Archiv der Kategorie 'Medien'

08
Mär
09

Der Knochenmann – schwarz, teuer, gut

Das der österreichische Film seinen eigenen Witz hat, ist mir als Exildeutschem nach „Das Fest des Huhnes“, „Müllers Büro“ und „Komm, süßer Tod“ natürlich klar.

Platter Slapstick (auf den man sich drei Minuten vorher freuen kann) kombiniert mit erschreckend feinsinnigem schwarzen Humor, das hab ich gestern von „Der Knochenmann“ erwartet und habe es bekommen.

Mehr als mir lieb war, und für mehr Geld als mir lieb war. (9,10 € – dafür konnt ich vor drei Jahren noch eine Frau und eine Packung Popcorn mitnehmen)

Nach der Hannibal-Trilogie Quatrologie und „Delicatessen“ dürften Menschen die gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen andere Menschen essen nicht mehr schockieren. Ebensowenig wie abgehackte Finger und fachmännisch vom Schlachter zerkleinerte Menschen. Blut fließt nämlich genug im Knochenmann, fast schon zuviel für meinen Geschmack.

Dafür ist die etwas übertriebene Blutrünstigkeit des Filmes durch großartige Nahaufnahmen und eine wunderbare Bildästhetik entschuldigt. Es lebe die große Leinwand. Wie sonst soll man die säuberlich arrangierten Morde verfolgen.

Eine kaputtgeschlagene Flasche steckt im Hals des Bösewichts und dessen Blut fließt säuberlich säuerlich durch den Flaschenhals. Ganz wie ein eben geöffneter Rotwein.

Oder der abgehackte Finger, der durch die halbe Küche fliegt. Und um das angeborene Entsetzen vor frischem Blut weichen zu lassen, hüpft der Finger in die Marinade für das Backhendl. Und von den wunderbaren Großaufnahmen diverser Zerkleinerungsmaschienen hab ich noch nichts erzählt, aber das spar ich mir auch. Habe gerade gut gegessen.

Diese hervoragende „Kulisse des Skurielen“ wird bespielt von einer erstaunlich harmonischen Gruppe. Die Hauptdarsteller Josef Hader als „Brenner“ und Josef Bierbichler überbieten sich in stoischem Sarkasmus.

Bierbichler dominiert diesmal als mordender Wirt „Löschenkohl“  mit seiner fantastischen Mimik; Hader bleibt bescheiden bei seinem (gewohnt) trockenen Humor. (Nicht gegen Hader, im Gegenteil) – Schade nur, dass Simon Schwarz so selten zum Zuge kommt. Wenn, dann ist und bleibt er aber der Held der Blödheiten

Birgit Minichmayr darf leider nur mitspielen und Hader den Kopf verdrehen. Das macht sie hervorragend. Ihre beste  Stelle hat sie wohl, als sie eine Flasche Eierlikör fallen lässt und gleich darauf eine Flasche Rotwein. Diese wunderbare Brühe auf dem Boden der Schlachterrei hätte der sonst so bildgewaltige Regiseur Wolfgang Murnberger ruhig etwas länger zeigen können.

Trotz Wucher also ein empfehlenswerter Film, eine schwarze Komödie in bester Manier.

11
Feb
09

was müssen wir eigentlich wissen?

Auf den Artikel von Nico Alm will ich noch hinweisen. Er schimpfte schon Ende Jänner völlig zurecht über fehlendes  Verständnis für das Internet an der  Publizistik Wien.

Dass ich in meinem letzten Beitrag davon schon wieder abgewichen bin, mag daran liegen das wir auf der FH (Journalismus…) zumindest einen größeren Anteil webaffiner Studenten haben, die wissen worum es sich bei Blogs, Twitter und delicious handelt .  Schöne wäre es, wenn das Ganze selbstverständlich wird. Aber mit einem Blick nach Wien schient das noch weit entfernt.

