalisten:

    Durch die PR droht erstmal keine Gefahr. Die klassischen Medien werden in naher Zukunft nicht durch den direkten Kontakt zwischen Konzern und Kunde ersetzt. Dafür sind weder Kunden noch Konzerne internetafin genug. Klassische Pressearbeit darf nicht vernachlässigt werden, das wiederholte Thomas Pleil mehrfach. Wir freuen uns, dass die Medien ihre Relevanz behalten. (Da gab es ja schon genug Gegenstimmen)

    Wir dürfen uns damit auch weiter auf buffetierte Pressekonferenzen, blödsinnige Pressemitteilungen und bluffende Pressesprecher freuen. Und darauf, dass wir unseren Job noch eine Weile vernünftig machen können.

  1. für PRisten

    Für euch gibt es genug Jobs. Besonders an Digital Natives scheint es zu fehlen. Am weitesten war wohl Uwe Knaus von der Daimler AG, der selbst twittert und mit dem Daimler-Blog für eines von zwei bloggenden Dax-Unternehmen verantwortlich ist. Sind also noch 28 Posten zu besetzten. Dazu der Posten des Community-Managers. Den Tweets der Darmstädter Studenten zu Folge ein neuer Traumjob, der in der professionellen Betreuung von Facebook, StudiVZ oder dem Odenwaldnetzwerk besteht. Unklar ist dabei, ob sich Konzerne am besten ein eigenes kleines Netzwerk bauen, oder die bestehenden Dickschiffe mit Gruppen, Fanpages etc. infiltrieren sollen.

Stichwort Darmstädter Studenten. Eine tolle Tagung haben Sie organisiert. Da muss PRleben.com ganz schön nachlegen. Naja, sind ja noch über drei Monate.

Zur Erinnerung an die freundlicherweiße von meiner FH finanzierte Reise, hier die vielen schönen Menschen im Campus, allen voran natürlich die Damen des Organisationsteam: (alle anderen im Flickr-Stream)

21
Jan
09

Grazer Bürgermeister braucht neuen Pressesprecher

Seit Anfang 2008  ist Enrico Radaelli Pressesprecher des Grazer Bürgermeisters (davor Wahlhelfer) und Vollprofi bei der ÖVP. Vorher war auch schon Pressesprecher bei der Antenne Steiermark und Kärnten. Echter Profi also, darf man hoffen.

Sein Aufageb erfüllt der Sportsfreund allerdings mehr schlecht als recht. Gut, der Videokanal läuft so vor sich hin (eine Blamage gegenüber der SPÖ, obwohl auch die nicht so toll ist), der Siegfried-Nagl Twitter ist auch nur ein Stream schlechter Fotos, was solls.

Es gibt wichtigeres. Den Eindruck versucht Enrico Radaelli zumindest zu erwecken.

Im Zuge einer Analyse der Parteien-YouTubekanäle hab ich ihn um ein Interview gebeten. Den Erst-Termin hat er verschoben. Den Zweittermin hab ich auf seinen Wunsch ins Rathaus gelgt, parallel zur Gemeinderatssitzung. Wir haben uns für 16 Uhr verabredet. Auf meinen Anruf reagierte er mit einer SMS: „5min“. Eine halbe Stunde später erlaubte ich mir erneut anzurufen. Wieder SMS: „Bin beim Bgm. Komme gleich“. Nach einer Viertel Stunde übernahm der erwähnte Bgm. dann den Vorsitz des Gemeinderates. Ich saß drin. Eine weitere viertel Stunde später rief ich dann nochmal an: Keine Reaktion. Die Vorzimmerdame bat ich auszurichten, dass Enrico Radaelli mich doch bitte anrufen möge. Keine Reaktion. Danach bat ich ihn nach einmal via Facebook um einen Anruf, ich war etwas sauer. Reaktion: „Der Bgm. geht halt vor. Kein Grund sauer zu sein.“

Doch.

Bis heute kein Anruf. Bis heute keine Interview. Bis heute keine Informationen über den YouTubekanal der ÖVP.

