Archiv der Kategorie 'Österreich'

23
Okt
09

Gedanken zur Party #unibrennt Wien

Wien ist weit weg, aber Dank Twitter, Livestream und Luca hab ich doch einiges von der Besetzung der Wiener Hauptuniversität mitbekommen.

Meine Solidarität reicht nur leider nicht soweit, dass ich mich kurzfristig auf 12h Zugfahrt begebe und so wird mein Beitrag lediglich ein theoretischer sein.

Bis jetzt scheint es, wie Luca bemerkt, an Realismus und Deutlichkeit der Forderungen zu fehlen. Aber Protest hat ja auch nicht die Aufgabe, fertige Lösungen zu präsentieren, sondern Diskussionen anzuregen. Das dieser Protest in Form einer großen Party stadtfindet, halte auch ich für einen nicht gerechtfertigten Kritikpunkt. Die Party ist die Proteskultur unserer Generation (1, 2) sie ist das Mittel zur Mobilisierung.

Im Audimax Wien wurden gestern also folgende Forderungen „beschlossen“.

Ausgegangen sind sie von der Universität der Bildenden Künste, die wohl den fundiertesten Anstoß für die Proteste gegeben hat, erweitert wurden die Kurzforderungen wie schon erwähnt von Luca (Zitate folgend kursiv), ich werde sie hier weiter diskutieren und hoffe, dass sich weitere Studenten und Professoren finden, die sich daran beteiligen.

Demokratisierung der Universitäten
Studenten sind der Souverän der Universität. Sie müssen in allen wesentlichen Fragen (Curriculum, Personal) mit- entscheidungsberechtigt sein. Zudem gibt es aber ein übergeordnetes Interesse, Vergleichbarkeit bei Bildungsabschlüssen zu erzielen. (Gibt es das? Ist diese durch den Bologna-Prozess gegeben?)

Ein Studienabschluss, der vom Staat vergeben wird soll nicht beliebig sein. Der Staat als Finanzier des Bildungssystems hat also auch ein Recht über die Bedingungen zu entscheiden, unter denen jemand am System teilhaben darf und unter welchen er es mit einem Abschluss wieder verlässt.

Dabei ist der Staat seiner Verfassung verpflichtet, die Gleichheit fordert, bejaht und fördern muss. Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren widersprechen diesem Ansatz, sind aber bisher das einzige Mittel die große Zahl der Studierenden zu bewältigen. Warum aber, werden Vorlesungen nicht längst elektronisch gehalten, via Youtube ausgestrahlt (so wie es das MIT z.Bsp. macht). Warum wird die Kapazität des Bildungssystems an der Größe der Hörsäale fixiert?

Wenn wir aufhören Studenten für einen optiomalen Arbeitskräftemarkt auszubilden, dann werden Studenten ihr Studium abschließen, die dabei Freude hatten und den Arbeitsmarkt selbst gestalten, weil sie eben nicht nur eine Stelle ausfüllen. Professoren und Unis sind nicht die Dienstleister des Arbeitsmarktes, sondern der Studenten. Ihre Anforderungen und Bedürfnisse sollen die Lehre bestimmen, nicht der Arbeistmarkt.

Selbstverwaltung der Universitäten
Universitäten dürfen nicht von der Politik der aktuell regierenden Parteien abhängig sein. Es muss dafür gesorgt werden, dass sie das nötige Geld und Macht bekommen über sich selbst zu bestimmen.

Die Autonomie der Universitäten muss zusätzlich eigene Konzepte der Ausbildung ermöglichen. Fachhochschulen und Universitäten sollten nicht die einzigen Modelle sein, die in Europa Platz haben.

Kontrolliert und Evaluiert werden diese Systeme durch den Souverän, die Studenten.

Transparente Finanzierung der Universitäten
Wohin fließt wie viel Geld und warum. Wer ist an der Entscheidung daran beteiligt? Warum muss Bildungspolitik beim Haushalt mit anderen Bereichen konkurrieren. Bildung muss Bedarfsdeckend und nicht Mindestfinanziert werden.

Freie Masterzugänge

Wenn wir Autonomie und Selbstverwaltung fordern, muss gewährleistet sein, dass Teilnehmer an Masterstudiengängen dazu befähigt sind und die nötigen Vorkenntnisse haben. Das kann durch einen Aufnahmetest geschehen, der sich am Wissen und nicht an der Zahl der möglichen Sitze bemisst. Das kann dadurch geschehen, dass die Abschlüsse des ersten akademischen Bildunsweges nicht von den Universitäten vergeben werden (die immer daran interessiert sind, wenig Durchfaller zu haben) sonder durch eine unabhängige (staatliche?) Prüfungsagentur. Ergebnis wäre evtl. ein ähnliches Model wie das Zentralabitur.

Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren
Studiengebühren schließen Menschen vom Zugang zu Bildung aus und Reglungen wie dass man in der Mindeststudiendauer keine bezahlen muss, sorgen lediglich dafür, dass einfache Lehrveranstaltungen bevorzugt werden und die Leute durch das Studium hasten, anstatt sich Wissen anzueignen.

Denkbar sind evtl. Absolventenbeiträge, die nach erfolgreichem Start ins Berufsleben gezahlt werden. Ob direkt an die Universitäten oder über eine Bildungssteuer ist zu überdenken. Der Kerngedanke für seine Ausbildung einen finanziellen Beitrag zu leisten, ist nicht verkehrt, sondern er muss nur so konstruiert werden, dass er keine Zugangsbeschränkung darstellt. Wennwir Bildung weiter als Staatsaufgabe verstehen, müssen wir bereit sein Modelle zu akzeptieren, die den gestiegenen finanziellen Bedürfnissen Rechnung tragen.

Keine Aufnahmeprüfungen
Aufnahmeprüfungen schließen ebenfalls Menschen von Bildung aus. Sie nehmen den Leistungsstand von wenigen Stunden und bestimmen damit das gesamte Leben.

Um diese Forderung durchzusetzen müssen zwei Vorraussetzungen erfüllt sein.

1. Vorbildung

Die schulische Vorbildung muss gut genug sein, um zum Studium zu befähigen. Das Zentralabitur ist auf diesem Weg ein sinnvoller Schritt. Förderkurse oder die existierenden Vorkurse ebenfalls

2. Infrastruktur

Freier Zugang heisst tendenziel mehr Studenten. Dabei hat keiner Interesse an volleren Hörsäalen. Hier gilt es noch einmal über die Digitalisierung der Dozenten nachzudenken. Hören in Abwesenheit. Die technische Infrastruktur dafür ist längst da, die Aufmerksamkeit und die Konzentration dürfte außerhalb der überfüllten Hörsäale wohl auch besser sein.

Bessere Dienstverhältnisse für Lehrende
Eine Universität hat wenig Anreiz, wenn den Lehrenden immer mehr Hürden in den Weg gelegt werden, während die Privatwirtschaft mit Geldbündeln winkt. Ich spreche nicht davon, dass man sie mit Geld überhäufen soll, sondern sie dabei unterstützen muss, wenn sie ihrer Überzeugung, Wissen zu teilen, nachkommen.

Dabei gilt es ein Maß von autonomer Lehre und studentischer Kontrolle zu finden. Das Elend, dass ein schlechter Dozent erzeugt, ist zumindest kurzfristig größer als jenes, einer Studiengebühr. Hier gilt es schon in der Phase der Anstellung Studentische Mitwirkung zuzulassen. Nach meiner Beobachtung ist die Einstellung von Dozenten, die gleichzeitig in der Wirtschaft tätig sind, am erfolgreichsten. Sie sind nicht geprägt von akademischen Mühlen, besitzen Praxiserfahrung und sind finanziell nicht primär von ihrer Stelle als Dozent abhängig. Unabhängigkeit, ermöglich auch in diesem Falle die Freiheit „gut“ zu sein.

Flexible und selbstbestimmte Studienpläne
Jeder Student sollte selbst darüber entscheiden können, was für ihn sinnvoll ist und nicht in einen vorgefertigten Pfad gestopft werden, der jegliche Kreativität tötet und lediglich auf schnelles durchwinken ausgelegt ist.

Sind schlussendlich Teil einer unabhängigen Universität. Auch hier muss es aber möglich sein, dass Universitäten (unter Studentischer Mitbestimmung) selbst darüber entscheiden, ob sie flexible oder fixierte Studenpläne verwenden wollen. Beide System haben Vorteile, beide NAchteile, beide werden von verschiedenen Studenten bevorzugt.

Hier zeigt sich die Stärke der Unabhängigkeit. Sie ermöglicht, und das ist im Sinne aller, Wahlfreiheit.

Zum Schluss bleibt zu hoffen, dass die Party morgen nicht schon vorbei ist. Bleibt zu hoffen, dass auch die Gegenbewegung „Wir wollen doch nur unseren Abschluss“ versteht, dass auch sie in diesem offenen System Platz haben. Bleibt zu hoffen, dass alles besser wird.