Ich könnte jetzt noch Seitenlang schimpfen, dass Storys, wie die des erfundenen Vornamens, weder für einen besseren Journalismus sorgen, noch für eine gesundes Verhältnis zum Internet. Hat aber Thomas Knüwer schon. Und auch, dass dieses Thema vielleicht ein wenig belanglos ist; (immer diese Aufregung) auch das hat Armin Wolf schon angedeutet.

Ich kann mich also wieder nur mal selbst drauf einschwören, später alles anders zu machen. Und hoffe, dass sich die Erkenntnis der FH-Studenten, dass dieses Internet ja doch „irgendwie wichtig“ und nicht „so ganz schlecht“ ist, auch an den Unis rumspricht…

05
Feb
09

Deutsche Parteien und ihre Youtubekanäle

Eigentlich sollte man im „Superwahljahr“ auch einen Super-Internetwahlkampf erwarten dürfen.

Bis jetzt sieht es aber eher dünn aus. Haben die Wahlergebniss der SPD in Hessen schon resignieren lassen?

Hier ein kurze Übersicht der  YouTube Kanäle deutscher Bundestgasparteien. Dazu ist einschränkend zu Bemerken, dass einige Parteien mehrere Kanäle bespielen. Berücksichtigt wurden die Reichweitenstärksten.

Die Präsentation mit abspielbaren Videos unter google

Auf dem Barcamp am WE in Klagenfurt hoffe ich in einer Session über versäumte Möglichkeiten diskutieren zu können. Die Präsentation befasst sich lediglich mit dem IST-Zustand.


Die Übersicht zu den Österreichern wird folgen. Ich bin gespannt worauf wir in einem Jahr zurück blicken können. Vielleicht sind die Pressesprecher dann auch wieder gesprächsbereiter.

Grundlegendes und weiterführendes:

FAZ über Wahlkampf im Netz

Kurzstudie von netzpolitik.org

Hessens Parteien werben via YouTube (heute-video)

ZDF-Experte Christoph Bieber über Web 2.0 Nutzung der Parteien

12
Dez
08

It’s fucking short

Seit etwa drei Monaten beschäftige ich mich studienbedingt recht intensiv mit Fernsehen, TV und so. Oder eben dem, was daraus geworden ist; sagen wir „Bewegtbildproduktion“.

Nach den technischen Know-How am Anfang ging es die letzten Wochen intensiv ans Produzieren und dabei wurden zwei Dinge klar:

Es geht schnell. Und schnell vorbei.

Die Flüchtigkeit dieses Mediums besteht nicht nur in der Rezeption, sondern auch in der Produktion. Statt eines tiefgründigen Interviews über eine Stunde werden Statements eingeholt. 5 Minuten Interview. 15 Sekunden OT. Am längsten ist meist die Anfahrt. Ob in solchen kurzen wirklich Journalismus betrieben werden kann, nun ja.

Ich halte es mehr für eine technische Dienstleistung. Wir stellen dar und ergründen kaum noch (Inder Produktion-und nur das wird wahrgenommen). All die Informationen und Hintergründe, die wir in der Recherche, in Vor- und Nachgesprächen sammeln, kommen nie beim Zuschauer an.

Alles was wir tun können, ist Interesse für Themen wecken. In eins-dreißig pro Beitrag.  Die Auswirkungen davon hat Neil Postman (der mir gerade viel Spaß macht) beschrieben. Die Auswirkungen auf die Journalisten erlebe ich jetzt selbst. Und die sind nciht unangenehm. Ein kurzes Statement von Bürgermeister und Vize bekommt man einfach, ohne Voranmeldung, die Profis sind gebrieft in kurzen Sätzen (nicht IMMER ohne Inhalt) zu antworten. Brav

zweite Erkenntnis:

Live ist alles anders:

Wir experimentieren im Moment auch mit dem Live-Streamtool Make TV. Ich sehe in diesem Idioteneinfachen Zugang zur Fernsehproduktion eine Menge potential. Noch ist die Bildqualität wohl nicht gut genug, um die Konditionierung aufs Fernsehn zu überwinden, aber die Möglichkeit zur „Multiregie“ (Also eine Gruppe von Leuten produziert gemeinsam einen Film, live und im Web, kann solche Veranstaltungen wie Runde Tische sicher ablösen.