Dafür: Fröhliche Photos vom Mia-Konzert, Enttäuschung über die Niederlage 99ersGroße Freude über die Presseresonanz auf  seine neue Aufgabe bei der freiwilligen Feuerwehr.

Das Enrico Radaelli einen merkwürdigen Zugang zur  Kommunikation und Internet hat, wurde ja schon mal deutlich.

Ist Enrico Radaelli also der gute alte Pressesprecher, der seinen Chef vor jedem Kontakt bewahrt?

Nicht-Information als Methode.

Toll.

Davon können wir noch was lernen.

Sollte sich vielleicht mal ein Beispiel an der Opposition nehmen. SPÖ-Stadtrat Riedler war nämlich (ohne Pressesprecher) in der Lage einen Termin für den kaffeeSATZ zu finden. Der Bürgermeister, bzw. sein unfähiger Pressesprecher waren noch nicht einmal in der Lage abzusagen.

17
Jan
09

R.I.P. Worte der Woche die leider nicht gesagt wurden

und die Psychologie der großen Seite

Das Zeit Magazin hat seine amüsante Rubrik „Worte der Woche, die leider nicht gesagt wurden“ ermordet. Schade drum.

Dafür gibt es jetzt, inclusive einer recht umfangreichen umbesetzung der Redaktion, „Gesellschaftskritik„. Feine Sache, aber der Einstand von Florian Illies zu Rachida Datis Weiblichkeit und deren Folgen ist etwas zu viel der Selbstbeweihräucherung. Hoffe, dass der Autor mit dieser Ausgabe sein umfangreiches Wissen unter Beweis gestellt hat ud ab der nächsten Folge etwas konzentrierter ans Thema geht. Sonst biette wieder die nicht gesagten Wörter:

„Als flamboyant lass ich mich gern bezeichnen, vielleicht hätte ich auch meine Tochter so nennen sollen?“

Rachida Dati über die neue Zeit-Gesellschaftskritik.

Themenwechsel – tabula rasa

Beim Lesen der ZEIT kam mir ein Gedanke: Die großen Seiten sind vor allem so wunderbar, weil sie den unbedingten  Eindruck erwecken, dass auf ihnen etwas steht, was  Sie und ich noch nicht wissen. Eine „Kleine Zeitung“ tut sich MIT dieser suggestiven Wirkung wahrscheinlich schwer.

Am Ende stimmt es wohl gar nicht, und wir wissen eh schon alles, aber das Lesen bringt es in eine Reihenfolge, verknüpft und ordnet es. GUT

Viel mir nur auf, heute morgen.

Bitte um Stellungname der mitlesenden Kognitionswissenschaftler…

15
Jan
09

Der Hessentestlauf

Nicht nur politisch wird die Hessenwahl am Sonntag einen Vorgeschmack auf den Rest des Jahres geben. Auch der Wahlkampf im Web geht (hoffentlich) erst richtig los…

Bemerkenswert die Entwicklung von Thorsten Schäfer-Gümbel. Als graue Marionette verspottet, probiert er es mit dem alten SPD-Versuch des Youtube-Dialogs. (Hatte ja auch schon mal Kurt Beck).

Am Anfang etwas frontal, dann locker flockig und inhaltsleer, dann wieder völlig überfrachteter Inhalt, nun ja. Die momentane Entwicklungsstufe ist dann nach Peters Woche wohl das beste, was es im Moment in Deutschland gibt.

Erster Versuch:

Und Jetzt (wir hoffen beim geänderten Bildausschnitt mal auf Absicht):

Roland Koch versucht spät aber doch ähnliches im Webcamp, leider genau so merkwürdig wie das gesamte CDU TV. Aber zu YouTube gibts nochmal einen Extrabeitrag, wenn sich nur die Pressesprecher dieser Parteien endlich mal melden würden.

