Hier sammle ich kurze und lange Gedanken zu meinem zukünftigen Beruf. Das Älteste steht unten und das meiste ist von mir. Einiges also geklaut. Aber ich finde immer mal wieder was, was ich mir jeden Tag um die Ohren hauen sollte.

Februar 09

„Wer kann eigentlich heute noch seinen Gegner planvoll und doch kurzweilig tranchieren? Die Kunst, ein Pamphlet zu schreiben, ist selten geworden; man bekreuzt sich schon vor dem Wort. Wenn Hamlet heute unter die Leute der Presse treten würde, wie einst unter die Schauspieler, er würde etwa sagen: »Oh, da gibt es vollbärtige Herren, die pathetisch rollen und immer sich gebärden, als ob sie zur Ewigkeit sprächen und nicht zu ein paar schnelleilenden Stunden. Dann gibt es Milchbärte, die entsetzlich viel Bücher gefressen haben und vor lauter Schulweisheit nicht mehr wissen, was Recht und Unrecht, Liebe und Haß. Sie haben kaltes, träges Blut und bilden sich viel darauf ein, sie nennen es Sachlichkeit. [...] Hinter der fechterischen Attitüde pocht ein Herz und wacht ein Auge.“

Carl von Ossietzky über die Kunst der Polemik

und Erich Kästner: „Jeder ist mitverantwortlich, für das was geschieht und für das, was unterbliebt.“

Dresden ist halt gutes Klima. Ich werde mein Bestes tun…

August08

„Verbrecher gibt es überall, auch bei Journalisten.“ Die Frage ist, wer sie anstellt und bezahlt.

Geht es darum jedes bestehende Bedürfnis (nach Information, Erklärung, Aufklärung, aber auch nach Voyeurismus, Blut, Gewalt und Sex) zu befriedigen? Oder, können wir uns darauf beschränken die notwendige Zeitgenossenschaft herzustellen? Reicht es Informationen zu multiplizieren, damit sich das Publikum zu einer entscheidungsfähigen Gemeinschaft finden kann?

Informationen sollen helfen, die Notwendigkeit von Engagement erkennen zu lassen, sie sollen nicht dazu auffordern, erst recht nicht, selbst zur Aufforderung werden.

Juli08

Jeder Text ist ein wenig PR. Sobald ich eine Standpunkt habe, schreibe ich vor der Überzeugung, dass dieser Standpunkt richtig ist. Aber ohne Standpunkt lässt sich nicht schreiben. Meine Reportage über das Glücksspiel kann also nicht frei von Werbung für das Casino, noch frei von Werbung für die Selbsthilfegruppe sein.

Ich schenke beiden Beachtung, ich sehe in beiden eine Existenzberechtigung/Notwendigkeit. Außerdem muss es doch möglich sein, einen „positiven“ Text über jemanden/etwas zu schreiben, ohne das es Werbung ist. Aber wie?

März08

Zum journalistischen Stil: (aus einer Seminararbeit)

Der persönliche Stil der Journalisten soll sich nicht im Schreiben, sondern im Recherchieren wiederfinden. Nicht, wie der Einzelne schreibt, zeichnet ihn aus, sondern was er schreibt.

Die Forderung auf einen journalistischen Schreibstil zu verzichten, ist leider genau so haltlos wie die, nach gutem Stil. Göran Rosenberg nennt dieses anmaßende Verzichten zwar schlechten Stil, vergisst aber dabei den Vorrang der Information gegenüber der Unterhaltung. Ein guter Journalist zeichnet sich nicht dadurch aus, unverwechselbar zu schreiben. Im Gegenteil, er schreibt so präzise und auf die Vermeidung jeder Literatur (und damit jeden Stils) bedacht, dass er ohne weiteres von einem anderen guten Journalisten ersetzt werden kann.

GUTES DEUTSCH Dezember07 (zum sprechen gedacht)

gutes deutsch sitzt – mit jedem wort gutes deutsch setzt sich fort satz um satz wort um wort – ein gedicht ist was sich reimt ein guter satz ist – richtig – geleimt – in blei gegossen dahin geflossen rinnt er mir so nur so ins hirn – und bleibt hängen

gutes deutsch steht – glied neben glied – satzglied – glieder kann ich ignorieren nur der inhalt wie lieder in meinem kopf treibt – never forgett – never forgotten

gutes deutsch liegt – legt mich rein – rein in die sonne gutes deutsch ist in erster linie – eine wonne – ich will mich mit texten schlagen – sätze können lang sein nicht zu ertragen – ich ringe sie nieder – nicht ist mir lieber – sätzte können kurz sein kurz wie ein furz sein -gehen wie der genannte hinaus – fliegen davon – erleichtern mich

gutes deutsch macht – mich glücklich – hat die macht jeden gedanken zu drücken – auszudrücken – so zu zerquetschen – wie die zitrone – interessiert mich nicht die bohne was der da schreibt – es ist das gute deutsch – was gehängt wird – gehängt bleibt – hängen bleibt.


1 Antwort zu „journalistische Selbstbetrachtungen“



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