Diese sterbenslangweilige Sitzung wichtiger Menschen ist einfach nicht kurz genug fürs Fernsehen. Make-TV beitet aber die Möglichkeit zum Chat unter Zuschauern UND Produzenten, also einen schnellen Wechsel von Teilnahme zu Rezeptionen, von der Wahrnehmung zur Überprüfung. WEbseiten sind einen Klick entfernt und in selben Brwoser möglich. Und mit einem Klick kann jeder seine Ergebnisse, Meinungen und über eine Webcam theoretisch auch sich selbst einbringen und damit am Fernsehen teilnehmen.

Denn Fernsehen heist nicht, vor einem Fernseher zu sitzen, sondern in die Ferne zu sehen. In Zukunft heist es wohl auch, in die Ferne zu senden.

P.S.: Die nächste (Test-)Gelegenheit dazu ist schon Montag 15.12.08. Harald Fidler an der FH wird wieder gestreamt, Kinderschuhe wachsen schließlich beim laufen lernen.

P.P.S. Das wichtigste ist immer dein Team. Es muss schnell sein und gut. So wie ihr beide. ;)

18
Nov
08

Forderung nach Relevanz

1. relevante Zeitungsartikel

2. relevante Bücher

3. relevante Vorlesungen

Nichts ärgert ich mehr, als die verordnete Zeitverschwendung. Wenn ich aus dem ehrlichen Interesse an tiefgründiger und ausführlicher Information eine Zeitung/Zeitschrift kaufe, ihr das kostbarste widme, was ich habe: Geld und Zeit;

Dann will ich mich nicht durch Seiten aus Belanglosigkeit kämpfen um auf relevante Themen zu stoßen.

Und Bücher, wenn merkwürdige Menschen wie Norbert Bolz Bücher voller Unsinn schreiben und dann, irgendwo, ein einziges geistreiches Kapitel verstecken, dann ist das eine beleidigende Hybris gegenüber all den anderen Büchern, die gelesen gehören.

Sämtliche Phasen jugendlicher Hochleistung MÜSSEN wir in Schulen verbringen, nämlich sowohl im Lebenszyklus (14-24), als auch tageszyklisch am Morgen und am frühen Nachmittag.

Wenn die kostbarste aller Zeiten aber damit verschwendet wird, YouTube-Videos oder Guido Knopp-Filme zu schauen, englische Grammatikformulare oder Kreuzworträtsel auszufüllen, Nicht-Ziele und Lern-Ziele zu definieren,

wenn damit unsere Zeit verschwendet wird, dann habe ich ein Recht auf schlechte Laune und die Pflicht mich aufzuregen.

Wir werden an Dummheit sterben, wenn jeder Versuch des LERNENS und WISSENS durch einen Urwald an Belanglosigkeiten führt. Wenn das Filtern und Finden von Relevanz mühsamer wird, als das Verstehen.

Es ist mir unerklärlich, warum jetzt immer Relevanz und Qualität im Internet gefordert wird, oder auch noch im Fernsehen.

Schon vor 20 Jahren hat Neil Postman erklärt: „Problematisch am Fernsehen ist nicht, daß es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, daß es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert“.

Er macht klar, dass das Medium Fernsehen als solches, dazu taugt, bildlich, also oberflächlich zu sein.

Weiter gesprochen: Fernsehen ist Unterhaltung per se und muss nicht relevant sein. Es soll unterhalten. (und dass schliest weder Information noch Qualität aus)

Gern würde ich Gleiches für das Internet sagen. Aber dieses Internet wird ja so oft missverstanden, weil es eben Beides sein kann. Unterhaltung und Bildung, ein medialer Omnimorphling.

Der unterhaltsame Zeitvertreib hat seinen Platz direkt neben politischer, kultureller und wirtschaftlicher Relevanz. Und das ist gut und gefährlich.