Es ist mehr als nötig.

Demokratisierung der Universitäten
Jeder Student hat ein Recht darauf mitzubestimmen, wie seine Ausbildung aussieht. Es handelt sich um Menschen, die Verantwortung über ihr Leben übernehmen können und somit auch über die Art und Weise wie sie sich Wissen aneignen. Ich spreche nicht davon, dass es keine Prüfungen mehr geben soll und man ohne Anstrengung irgendwelche Titel bekommt. Darum geht es nicht. Das Studium soll sinnvoll sein und man soll es nicht wegen dem Abschluss machen, sondern weil es spannend ist, weil man lernen will.

Selbstverwaltung der Universitäten
Universitäten dürfen nicht von der Politik der aktuell regierenden Parteien abhängig sein. Es muss dafür gesorgt werden, dass sie das nötige Geld und Macht bekommen über sich selbst zu bestimmen.

Transparente Finanzierung der Universitäten
Wohin fließt wie viel Geld und warum.

Freie Masterzugänge

Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren
Studiengebühren schließen Menschen vom Zugang zu Bildung aus und Reglungen wie dass man in der Mindeststudiendauer keine bezahlen muss, sorgen lediglich dafür, dass einfache Lehrveranstaltungen bevorzugt werden und die Leute durch das Studium hasten, anstatt sich Wissen anzueignen.

Keine Aufnahmeprüfungen
Aufnahmeprüfungen schließen ebenfalls Menschen von Bildung aus. Sie nehmen den Leistungsstand von wenigen Stunden und bestimmen damit das gesamte Leben. Stattdessen müssen die Studenten im Vorfeld darüber aufgeklärt werden, was das Studium bedeutet, was sie machen müssen und welche Alternativen es gibt. Weiters kann man das System grundsätzlich überdenken, in welche Weise Förderkurse Sinn machen, wenn Studenten ein gewisses Vorwissen nicht mitbringen.

Bessere Dienstverhältnisse für Lehrende
Eine Universität hat wenig Anreiz, wenn den Lehrenden immer mehr Hürden in den Weg gelegt werden, während die Privatwirtschaft mit Geldbündeln winkt. Ich spreche nicht davon, dass man sie mit Geld überhäufen soll, sondern sie dabei unterstützen muss, wenn sie ihrer Überzeugung, Wissen zu teilen, nachkommen.

Flexible und selbstbestimmte Studienpläne
Jeder Student sollte selbst darüber entscheiden können, was für ihn sinnvoll ist und nicht in einen vorgefertigten Pfad gestopft werden, der jegliche Kreativität tötet und lediglich auf schnelles durchwinken ausgelegt ist.

21
Jan
09

Grazer Bürgermeister braucht neuen Pressesprecher

Seit Anfang 2008  ist Enrico Radaelli Pressesprecher des Grazer Bürgermeisters (davor Wahlhelfer) und Vollprofi bei der ÖVP. Vorher war auch schon Pressesprecher bei der Antenne Steiermark und Kärnten. Echter Profi also, darf man hoffen.

Sein Aufageb erfüllt der Sportsfreund allerdings mehr schlecht als recht. Gut, der Videokanal läuft so vor sich hin (eine Blamage gegenüber der SPÖ, obwohl auch die nicht so toll ist), der Siegfried-Nagl Twitter ist auch nur ein Stream schlechter Fotos, was solls.

Es gibt wichtigeres. Den Eindruck versucht Enrico Radaelli zumindest zu erwecken.

Im Zuge einer Analyse der Parteien-YouTubekanäle hab ich ihn um ein Interview gebeten. Den Erst-Termin hat er verschoben. Den Zweittermin hab ich auf seinen Wunsch ins Rathaus gelgt, parallel zur Gemeinderatssitzung. Wir haben uns für 16 Uhr verabredet. Auf meinen Anruf reagierte er mit einer SMS: „5min“. Eine halbe Stunde später erlaubte ich mir erneut anzurufen. Wieder SMS: „Bin beim Bgm. Komme gleich“. Nach einer Viertel Stunde übernahm der erwähnte Bgm. dann den Vorsitz des Gemeinderates. Ich saß drin. Eine weitere viertel Stunde später rief ich dann nochmal an: Keine Reaktion. Die Vorzimmerdame bat ich auszurichten, dass Enrico Radaelli mich doch bitte anrufen möge. Keine Reaktion. Danach bat ich ihn nach einmal via Facebook um einen Anruf, ich war etwas sauer. Reaktion: „Der Bgm. geht halt vor. Kein Grund sauer zu sein.“

DOCH.

