Keine Illusionen. Ich erwarte schon nicht mehr, dass ich etwas ändert. Dafür kann ich nur umso freier herumdenken und eine Vorstellung von Universität entwickeln, die sich an keiner Realität wird messen müssen. (Außer an meiner)
Ein Wunsch kann nicht widerlegt werden. Erst recht nicht von den Vertretern des Status Quo. Denen, die gerade wieder fleißig Prüfungsbögen austeilen um die „Qualität der Ausbildung“ zu sichern. Lernerfolge messen. Mit solch höheren Zielen kann ich Ihnen leider nicht dienen. Ich studiere wahrscheinlich in den Augen einiger Kollegen auch nur noch, weil die Qualitätssicherung nicht mit der nötigen Härte praktiziert wird.
Zum Glück gibt es die anderen: Eine reizende Dozentin meinte heute:
„Ich bin nicht hier, um euch auf die Prüfung vorzubereiten“.
Und erntete dafür VON DEN Studenten eine erstaunliche Portion „Ja, aber…“.
Die Prüfung und die gute Note als wichtigstes Grundbedürfnis neben Nahrung, Schlaf und warmer Kleidung? Zahlen zwischen 1 und 6 als Maßstab der eigenen Leistung, vielleicht sogar als Anspruch? Wenn sich Studenten schon wünschen, dass ihre geistigen Freiheiten dadurch eingeschränkt werden, dass sich alles nur noch um den alles entscheidenden Fragebogen dreht, ist alles zu spät. (Glauben Sie nicht, wir können unsere Bestätigung und Kritik auf anderem Wege erlangen? Reden wäre da eine Variante. Lob, Kritik, Auseinandersetzung, Rechtfertigung. Vorstellbar?)
Wenn sich Studenten Beispiele und Vorgaben wünschen, statt ihre Gedanken auf möglichst großem Feld auszuspielen, ist alles zu spät. (Glaube sie nicht, dass auf einem weißen Blatt besser geschrieben werden kann als auf einem Formular? Und wer braucht überhaupt Blätter?)
Wir sind so geprägt von falschen Anreizsystemen, kruden Orientierungen. Unsere determinierten Köpfe produzieren nur noch Mittelmäßigkeit. Ausfüllwissen. Zu viele von uns verordnen sich selbst Grenzen, weil wir seit unserer Grundschulzeit an diese Muster gewöhnt wurden, sie adaptiert haben und inzwischen kaum mehr ohne sie zurechtkommen.
Nicht aus Blödheit, sondern aus Hörigkeit. Hörigkeit gegenüber einem Apparat, der sich dazu legitimiert sieht Berufszugänge zu kontrollieren und Menschen von 1-6 zu kategorisieren. Ein Apparat, der sich dann erfolgreich nennt, wenn es viele „geschafft“ haben. Ein irres Spiel, in dem ein Apparat Regeln aufstellt, deren Befolgen er dann als Auszeichnung für die Existenz seiner Regeln versteht. (Den Satz ruhig zweimal lesen, hab ihn auch doppelt geschrieben.) Ein irres Spiel, in dem ein Apparat Regeln aufstellt, deren Befolgen er dann als Auszeichnung für die Existenz seiner Regeln versteht.
Zensuren spielen keine Rolle mehr. Außer für den Apparat. Außer für jene, die sie eine Rolle spielen lassen.
Wir kommen ohne sie zurecht. Wir, die Welt voll von klugen Leuten.
Stellen sie sich vor, Schulen und Universitäten ohne Noten. Plötzlich wäre wirklich jeder gezwungen klug zu sein.
Klug zu werden. Zumindest im Ziel sind wir uns ja hoffentlich einig.


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