Der angenehme Lernzwang meterhoher Bibliotheksbücherregale verschwindet auf Kosten der Unendlichkeit und Überall-Verfügbarkeit menschlicher Weisheit. Platon ist uns genau so nah, wie süße Hundebabies oder nervenzerfetzender Spielspaß.

Hier hilft nur eiserne Disziplin. Unterhaltsamer Zeitvertreib ist ja nicht per se schlecht. Er ist aber tödlich, wenn er zur Flucht vor der intelektuellen Auseinandersetzung wird. Dann ist er genau so tödlich, wie die Folter mit Irrelevanz. Autoren und Lehrer, die ihr Wissen in einem Jungel aus Überflüssigkeiten verstecken. Einer Überflüssigkeit, die zum Gift für den Geist wird, eine Flüssigkeit, zäh, klebrig, aber ohne jede Substanz.

10
Nov
08

Ich habe Recht

Im Internet auf jeden Fall.

Tauchte der Long-Tail bis jetzt eher im Zusammenhang mit den wirtschsaftlichen Möglichkeiten des Internet auf, scheint auch die Meinungsvielfalt diesem Long Tail zu unterliegen.

Würde heißen: 80% fühlen sich durch die wenigen (20%????) klassischen Leitmedien gut vertreten, 20% finden ihre Meinungen im endlosen Angebot des Internet.

Das würde viel erklären.

Unter anderem auch die Unmöglichkeit im Internet über „Fehler“ des Internet zu diskutieren.

Der Leitartikel von Ulrich Clauss auf Welt online (via) wird von 97% der User als „nicht lesenswert“ eingeschätzt. (Gut das es diese Funktion bei meinem Blog nicht gibt.) Lesenswert findet man dagegen Karoline Herfurths Angst vor Nacktszenen (obwohl dort viel weniger Leser abgestimmt haben)

„Im Schleppnetz der Freiheit“, so der Titel, fordert Clauss eine „Ethik der Informationsgesellschaft“.

Und damit fordert er eben etwas, dass nicht der Mehrheit der Web-Meinungen entspricht.

Ich finde zwar den Begriff der „Ethik“ unpassen, wäre für Anstand. Aber wer immer noch leugnet, dass mit dem Internet viel Unfug getrieben wird, ist genau so blind wie diejenigen, die meinen, dem Internet fehle es an Relevanz.(neuer Link)

Wir sind also wieder beim viel diskutierten Programmdirektor Lorenz . Er spricht (wahrscheinlich) nicht von den wenigen „sinnvollen Usern“ des Internet. Er spricht von denen, die sich zwischen StudiVZ und YouTube-Foren bewegen. Und die hat er völlig treffend beschrieben – auch wenn er keine Ahnung hat, welche Möglichkeiten darüber hinaus im Internet stecken.

08
Nov
08

SCHEIß INTERNET

Und wie schnell man damit recht haben kann.

Meine Kollegen diskutieren gerade auf mehreren Plattformen eine Aussage des ORF-Programmdirektors Wolfgang Lorenz:

„Es ist mir scheißegal ob sie zuschauen. Und sinngemäß: Anstatt die publizistische Macht des Fernsehn zu nutzen, verkrümmelt sich die Jugend in dieses Scheiß-Internet.“

Und in jugendlichem Gehorsam macht „die Jugend“ das auch noch wirklich.

Sebastian Bauer macht den Anfang, indem er die Äußerungen von Lorenz aufgreift und diese ohne jedes Gegenargument bloggt. Das ist noch nachvollziehbar, denn Lorenz war beleidigend und dagegen darf sich jeder, jederzeit wehren. Auch in einem Blog.

Unverschämt finde ich, was Kollege Michael Neumayr daraus macht. Hält er sich im Blogeintrag noch zurück, fordert er auf Twitter schon direkt zu einer Anti-Lorenz-Kampagne auf. Mike möge mich nicht falsch verstehen. Ich meine nicht, dass die Äußerungen verschwiegen werden sollten.