Noch peinlicher als Roland Kochs YouTube-Versuch (wenigsten mutig) ist das sogenannte Twitter-Interview von Robert Basic mit TSG. Das hat in keinster Form etwas mit Interview zu tun, sondern ist die moderne Version des Kanzlers im Bierzelt. Volksnähe ist nicht unbedingt eine erstrebenswerte Eigenschaft von Politikern. Und den Begriff des Interviews sollte man wirklich nur verwenden, wenn es der Wortbedeutung gerecht wird. Ich hoffe Robert Basic verdient mit seinem Blog viel Geld, das er sich solche Blödheiten in Zukunft sparen kann.

Damit zurück zum Positivismus. Nach der „Nacht im Netz“ (sie erinnern sich, da wurde ein neuer amerikanischer Präsident gewählt) gibt es vom ZDF die „Wahl im Web„. Das Pilotprojekt geht also in Phase zwei.

Ich erwarte ein vernünftige Verbesserung und die erneute Demonstration, dass Inhalt und Journalismus auch im Web Platz haben. Befürchte allerdings schlimmstes. Nämlich „total spannendes BlaBla“

Klaus Kleber ist leider nicht dabei, dafür Markus Kavka. Denn kenn ich nur von MTV – das lässt schlimmes erwarten, aber warten wir es ab. Schon jetzt fehlen mir die Dinge, die beim letzten Mal noch großes Potential verschenkt haben. (delicious, twitter …)

Naja, ich werd trotz gemeiner Beschäftigungspolitik meiner FH „einschalten“. Die Hessen wählen ja zu humanen Zeiten. Nicht wie diese Amis.

P.S. Ob ich es gut finden soll, dass mich von 555 Feeds nur zwei auf die „Wahl im Web“ aufmerksam machen? Ich weiß nicht, dank an die Empfehlung vom @schneeengel und homopoliticus

P.P.S. 10 Tage nach der Wahl bin ich in Hessen. Da. Ich habs ja sonst nichts so mit Werbung, freu mich aber auf die Fachsimpelei über „Die Zukunft der Online-PR“. Dabei stecken wird doch drin. Aber was solls…

10
Nov
08

Ich habe Recht

Im Internet auf jeden Fall.

Tauchte der Long-Tail bis jetzt eher im Zusammenhang mit den wirtschsaftlichen Möglichkeiten des Internet auf, scheint auch die Meinungsvielfalt diesem Long Tail zu unterliegen.

Würde heißen: 80% fühlen sich durch die wenigen (20%????) klassischen Leitmedien gut vertreten, 20% finden ihre Meinungen im endlosen Angebot des Internet.

Das würde viel erklären.

Unter anderem auch die Unmöglichkeit im Internet über „Fehler“ des Internet zu diskutieren.

Der Leitartikel von Ulrich Clauss auf Welt online (via) wird von 97% der User als „nicht lesenswert“ eingeschätzt. (Gut das es diese Funktion bei meinem Blog nicht gibt.) Lesenswert findet man dagegen Karoline Herfurths Angst vor Nacktszenen (obwohl dort viel weniger Leser abgestimmt haben)

„Im Schleppnetz der Freiheit“, so der Titel, fordert Clauss eine „Ethik der Informationsgesellschaft“.

Und damit fordert er eben etwas, dass nicht der Mehrheit der Web-Meinungen entspricht.

Ich finde zwar den Begriff der „Ethik“ unpassen, wäre für Anstand. Aber wer immer noch leugnet, dass mit dem Internet viel Unfug getrieben wird, ist genau so blind wie diejenigen, die meinen, dem Internet fehle es an Relevanz.(neuer Link)

Wir sind also wieder beim viel diskutierten Programmdirektor Lorenz . Er spricht (wahrscheinlich) nicht von den wenigen „sinnvollen Usern“ des Internet. Er spricht von denen, die sich zwischen StudiVZ und YouTube-Foren bewegen. Und die hat er völlig treffend beschrieben – auch wenn er keine Ahnung hat, welche Möglichkeiten darüber hinaus im Internet stecken.