Bis heute kein Anruf. Bis heute keine Interview. Bis heute keine Informationen über den YouTubekanal der ÖVP.

Dafür: Fröhliche Photos vom Mia-Konzert, Enttäuschung über die Niederlage 99ersGroße Freude über die Presseresonanz auf  seine neue Aufgabe bei der freiwilligen Feuerwehr.

Das Enrico Radaelli einen merkwürdigen Zugang zur  Kommunikation und Internet hat, wurde ja schon mal deutlich.

Ist Enrico Radalli also der gute alte Pressesprecher, der seinen Chef vor jedem Kontakt bewahrt?

Nicht-Information als Methode.

Toll.

Davon können wir noch was lernen.

Sollte sich vielleicht mal ein Beispiel an der Opposition nehmen. SPÖ-Stadtrat Riedler war nämlich (ohne Pressesprecher) in der Lage einen Termin für den kaffeeSATZ zu finden. Der Bürgermeister, bzw. sein unfähiger Pressesprecher waren noch nicht einmal in der Lage abzusagen.

Ich empfehler der ÖVP sich ein wenig nach neuem Personal umzusehen. Es steht schlecht um die Partei, von der ich hoffe, dass sie Laura Rudas verhindern kann. Aber das ist eine andere Geschichte…

08
Nov
08

SCHEIß INTERNET

Und wie schnell man damit recht haben kann.

Meine Kollegen diskutieren gerade auf mehreren Plattformen eine Aussage des ORF-Programmdirektors Wolfgang Lorenz:

„Es ist mir scheißegal ob sie zuschauen. Und sinngemäß: Anstatt die publizistische Macht des Fernsehn zu nutzen, verkrümmelt sich die Jugend in dieses Scheiß-Internet.“

Und in jugendlichem Gehorsam macht „die Jugend“ das auch noch wirklich.

Sebastian Bauer macht den Anfang, indem er die Äußerungen von Lorenz aufgreift und diese ohne jedes Gegenargument bloggt. Das ist noch nachvollziehbar, denn Lorenz war beleidigend und dagegen darf sich jeder, jederzeit wehren. Auch in einem Blog.

Unverschämt finde ich, was Kollege Michael Neumayr daraus macht. Hält er sich im Blogeintrag noch zurück, fordert er auf Twitter schon direkt zu einer Anti-Lorenz-Kampagne auf. Mike möge mich nicht falsch verstehen. Ich meine nicht, dass die Äußerungen verschwiegen werden sollten.

Aber jemand der die Veranstaltung nicht erlebt hat, sollte nicht ohne jeden Gegenchek zu Kampagnen auffordern. Und als werdender Journalist erst recht nicht, ohne Gegenargumente zu berücksichtigen.

Für Journalisten finde ich es schon Fragwürdig, wenn sie auf der Veranstaltung nicht mal den Mund aufmachen. (@basti)

Das auch Heinz Wittenbrink kaum über die plakativen Aussagen hinaus geht, wundert mich.

Der Schneeengel bringt zumindest eine ausführlichere Darstellung.

Denn:

Nur weil jemand das Internet nicht versteht, heißt das nicht, dass er keine Ahnung von Fernsehen hat.

Lorenz meinte: der ORF macht ein Angebot – wir entscheiden ob wir es annehmen.

Das Internet ist „UNSER“ Angebot an den ORF (und an alles „ALTE“).

Wir sind hier. Und wer unser Geld und unsere Aufmerksamkeit haben will, hat sich gefälligst nach uns zu richten.

Wer darauf verzichtet hat das Recht dazu. Wir können ihm, ohne jede Empörung, scheißegal sein. Denn, mal ehrlich, dem Großteil von uns, ist Wolfgang Lorenz doch auch egal.

Warum auch ich nicht über die Inhalte der Veranstaltung schreibe: Es ist nicht mehr nötig ONLINE über die Relevanz von ONLINE zu schreiben. Im Dialog mit den Alten scheint es genau so nötig, wie deren Gespräche mit uns: über Krieg, Politik und Wirtschaft. Aber Generation sind anscheinend dazu da, dass sie aneinander vorbei reden…

I don’t know. Ich will nur nicht mitmachen…




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