Aber jemand der die Veranstaltung nicht erlebt hat, sollte nicht ohne jeden Gegenchek zu Kampagnen auffordern. Und als werdender Journalist erst recht nicht, ohne Gegenargumente zu berücksichtigen.

Für Journalisten finde ich es schon Fragwürdig, wenn sie auf der Veranstaltung nicht mal den Mund aufmachen. (@basti)

Das auch Heinz Wittenbrink kaum über die plakativen Aussagen hinaus geht, wundert mich.

Der Schneeengel bringt zumindest eine ausführlichere Darstellung.

Denn:

Nur weil jemand das Internet nicht versteht, heißt das nicht, dass er keine Ahnung von Fernsehen hat.

Lorenz meinte: der ORF macht ein Angebot – wir entscheiden ob wir es annehmen.

Das Internet ist „UNSER“ Angebot an den ORF (und an alles „ALTE“).

Wir sind hier. Und wer unser Geld und unsere Aufmerksamkeit haben will, hat sich gefälligst nach uns zu richten.

Wer darauf verzichtet hat das Recht dazu. Wir können ihm, ohne jede Empörung, scheißegal sein. Denn, mal ehrlich, dem Großteil von uns, ist Wolfgang Lorenz doch auch egal.

Warum auch ich nicht über die Inhalte der Veranstaltung schreibe: Es ist nicht mehr nötig ONLINE über die Relevanz von ONLINE zu schreiben. Im Dialog mit den Alten scheint es genau so nötig, wie deren Gespräche mit uns: über Krieg, Politik und Wirtschaft. Aber Generation sind anscheinend dazu da, dass sie aneinander vorbei reden…

I don’t know. Ich will nur nicht mitmachen…

06
Nov
08

THE PILOT

(eng. =Lotse, auch. =Probesendung)

Barack Obama hat gezeigt, wie man Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Claus Kleber hat gezeigt, wie man echtes Web-TV moderiert. Bis halb 7 war ich dank der „Nacht im Netz“ nie einschlafgefährdet.

DIE NACHT IM NETZ

Parallel zum ZDF-Programm (das auch gestreamt wurde) gab es ab 1.00am eine reine Web-Sendung mit Claus Kleber und Nadine Bilke. Der Anchormann von ZDF-Heute wagte sich auf unbekanntes Terrain und hat damit gezeigt wie echtes Webfernsehn funktionieren kann. Vom „Chaos zur Kultur“ wie das ZDF meint.

Das Neue: kein smarter Anchorman, der die Welt erklärt, sondern ein „Lotse“, der sich bei seiner eigenen Orientierungssuche beobachten lässt.

Claus Kleber hat durch ein Sammelsurium an Quellen geführt. Jeder Zuschauer konnte selbst entscheiden wohin er folgt. Schon zu Beginn erklärte Kleber: „Sie können rauß und wieder rein gehen“. Für einen echten TV-Moderator undenkbar.

Und so hat es funktioniert.

Claus Kleber war bescheidener Mittelpunk der Sendung, an seiner Seite Nadine Bilke (heute.de – im Chat viel zu wenig gewürdigt), Internetscouts, Blogger, TV-Scouts und ZUSCHAUER.

Die waren aber nicht wie im Hauptprogramm an den Fernseher gebunden, sondern konnten TEILNEHMEN.

CHAT(zum nachlesen)

Über den Chat konnten Fragen gestellt werden und die wurden, ohne dabei plakativ zu sein, beantwortet und diskutiert. Problematisch war da nur die Masse und die teilweise überforderten Chatter. Erstaunlich war, das User technische Probleme der Crew lösten (Skype Anrufe abwehren).

TWITTER

tauchte ständig in der Sendung auf, ohne das die Crew selbst getwitter hätte. Aber sie haben immer wieder das Stimmungsbild übertragen – und die Möglichtkeit selbst zu twitter zu wechseln hatte ja jeder der im Netz war. Überraschend, das Kleber ohne Twitter wirklich zu kennen, sofort die Bedeutung verstanden hat. Sinngemäß meinte er, dass durch die Twittermeldungen über Unstimmigkeiten bei der Wahl mehr Transparenz geschaffen wird, als bei jedem internationalen Wahlbeobachter.

Delicious

Erst gab es über eine Firefoxapplikation (WELCHE???) die Möglichkeit, die Webseiten der Redaktion via RSS zu verfolgen. GROßARTIG. Dann war die Seite überlastet und auf Delicious wurde ein Konto eingerichtet auf dem alle Surftips der User gesammelt wurden. Selbst das taggen hat (zumindest am Anfang) gut funktioniert. Hier haben die Zuschauer aber gezeigt, dass sie doch bei bekannten Methoden wie Mail und Chat bleiben. Das Netzwerk von NIN08 beschränkt sich auf 4 (inc. mir ;)

SKYPE

Sorgte für den meisten „Spaß“. Ein Live-Interview via skype war das Ziel, wurde aber von ständigen Kontakanfragen völlig verdrängt. Ein Kameramann war so nett die Skype-ID einzublenden und sorgte damit für den Schaden. Die Idee nett, aber sowohl die Qualität der Zuschauer, als auch die der Internetverbindung und des Tons, machen es (noch) unmöglich das toll zu finden.

TV

Hier sehe ich die Wegweißende Bedeutung der Sendung. Die NIN hat sich NICHT auf das Web beschränkt. Es war kein Fernsehn im Web, es war „moderiertes Internet“

Kleber hat (teilweise etwas unbeholfen ;) – aber sympathisch – auf dem medialen Klavier gespielt. Von den Kommentaren in Blogs wechselte er zur klassischen Berichterstattung, Live-Schalte zum TV 8ZDF na klar), ein paar Gespräche mit Gästen in der Uni, ein Blick auf die großen Webseiten (CNN, Fox) der Amerikaner. Er selbst hat sich aus vielen Quellen informiert und hat seine Zuschauer eingeladen das gleiche zu tun und ihn auf neue Dinge hinzuweisen.

Auch wenn er zwischendurch meinte, dass er sich bei „normalen“ Sendungen nicht gern in die Karten schauen lässt; er hat genau das zugelassen, was das Internet ausmacht: Pluralität. Er hat zugelassen, dass ich nebenbei auf anderen Seiten bin, nebenbei TV schaue. Die NIN hat nicht versucht mein Interesse zu decken, sondern gezeigt wo ich es könnte. Damit war es die Einzige Webseite/TV-Kanal, der mich bis zum Schluss ohne Unterbrechung gebunden hat.

PATZER

Die meisten Chatter fanden die kleinen Fehler (Skype, „sind wir drauf?“, welche Kamera?) lustig. Mich hat der meist schreckliche Ton etwas zu sehr gestört, aber was solls. Das öffentlich-rechtliche sich einmal in die Karten schauen lassen ist großartig, macht sie sympathisch und zeigt einen erstaunlichen Vorsprung vor den Privaten.

Ein Format also, das sicher eine kleine (aber hoffentlich wachsende) Zielgruppe hat.Natürlich im WEB, im TV darfs gern weiter kluge Expertenintervies geben, es gibt auch Leute die darauf Lust haben.

Zukunft hat es auf jeden Fall – wenn die Zuschauer mitkommen.

Hier noch der Link zu leider völlig zurechtgeschnittenen Sendung. Das Live-Ereignis bleibt unvergessen. Obama und das ZDF werden zeigen was aus den geweckten erwartungen wird.

Die anderen meinen:

„lächerlich

„so sollte das im TV aussehen“

weiter Ideen für Fernsehnächte und Verbesserungsvorschläge 8gut uns ausführlicher als meine

„Bitte wieder machen“

05
Okt
08

Vernetzt oder eher weniger…

Es war nicht leicht.

Fast schon quälend wurde auf meine Stöckchenofferte geantwortet.

Ergebnisse: Ein gutes Drittel unseres Studiengangs ist inzwischen über Studivz, google, und orf.at hinaus im web AKTIV. Die meisten als Blogger:

Clemens, intasiti Markus, vorreiterin Anja, Dani, schneeengel Jochen – dann ist das Stöckchen verloren gegangen. Soweit ich weiß, fehlen noch Luftschlosserin HanniSabrina und Basti (UPDATE). Immerhin 8 von 21.

UPDATE: Ganz „neu“: Claudia und damit 9 von 21(der Blog ist zwar schon älter, wird aber jetzt wieder aktiv…)

UPDATE II: Auch Anna Wieder ist jetzt am bloggen

Die meisten bloggen über „was sie gerade beschäftigt“. Obwohl ich schon den Eindruck habe, dass sich dadurch Themen ergeben wie: Österreichische Politik, Frankreichurlaube, Internet und musik oder muSICK. die Meisten Bloggs sind aber erfreulich durcheinander.

Über das Bloggen hinaus ist die Vernetzung und Webnutzung sehr unterschiedlich. Mich hat ja vor allem interessiert, welche Möglichkeiten des Wissensmanagements wir nutzen und besser nutzen sollten.

Empfehlungen:

Mit dem neuen Dienst im Google-Reader wird das noch einmal einfacher. Kontakte die in meiner Google-Chatliste sind, können noch einfacher auf meine Empfehlungen zugreifen und umgekehrt. So darf ich inzwischen auch die Empfehlungen der noch-nicht-bloggenden Vici lesen. Danke.

Es empfehlen öffentlich: der schneeengel und ich, mehr sind natürlich willkommen. Das spart eine ganze Menge Zeit bei der Lektüre, auch wenn es ärgerlich ist, dass google damit schon wieder einen Dienst entwickelt hat, der User bindet, Daten offen legt, speichert etc. Aber die Alternative wäre wohl blöder zu sterben…

social bockmarks (delicio.us):

wird kaum genutzt, nicht einmal als Austauschplattform für unterrichtsrelevante Webseiten. Ein Konto haben die meisten (alle?). Aktiv genutzt wird es von Hanni dem schneeengel, dem intasiti und von mir. In letzter Zeit (endlich ;) auch von Clemens. Ein Männerspielzeug?

Ich glaube eine ganze Menge mehr.

Und auf jeden Fall die bequemste und stukturierteste Methode Webseiten zu verbreiten und auszutauschen. denn jedes Bookmark ist via RSS verfügbar und kann dann also auch wieder über den Feedreader empfohlen werden. Hier sehe ich das größte Nutzungspotential (sowohl quantitativ (mehr Wissen) als auch qualitativ (besser wissen und wieder finden)) für unseren Studiengang/ Journalisten in Ausbildung.

soziale Netzwerke:

StudiVZ und Facebook werden intensiv bis sporadisch genutzt, Xing nur periphär. Das eigene Netztwerk auf Ning hat sich (warum?) nicht recht durchsetzten können. In Summe sind sie eine gute Plattform zum direkten Austausch (Termine, Fragen, Soziales…) NEIN

twitter

hat seinen ganz eigenen Fankreis gefunden. Der schneeengel kämpft breits um die Krone der österreichischen Twitterer. Außerdem sind Clemens (sehr) und Markus (gemäßigt) aktiv (ich je nach Wahl;)

JUKreiz

Es lässt sich nicht leugnen, das die „Webaktivisten“ auch diejenigen sind, die in unserem neuen Portal die Rolle der Pioniere übernehmen. Bleibt zu Hoffen, das Controler und Consulter mitziehen und sich nciht aufgrund des Mediums ausgeschlossen fühlen. Wir geben uns mühe, versprochen.

Trotzdem drängt sich bei mir die Frage auf: Ist das alles?

21
Jul
08

Montag mit Helmut Schmidt

Es ist keine Kunst, sich einen Mann wie Helmut Schmidt zum Vorbild zu nehmen, es ist wohl eher ein Zeichen von Überheblichkeit es nicht zu tun. Deshalb werde ich meine Begeisterung etwas unterdrücken.

In der aktuellen ZEIT spricht Helmut Schmidt über Europa und schafft es, mich schon mit seiner ersten Antwort völlig umzuhauen:

Die Frage: „Lieber Herr Schmidt, fällt ihnen etwas ein, das Menschen heute noch für Europa begeistern könnte?“

ICH WÜRDE ZUNÄCHST DEM UNAUSGESPROCHENEN ANLIEGEN WIDERSPRECHEN WOLLEN, DASS ES WÜNSCHENSWERT SEI, DIE LEUTE FÜR EUROPA ZU BEGEISTERN

Die Weisheit dieses Satzes klärt sich nach kurzer Zwischenfrage: „Sonder?“

ICH MÖCHTE NICHT, DASS BÜRGER ODER PARLAMENTE AUS BEGEISTERUNG ZUSTIMMEN, SONDERN AUS VERNUNFTGRÜNDEN.

Es ist nicht schwer von diesen Sätzen begeistert zu sein. Sie bringen mit der Demut und Weisheit des Alters ein wünschenswertes Anliegen zum Ausdruck, was jeden Europäer, Politiker und Wähler zur Einsicht bringen kann/sollte/muss(?).

Zu Einsicht, nicht durch Zustimmung.

Ich kann Harald Schmidt nur zustimmen, denn er zählt trotz meines Zweifels am gesunden Kopf einer kranken Lunge zu den Geistern, die mir zum Charakter-Beispiel dienen sollen. Auch das ist keine Kunst, den Helmuth Schmidt zeigt seinen Altersscharfsinn jede Woche im Interview „AUF EINE ZIGARETTE MIT HELMUT SCHMIDT“. In DIE ZEIT(älteres Interview)

Seine Aussage: ICH MÖCHTE NICHT, DASS BÜRGER ODER PARLAMENTE AUS BEGEISERUNG ZUSTIMMEN, SONDERN AUS VERNUNFTGRÜNDEN.

ist für mich deshalb so bemerkenswert, weil sie die aktuelle Diskussion um ein Europa der zwei Geschwindigkeiten, um fehlende Begeisterung, um die Reaktion auf das Irische nein, um nationale Zuständigketen etc, mit einem klaren Apell an den Geist und das vernünftige Denken überdeckt.

Wie ruhiger, schwerer Schnee legt sich dieser Satz über die wilden Debatten der Gegenwart. Er sieht die Lösung der europäischen Krise nicht in den Gefühlen, sondern in dem was Europa ist: Eine intelektuelle Idee, die Idee einer „Abwesenheit von Kriegsangst“.

Und die Einsicht in die Notwendigkeit der Union, ist die Einsicht in die Notwendigkeit des Friedens.

Obwohl es umgekert wohl logischer wäre.

Seht den Wert des Friedens ein, dann wisst ihr wozu Europa gut ist.

So sagt es Helmut Schmidt nicht, aber so verstehe ich ihn. Helmut Schmidt sagt ICH MÖCHTE NICHT, DASS BÜRGER ODER PARLAMENTE AUS BEGEISERUNG ZUSTIMMEN, SONDERN AUS VERNUNFTGRÜNDEN.

Für alle Ösis, die Helmut Schmidt noch nicht näher kennen, empfiehlt sich eine Dokumentation aus dem letzten Jahr. Ich vermisse ja solche Köpfe wie ihn in der aktuellen Politik (vom alltäglichen Leben ganz zu schweigen)

Aber vielleicht wird man wirklich erst im Alter so gescheit. Oder merken es die anderen erst dann?

Der erste Teil des Portraits hier als Montagsvideo:

bemerkenswert auch zwei Artikel im Standard, und die meisten wissen, dass ich von dem Blatt nicht sehr angetan bin. Beide zu Europa, deshalb passt es hierher:

Jaja, die Gurkenkrümmung, Teil zwei einer überfälligen serie

Interview mit dem österreichischen Eu-Botschafter

@christian. nein, nicht via ;)

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